Johann Lafer

Sehr geehrter Herr Lafer,

vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen nehmen.

Sie haben sich vor einiger Zeit aus der Sterne-Gastronomie zurückgezogen – wie geht es Ihnen heute, wo Sie nicht mehr so im Fokus stehen?

Mir geht es sehr gut! Ich bin froh, dass meine Frau Silvia und ich nach 25 Jahren auf der Stromburg gemeinsam von dort Abschied genommen haben. Das fühlte sich erst sehr merkwürdig an, auf einmal nicht mehr täglich für Gäste verantwortlich zu sein. Wir sind beide zunächst in ein Loch gefallen, aber jetzt, nach mehr als einem Jahr, genieße ich die neu gewonnene Freiheit und habe mehr Zeit für andere Projekte und auch für die Familie.

Das Kochbuch „Essen gegen Arthrose“ war vermutlich eine Herzensangelegenheit. Der Erkrankung Arthrose mit einer Ernährungsumstellung zu begegnen – kam der Hinweis vonseiten der Ärzte oder aus Ihrer persönlichen Erfahrung (als Koch) heraus?

Zum Glück bin ich Dr. Petra Bracht und ihrem Mann Roland Liebscher-Bracht begegnet, sie Ernährungsmedizinerin und er Schmerzspezialist mit eigens entwickelter Methode der Osteopressur. Petra wusste aus langer Erfahrung, dass Genießer wie ich oft auch Nahrungsmittel auf dem Speiseplan haben, die Schmerzen begünstigen, indem sie die Faszien unflexibel machen und die Spannung der Muskeln erhöhen. Und so hat sie mir erst einmal klargemacht, dass ich Fleisch und Co durch Gemüse und andere Pflanzen ersetzen sollte. Die größte Überraschung war, dass eine solche pflanzenbetonte Ernährung, die ich ja aus Asien schon gut kannte und auch wusste, wie lecker sie sein kann, dass diese Ernährung hilft, die Schmerzen zu vertreiben – und dabei sehr genussvoll ist.

Glauben Sie, dass man durch eine Nahrungsumstellung und einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln vollständig auf Medikamente verzichten kann?

Ich bin zumindest der lebende Beweis dafür. Seit meiner Ernährungsumstellung und mit den Übungen nach Liebscher & Bracht für meine Knie bin ich schmerzfrei und muss keine Tabletten mehr schlucken.

Haben Sie die Rezepte in Ihrem Buch eigens dafür kreiert?

Ja, das habe ich in Zusammenarbeit mit Petra Bracht gemacht. Sie gab mir eine Liste mit 28 entzündungshemmenden Lebensmitteln wie z.B. Kartoffeln, Buchweizen, Linsen, Brokkoli, Rote Bete, Grünkohl, Algen u.v.m. Auf deren Basis habe ich experimentiert und richtig leckere Rezepte entwickelt.

Eine Rückkehr in die Sterne-Gastronomie haben Sie nicht gänzlich ausgeschlossen. Wenn Sie sich darauf nochmals einlassen sollten, was würden Sie anders machen, um nicht wieder im Hamsterrad zu enden?

Ich bin Gastronom mit voller Leidenschaft und betreibe heute viele kulinarische Projekte, insbesondere im Onlinebereich will ich mich neu aufstellen. Eine Rückkehr in die Sterne-Gastronomie ist aber kein Thema mehr für mich. Rückblickend würde ich gar nichts anders machen, der Job geht nur mit Vollgas. Aber die Zeiten und die Geschmäcker haben sich verändert, darauf muss man sich einlassen können.

Wenn Sie die gesellschaftlichen Strukturen ändern könnten, was wäre Ihr erstes Anliegen?

Dass wir von klein auf Erziehung – im Elternhaus, in der Schule, im sozialen Umfeld – bezgl. guter Produkte, der Natur und auch deren Knappheit mitbekommen. Ich wünsche mir mehr Sensibilisierung für die Bedeutung von Lebensmitteln und unserer Gesundheit. Das sollte Pflichtfach werden, nicht nur an Schulen, sondern beispielsweise auch im Medizinstudium.

Unser Magazin möchte seinen Lesern Mut machen. Was möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben? Haben Sie eine Lebensweisheit oder ein Motto?

Ich finde, jeder Mensch, ob mit Handicap oder nicht, hat ein Anrecht auf Integration in unsere Gesellschaft. Dafür bedarf es einer Grundhaltung, nämlich mit offenen Augen und offenem Herzen allen Menschen zu begegnen und mit Empathie unsere Umwelt zu gestalten. Mein Lebensmotto ist „immer weitermachen und an das Gute glauben“.

Vielen Dank für das Interview!

Interview: Peter Lange

Foto: Peter Hönnemann

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