Perspektivenwechsel mit Prothesen:

Wie ich meinen Weg gehe ohne Füße!

Lesedauer: 3 Minuten

Ich bin Dani, 35 Jahre alt und aus dem wunderschönen München.

Allein mit meinem Schicksal … so habe ich mich gefühlt, als ich im August 2013 aus der Klinik entlassen wurde. Nach 8 Monaten stationärem Aufenthalt, davon 3 Monate auf Intensivstation, war ich physisch und psychisch am Ende. Hätte man mir an meinem 30. Geburtstag gesagt, dass ich in einem Jahr nur knapp dem Tod entkommen würde und bis an mein Lebensende mit 100 % Schwerbehinderung klarkommen muss, ich hätte ihn für verrückt erklärt.

Alles fing mit einer harmlosen Venenentzündung an, woraufhin ich Heparinspritzen verschrieben bekommen habe. Was danach geschah, wird in meiner 2.000 Seiten umfassenden Krankenakte als fulminanter und nicht zu erwartender Krankheitsverlauf bezeichnet. Die mit dem Krankheitsbild einer HIT Typ II einhergehende Sepsis führte dazu, dass die Ärzte mir im Januar 2013 mitteilten, dass die Amputation meiner beiden Unterschenkel meine einzige Überlebenschance ist. Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht klar, was die Amputation für mein weiteres Leben bedeuten würde. Damals kämpfte ich um mein Leben, stand unter dem Einfluss von sehr starken Opiaten und dachte nur von Tag zu Tag und von Operation zu Operation. Rückblickend weiß ich, dass ich haarscharf überlebt habe und es ein Wunder ist, dass ich wieder ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, dass ich mit meinem Handicap wieder großteils an mein früheres Leben anknüpfen konnte und ich den Willen hatte, das Beste aus meinen verbleibenden Ressourcen zu machen. Großen Einfluss auf meine Motivation hatte, dass ich den Austausch mit anderen Amputierten gesucht habe. Neben dem Austausch in der Rehaeinrichtung, in der ich in 3 Monaten wieder laufen lernte mit meinen neuen Beinen aus Carbon, habe ich das Internet nach anderen Amputierten und ihren Geschichten durchforstet, mich bezüglich einer ortsansässigen Selbsthilfegruppe informiert und mich mit erfahrenen Anwendern während der Wartezeiten bei meinem Orthopädietechniker unterhalten. Teilweise war es sehr mühsam, sich Informationen zu beschaffen und das hat mich auf die Idee gebracht, dass ich mein recherchiertes Wissen gerne teilen möchte und somit meinen Blog „Perspektivenwechsel mit Prothesen“ zu starten. Neben meiner eigenen Geschichte möchte ich gerne eine Plattform bieten, um Praxistipps von Amputees für Amputees z. B. für die Themen Reisen, Gesundheit, Sport, Hilfsmittel, Beruf usw. zu teilen, mit welchen man im Laufe eines Lebens mit Amputation in Berührung kommt. Gerne möchte ich meine Internetseite auch als Möglichkeit sehen, um anderen Amputees die Chance zu geben, ihre Geschichte hier zu erzählen, denn ich denke, je mehr Anwender ihre Erlebnisse teilen, sich nicht verstecken und an die Öffentlichkeit gehen, desto mehr Hoffnung und Kraft können andere Betroffene daraus ziehen.

Ich spreche offen über meine Geschichte, wenn ich danach gefragt werde und seit ca. einem halben Jahr trage ich auch keine Kosmetik mehr über meinen Unterschenkelprothesen. Ich fühle mich wohl damit und habe festgestellt, dass man sich selbst viel mehr Gedanken über die Reaktion der anderen macht, als es dann tatsächlich wahrgenommen wird. Einen irritierten Blick, wenn ich kurze Röcke oder Kleider trage, finde ich absolut in Ordnung, da ich nur zu gut weiß, welche Berührungsängste ich am Anfang hatte mit dem Thema Behinderung.

„Ich möchte das tragen, womit ich mich wohlfühle und immer wieder austesten, wie weit mich meine Prothesen tragen.“

Manchmal werde ich gefragt, warum ich so offensiv mit meiner Behinderung umgehe. Meiner Meinung nach gehe ich nicht offensiv damit um, sondern versuche möglichst normal damit umzugehen und mich nicht zu verstecken. Ich möchte das machen und tragen, womit ich mich wohlfühle und immer wieder austesten, wie weit mich meine Prothesen tragen. Das mache ich zum Beispiel regelmäßig auf meinen Reisen.

Von New York über Kuba, Jamaika, Mexico und bis nach Thailand bin ich mit meinen neuen Beinen schon gekommen und darauf bin ich stolz. Mein nächster Flug ist schon gebucht.

Hier können Danielas Geschichten online verfolgt werden:

perspektivenwechselmitprothesen.wordpress.com
instagram.com/CARBON_ELA/
facebook.com/perspektivenwechselmitprothesen/

Fotos: Privat