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Guinness World Records 2022 – die kleinsten Zwillinge der Welt

Mit einer Durchschnittsgröße von 128 Zentimetern sind Elisabeth und Katharina Lindinger die kleinsten lebenden weiblichen Zwillinge und gehen damit ins Guinnessbuch der Weltrekorde ein.

Liebe Elisabeth, liebe Katharina, ihr seid aktuell die kleinsten lebenden weiblichen Zwillinge: Seid ihr gleich groß?

Elisabeth: Ich bin 1,22 Meter und Katharina ist 1,34 Meter groß. Unterschiedlich groß waren wir schon immer.

Katharina: Wir geben unsere Größe lieber in Metern an. So hört man zumindest raus, dass wir größer als einen Meter sind. Unterm Strich ist es uns aber gleich, es ist, wie es ist.

Wie wurde Guinness World Records auf euch aufmerksam?

Elisabeth: Guinness ist durch ein Interview in einer Zeitung aus dem Jahr 2014 auf uns aufmerksam geworden und hat angefragt, ob wir in das Guinness-World-Records-Buch aufgenommen werden wollen. Nachdem der Entschluss feststand, begann auch schon der Bewerbungsprozess – dazu reichten wir Angaben zu unserer Person wie auch Messergebnisse vom Arzt ein. Kurze Zeit später folgte dann auch schon die Bestätigung über den Rekord.

Elisabeth und Katharina Lindinger stehen neben einander und schauen sich lächelnd an.

Wie sieht euer Alltag aus?

Elisabeth: Der ist eigentlich ziemlich gewöhnlich. Wir gehen jeden Morgen arbeiten und kommen abends nach Hause. Bis vor Kurzem habe ich im Kinderschutzbereich beim Jugendamt gearbeitet, seit August bin ich in die IT-Abteilung gewechselt. Ab Oktober plane ich, Sozialinformatik zu studieren, sofern es mit der Bewerbung klappt. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad, treffe mich mit Freunden und höre wahnsinnig gerne Hörbücher.

Katharina: Ich arbeite seit dem 1. Juli im Bodenschutz und bin auch für Überschwemmungsgebiete zuständig. In meiner Freizeit fahre ich viel Fahrrad oder heimwerke gern. Zuletzt habe ich beispielsweise mit einem befreundeten Schreiner einen Tisch gebaut. Etwas Neues zu kreieren, war eine super schöne Erfahrung.

Stellt euch eure Körpergröße vor Herausforderungen im Alltag?

Elisabeth: Auf die alltäglichen Herausforderungen reagieren wir einfach. Wir gehen beispielsweise mit Stoffbeuteln einkaufen, da der Einkaufswagen zu hoch ist. Unser Vater hat unsere Küche tiefer gebaut: Arbeitsplatte oder Herd sind Marke Eigenbau und an unsere Größe angepasst.

Katharina: Ja, da haben wir das Glück, dass unser Papa einfach vieles umbaut. Bei unserem Auto wurden auch die Pedale verlängert. Eine Werkstatt zu finden, die so etwas anbietet, ist eher schwierig.

Bedeutet das auch, ständig gut organisiert zu sein?

Elisabeth: Wir planen vieles im Voraus. Ein Klassiker bei mir ist zum Beispiel, immer ein Stück Seife dabei zu haben, da ich auf öffentlichen Toiletten nicht an die Seife herankomme.

Katharina: Für solche Fälle haben wir auch immer einen Klapphocker im Auto.

Gibt es auch Vorteile, kleiner zu sein als andere?

Elisabeth: Es gibt durchaus Situationen, in denen es gut ist, kleiner zu sein. Bei meinem Auslandsaufenthalt in England habe ich zum Beispiel festgestellt, dass ich viel mehr Dinge im Koffer unterbringen kann als meine Kommilitonin, die mit mir reiste, da meine Sachen kompakter sind und entsprechend weniger Platz benötigen.

Katharina: Die Größe kommt mir in Freizeitparks zugute: An den Achterbahnen kann ich einfach sagen, dass ich aufgrund meiner Körpergröße leider nicht mitfahren kann. So muss ich nicht zugeben, dass ich eigentlich Angst davor habe.

Welches ist die außergewöhnlichste Situation, die ihr aufgrund eurer Körpergröße erlebt habt?

Elisabeth: Uns fragen Kinder immer wieder, warum wir so klein sind. Dann sag ich immer: „Gott hat mir die Aufgabe gegeben, zu schauen, ob große Menschen etwas in der Nase haben. Dafür wirst Du später mal die Aufgabe haben, zu schauen, ob mein Scheitel richtig sitzt.“ Unsere Erklärung bleibt ihnen meistens so im Kopf, dass wir auch einige Zeit später noch von ihnen erkannt werden.

Katharina: In der zweiten Klasse waren wir mit Freunden im Kino und wurden von der Mutter unseres Freundes abgeholt. Auf dem Weg dahin lief eine junge Mutter mit Kinderwagen an uns vorbei, schaute der Mutter unseres Freundes ins Gesicht und sagte: „Oh Gott, wie kann man nur solche Kinder haben.“ Wie aus der Pistole geschossen erwiderte Elisabeth: „Oh Gott, wie kann man nur so eine Mutter haben.“ An diese Schlagfertigkeit erinnere ich mich heute noch gerne zurück.

Seid ihr im Austausch mit anderen Kleinwüchsigen?

Katharina: Wir sind in zwei Vereinen aktiv: im Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e. V. (BKMF e. V.) und im Verein Kleinwüchsige Menschen. Diese Arbeit ist für uns sehr bedeutungsvoll. Durch die Vereinsarbeit hat man sein Netzwerk aufgebaut, mit dem man sich zu allen möglichen wichtigen Themen auf Augenhöhe austauscht. Auch leiten wir dort zwei Kindergruppen. Da gehört es vor allem auch dazu, den Kindern Mut zu machen und ihre Stärken zu fördern.

Was sind eure Wünsche, eure Träume?

Katharina: Mein größter Wunsch ist es, später mal eine eigene Familie zu haben.

Elisabeth: Mein besonderer Wunsch wäre es, dass es irgendwann normal ist, anders zu sein. Dazu gehört es, dass Inklusion einen Fortschritt macht und nicht immer nur diskutiert wird. Oder dass eben auch baulich oder alltagstechnisch überlegt wird, wie einem Menschen im Rollstuhl der Alltag erleichtert werden kann.

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