StartAmputation & ProthetikRed-Bull-Midsummer-Viking-Challenge Dänemark

Red-Bull-Midsummer-Viking-Challenge Dänemark

Paddeln für den guten Zweck

Kathy

„… mit einer Erinnerung, die uns keiner mehr nehmen kann“, mit genau dieser Euphorie meldete ich

noch 2019 ein Team für die Red-Bull-Midsummer-Viking-Challenge 2020 in Kopenhagen an. Dann kam Corona. 2020 fiel die Veranstaltung aus. 2021 – aufgrund der Erkenntnisse, Impfungen, Regeln und so weiter gab es grünes Licht. Leider sprang mein Team aus unterschiedlichen und nachvollziehbaren Gründen ab.

Fünf Freunde müsst ihr sein oder wenigstens drei … Ein neues Team zusammenstellen in so kurzer Zeit – unmöglich. Ich rief Christoph von dem Surfshop Paddles & Fins aus Wassersleben/Flensburg an (2019 nahm er mit zwei Teams à drei Personen ebenfalls an der Veranstaltung teil).

Ich muss da mal kurz einhaken: Inklusion war für mich nie Thema. Ich hab sie seit meinem Unfall mit anschließender Beinamputation im Jahr 1979 einfach gelebt – ohne es zu wissen! Meine gelebte Normalität wurde zu „inspirierend-bewundernswert-toll-wie-Du-das-machst-mit-dem-abben-Bein“. Warum soll ich auf einmal was Besonderes sein? Ich bin durchschnittlich unspektakulär – genau wie meine Prothese (obwohl diese von der Optik her schon das Schönste ist, was ich bisher hatte). Um auf den Punkt zu kommen: Jeder, der leidenschaftlich „supt“, vor allem auf Kabbelwasser oder in der Welle, der weiß, dass es mit zwei echten Beinen auch nicht immer einfach ist. Mein Problem, was die Inklusion angeht: Wenn mich ein Team aufnimmt, dann wegen meiner Person, meines Könnens wegen oder weil ich im besten Fall sympathisch bin, aber nicht wegen der Inklusion.

Also: Warum paddele ich noch mal? Weil ich für diesen Sport brenne! Hier das Telefongespräch mit Christoph:

Ich: „Sag mal, ich hab kein Team mehr. Kann ich bei euch mitfahren?“

Er: „Haben heute Abend Besprechung, ich frage die anderen und melde mich.“

Später: „Wir wollen alle, streiten aber, wer dich bekommt, da beide dich haben wollen.“


Steckbrief

Kathy Rüsbüldt

Name: Kathy Rüsbüldt
Alter: 46 Jahre
Beruf: Mediengestalterin und nebenbei Sup-Instructorin des VDWS
Handicap: Oberschenkel-Amputation aufgrund eines Unfalls
Ich steige aufs SUP seit: 2015 (hatte vorher keine wasserfeste Prothese)
Ich liebe SUP weil: ich sehr dem Wasser zugetan bin und dieser Sport so variantenreich ist und viele meiner Bedürfnisse abdeckt – Power, Ausdauer, Kondition, Wettkampf, aber auch Freiheit, in der Natur sein, Ruhe.
Rolle bei der Challenge: Team-Mitglied


 

Timo

Red-Bull-Midsummer-Viking-Challenge. Der Name ist Programm.

Ein 24-Stunden-Relay-Rennen, das einem Staffellauf, bloß auf Paddleboards, ähnelt. Allerdings kann man dieses Event nicht mit drögen Laufveranstaltungen vergleichen. Es geht um Spaß, Gemeinschaft, Midsummer, Surfvibes, nette Gespräche, sommerliche Abendstimmung und kurze Schlafperioden bzw. Wachkoma. Für 99 Prozent der TeilnehmerInnen geht es um die größte sportliche Herausforderung des Jahres.

Wir haben zwar bei dem ersten Rennen keinen Pokal gewonnen, aber immerhin immer jemanden gefunden, der nüchtern genug war, sich wie ein Viking durch die Fluten des Øresunds zu kämpfen. Blasen an den Fingern und Händen. Schmerzen von überbelasteten Muskeln. Schlafend von dem Board ins Wasser gefallen. Nachts vom Kurs abgekommen und die Nose (Bug vom Board) in Richtung Schweden ausgerichtet. Teamrider ausgefallen, die vom Team kompensiert wurden. Nachts in nasse Neoprenanzüge gequält. Dieses waren, nebst dem Hammer-Event rundherum, Erinnerungen, auf die man sich perfider Weise wieder gefreut hat. Vikings halt.

