Israel

Land der Gegensätze

Ein Urlaub im Nahen Osten – das stand bisher bei vielen Reiselustigen nicht unbedingt ganz oben auf der Liste. Das ändert sich nun aber. Für Israel, zum Beispiel, ist es das dritte Rekordjahr im Tourismus in Folge.

2018 besuchten 3,8 Millionen Touristen das Land am Mittelmeer, im ersten Quartal 2019 sind es schon 1,05 Millionen. Der Eurovision Song Contest im Mai tat sein Übriges. Israel boomt – es werden über 4 Millionen Reisende in diesem Jahr erwartet. Und das, obwohl das Land immer noch von Unruhen durch den israelisch-palästinensischen Konflikt geprägt ist. Die Fronten sind verhärtet, Frieden ist nicht in Sicht. Wer sich vor Reiseantritt also dafür interessiert, wie die aktuelle Sicherheitslage ist, kann dies auf der Webseite des Auswärtigen Amtes in Erfahrung bringen (www.auswaertiges-amt.de). Die Infos werden ständig aktualisiert und mit Hinweisen versehen, welche Gebiete man vielleicht nicht unbedingt in seine Reiseroute aufnehmen sollte. Zudem gibt auch das israelische Verkehrsbüro gern Auskunft, viele Anregungen für die Reiseplanung gibt es auf ihrer Webseite:
www.info.goisrael.com/de.

Land & Leute

Israel hat tausend Gesichter. Das staubige Land hat viel Grün zu bieten, blühende Parks laden zum Verweilen und Entspannen ein. Der Strandurlaub kann an den wunderschönen und sauberen Küsten genossen werden. Wem es dann zu viel mit der Erholung wird, der geht einfach (wie in Tel Aviv) fünf Meter über die Straße und befindet sich im bunten Stadtleben. Das Karmel-Gebirge lässt Bergsteiger-Herzen höher schlagen, wohingegen die Negev-Wüste im Süden des Landes zu spannenden Abenteuern einlädt.

Den gesundheitlichen Aspekt des Urlaubs kann man mit einem Besuch am (und im) toten Meer abhaken, ist doch der Salzgehalt und die Sole sehr förderlich für die Regeneration der Haut.

Und dann ist da noch dieses gewaltige Kulturerbe! Israel – das Heilige Land der Bibel. Jedem wohl bekannt ist die Klagemauer und der Tempelberg in Jerusalem. Zudem legt einem jeder Reiseführer ans Herz, sich unbedingt die Grabeskirche, das jüdische Viertel oder die Davidszitadelle anzusehen. Auch das Israel-Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Tel Aviv

Ebenfalls die Altstadt von Tel Aviv, Jaffa, die durch seine schönen Bauten und das quirlige Leben besticht. Für Fans des Bauhaus-Stils ist ein ganzes Viertel in Tel Aviv sehenswert, teilweise sind die Gebäude jedoch nicht mehr im besten Zustand. In den Städten fällt auf, dass die Einwohner zwar viel Wert auf ihr Äußeres legen, jedoch scheint die Aufmerksamkeit auch dort zu enden. Viel Müll liegt in den Vorgärten, Häuser sind verfallen. Ist die oberste Etage eines Gebäude abgerissen, wohnt dennoch sehr wahrscheinlich noch eine Etage tiefer jemand. Daneben steht ein nagelneuer Hotelkomplex, auch hier werden die Gegensätze sichtbar.
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man gut durch das kleine Land. Mietwagen sind natürlich auch eine Option, der Verkehr ist jedoch ziemlich chaotisch.

Ungewohnt ist auch die Mentalität: Die Menschen sind laut und temperamentvoll, die vertraute europäische Distanz zwischen zwei Menschen beim Reden kennt man hier nicht. Zudem hält die Sprache keinerlei Höflichkeitsformen vor, so ist auch das Englisch sehr direkt gehalten. Aber davon sollte man sich nicht irritieren lassen, denn: Gastfreundschaft wird in Israel groß geschrieben. Die Menschen sind sehr offen und allgemein scheinen die Israelis sehr lebensfroh zu sein.

Womit dieses Land noch besticht, ist sein Essen. Vegetarier werden es lieben, denn es gibt viele fleischlose Köstlichkeiten. Ganz oben auf der Speisekarte steht als Nationalgericht das Hummus. Die Paste aus Kichererbsen wird überall zu Fladenbrot gereicht und als Fingerfood verspeist. Zum Frühstück gibt es Shakshuka, pochierte Eier in Tomatensoße. Und natürlich bekommt man an jeder Ecke Falafel, frittierte Bällchen aus pürierten Bohnen oder Kichererbsen. Dies sei nur als eine sehr kleine Übersicht zu verstehen. Es gibt so viel mehr zu entdecken!