Nach einer sehr erfolgreichen ersten Teilnahme war für uns klar – nächstes Mal sind wir wieder dabei. Die Teams von Capt. Christoph Mantz und Capt. Timo Petersen wurden mehr oder weniger schnell gefunden. Dann kam der Anruf von Kathy. Kathy kennen wir von einem Hausrennen und der vorherigen Teilnahme an der Midsummer Viking Challenge – wie sie damals noch genannt wurde.

Wir waren uns bei einer Tasse Met im Teammeeting relativ schnell einig. Kathy wird aufgenommen. Allerdings war die Wahl, in welches Team, bedeutend schwieriger. Kathy hat immerhin durch ihr Carbonbein einen nicht zu verachtenden Wettbewerbsvorteil … Natürlich war das nicht der Grund!  Kathy ist eine tolle Wassersportlerin, die neben ihrem Teamvibe den richtigen sportlichen Biss hat und einfach mit dem gleichen Spaß an solch eine Challenge geht wie alle anderen im Team auch.

Inklusion ist ein wichtiges Thema. Allerdings ist es für uns kein Thema gewesen, denn es wird niemand darauf reduziert, und Kathy wurde aufgrund ihrer tollen sportlichen Leistung und ihrer gleichen schrägen Frequenz bei uns aufgenommen. Wir finden: Inklusion sollte eine Selbstverständlichkeit sein und kein Thema. Wir freuen uns, wenn Kathy nächstes Jahr wieder bei uns anheuern möchte.


Steckbrief

Timo Petersen

Name: Timo Petersen
Alter: 33 Jahre
Beruf: Vertrieb von Schiffsmotoren
Handicap: Keins 🙂
Ich steige aufs SUP seit: 2016
Ich liebe SUP weil: es eine tolle Kombination aus der Ruhe des Wassers und der sportlichen Aktivität bietet. Ebenso liebe ich die weiten Facetten von Stand up Paddeling. Die Kraft des Meeres lädt meine Batterien.
Rolle bei der Challenge: Team Captain


Kathy

Kopenhagen ich komme!

Der Kurs war der gleiche – auch das Drumherum – bis auf die Extras, bedingt durch Corona. Selbst das Wetter war identisch – aber auch der Seegang. Stunden nach dem Start fragte ich mich: „Alter, warum mache ich das?“ 24 Stunden im Wechsel paddeln, müde, hungrig, Schweiß … Da fällt es mir wieder ein, als ich fühle, wie die Sonne aufgeht: Ich liebe meinen Sport – und gerade jetzt in diesem Moment auf dem Øresund, der dunkelblauen, wiegenden Ostsee unter den Füßen, ganz besonders. Mit Gleichgesinnten Teil davon zu sein, wenn Gutes entsteht, motiviert unglaublich.

Die Red-Bull-Midsummer-Viking-Challenge ist was ganz Besonderes – das beweisen die Zahlen. 2021 kamen die erpaddelten Spenden „Surfgaarden“ in Thy (Dänemark) zugute. Wassersport für Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung. 350 Paddler verteilt auf 70 Teams haben umgerechnet über 15.000 Euro erpaddelt und sind über 10.000 Kilometer gefahren! Wir sind sehr glücklich, dass wir dieses Jahr zwei Sponsoren hatten! Danke an Kafka & Hofer oHG AXA-Generalagentur und an das Magazin Lifestyle & Barrierefrei! Danke auch an Andreas Böttcher vom TeamOnline aus Norderstedt für die kurzfristige Herstellung der Aufkleber! Danke an Casper Steinfath und Team, die sich trotz der Corona-Situation top organisiert und 24 Stunden um alle gekümmert haben!

Mehr zu dem Event Red-Bull-Midsummer-Viking-Challenge: www.vikingchallenge.dk

Kathy Rüsbüldt finden auf Instagram: sup_amp_girl oder auf Facebook: Kathy Rüsbüldt Paddles & Fins sind ebenfalls auf Instagram zu finden: christophsuplebrity / Paddles & Fins

- Werbung -
- Werbung -

BELIEBTE BEITRÄGE