Barrierefreiheit

Noch vor 20 Jahren blieben die Bedürfnisse von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen (in erster Linie die Mobilität in der Öffentlichkeit sowie die Zugänglichkeit der Gebäude für sie) vollkommen unbeachtet in Israel. Das hat sich sehr geändert. Erst ein wenig zögerlich, aber dann mit umso mehr Vehemenz, hielt nach und nach das Thema Barrierefreiheit Einzug. Auch jetzt gibt es noch viel zu tun, aber einem Urlaub mit Rolli steht nichts im Wege. Selbst Jerusalem ist zu weiten Teilen nun für alle begehbar, jedoch hier und da mit kleinen Herausforderungen. Mithilfe einer App können Besucher sich aber durch die alten Gassen navigieren lassen und so einen geeigneten Zugang zu den Sehenswürdigkeiten finden. Die Heilige Stadt reagiert so nicht nur auf den großen Zuwachs von Besuchern aus aller Welt, sondern auch auf deren Mobilität. „Zu den neuen Wegen gehören unter anderem die Cardo-Route vom Zions- bis zum Damaskustor, die West-Ost-Strecke vom Jaffator bis zum Neuen Tor sowie die Route zwischen der Grabeskirche und dem Platz der Westmauer. Neben einer Streckenerneuerung von rund vier Kilometern in den muslimischen, christlichen und armenischen Vierteln sind auch die David- und HaShalselet-Straße teils zugänglich. Die neu ausgeschilderten Routen sind in der digitalen App einsehbar und ebenfalls auf der Stadtkarte gekennzeichnet. Der kostenlose Shuttlebus rundet das Angebot für Jerusalem-Besucher ab: Von Sonntag bis Donnerstag fährt der Bus im Zwanzig-Minuten-Takt zwischen dem Einkaufszentrum „First Station“ und dem Dungtor. Der Shuttlebus mit freiem Zugang für Rollstühle fährt jede Stunde“, teilt das israelische Verkehrsbüro mit.

ACCESS ISRAEL – Wir sind alle gleich

Access Israel ist die erste und einzige gemeinnützige Organisation in Israel, die die Zugänglichkeit zu Orten für Menschen mit Behinderungen aller Art zu verbessern will. Ihr Ziel ist es, allen Menschen auch mit körperlichen, sensorischen, geistigen und kognitiven Behinderungen ein erfülltes und aktives Leben zu ermöglichen, in Würde, Respekt, Gleichheit, Sicherheit und maximaler Unabhängigkeit.

In Israel leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Behinderungen, das entspricht 18 Prozent der Bevölkerung. Trotz Verbesserungen in der Gesetzgebung sind viele Standorte und Dienstleistungen im Land nach wie vor unzugänglich.

Um dies zu ändern, arbeitet Access Israel auf drei Ebenen:
• Förderung des Zugangs zu privaten und öffentlichen Orten, Einrichtungen und Diensten.
• Verbesserung der Gesetze und Vorschriften zur Barrierefreiheit zum Nutzen und zur Wahrung der
Rechte von Menschen mit Behinderungen.
• Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Barrierefreiheit und Toleranz
gegenüber der behinderten Bevölkerung durch Medienkampagnen, Konferenzen und Bildungsprogramme.

 

Ein gutes Beispiele für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit ist das Event „Feeling Accessibility“, das alljährlich am Hafen von Tel Aviv stattfindet. An diesem öffentlichen Hotspot werden für einen Tag viele verschiedene Erlebnisstationen aufgebaut, an denen alle Interessierten besser nachempfinden können, wie es ist, mit einer Behinderung zu leben. Angeboten werden Aktivitäten wie Rollstuhlbasketball, Rollstuhltennis oder Tauchen und Wasserskifahren ohne zu sehen. An jeder Station kann man so mit Menschen mit Behinderung ins Gespräch kommen und vom Alltag sowie ihrer Geschichte erfahren.

Durch das Projekt „Pass it Forward in Sign Language“ wiederum haben bereits Tausende Israelis die Grundlagen der israelischen Zeichensprache gelernt und auch, wie sie diese anderen beibringen. Diese Methode hat dort so viele Anhänger gefunden, dass damit schon ein gesellschaftlicher Trend gesetzt wurde. Zudem hat Access Israel eine jährliche internationale Konferenz ins Leben gerufen, bei der sich mehr als 15 Länder (Tendenz steigend) über gelungene Projekte zum Thema Barrierefreiheit sowie Inklusion austauschen. Auch Probleme werden diskutiert, um gemeinsam eine Lösung zu erörtern.

Gegründet wurde Access Israel von Yuval Wagner, einem israelischen Piloten, der sich1987 bei einem Hubschrauberabsturz schwer verletzte. Während er sich erholte, erkannte Yuval, dass er nicht nur lernen musste, mit der Lähmung vom Hals an umzugehen, sondern auch mit den endlosen Herausforderungen durch ein unzugängliches Land, das ihn täglich vor Hindernisse und Schwierigkeiten stellte. Um dies zu ändern, beschloss er, sich an den damaligen Präsident Ezer Weizmann (auch ein ehemaliger Pilot), zu wenden. Er schilderte ihm seine Erfahrungen und die frustrierende Situation, in der er sich befand. Weizmann reagierte prompt und ordnete an, eine NGO zu gründen, die sich der Abschaffung dieser Missstände widmen sollte – 1999 wurde so Access Israel ins Leben gerufen.

Weitere Informationen finden Sie auf www.aisrael.org/eng

Fotos: Redaktion, Pixabay, Shai Pal/Unsplash