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StartAmputation & ProthetikEin Mann, sein Herz und eine Tasche voll Batterien

Ein Mann, sein Herz und eine Tasche voll Batterien

Durch ein schwaches Herz verliert Hans-Jörg nicht nur Lebensqualität, sondern auch beide Füße, die linke Hand und zwei Finger der rechten Hand. Ein batteriebetriebener Herzkammerersatz verändert sein Leben.

Wenn das Herz nicht mehr will

Der linke Herzmuskel von Hans-Jörg aus Sachsen-Anhalt schwächelte, mit Medikamenten konnte die totale Inaktivität noch ein paar Jahre hinausgezögert werden. Aber dann ging es ihm stetig schlechter. Nach vier Schritten musste er schon Pause machen, war nicht mehr leistungsfähig. Ende 2019 musste er in die Notaufnahme. Das Herz wollte nicht mehr.

Herztransplantation oder LVAD

Eine Transplantation wäre infrage gekommen, sie ist die letzte Therapiemöglichkeit, um endgültiges Herzversagen zu verhindern. Aber die Liste derjenigen, die ein Spenderorgan benötigen ist lang. Bei Hans-Jörg entschied man sich für einen anderen Weg. Er bekam ein LVAD – ein Left Ventricular Assist Device, also ein linksventrikuläres Hilfssystem. Das (relativ) kleine Gerät wird in die Spitze der linken Herzkammer implantiert, wenn die Pumpleistung nicht mehr ausreicht, wie bei dem 65-Jährigen damals der Fall. Seine Kreiselpumpe, die er liebevoll ‚Kunstherz‘ nennt, versorgt den Blutkreislauf nun mit ca. fünf Liter Blut pro Minute.

Den Motor fürs Herz in der Tasche

Das System wird und muss mit der Energie aus Batterien über ein Kabel versorgt werden. Dieses findet bei Hans-Jörg an der Hüfte seinen Ausgang. Die Akkus samt Controller trägt er in einer Tasche stets mit sich herum. „Falls die Batterien alle sind oder nicht mehr funktionieren, hat meine Frau auch immer ein zweites System mit. Ich kann mich zur Not auch direkt an die Steckdose anschließen, das geht auch.“ 17 Stunden halten die Batterien, dann muss ausgetauscht werden. 15 Minuten darf sein Maschinenherz ohne Strom sein – maximal. Der Sachsen-Anhalter hat seinen Humor nicht verloren und nimmt es leicht. Selbst den Umstand, dass ihm vorher durch eine allergische Reaktion auf ein Blutverdünnungsmittel seine beiden Füße, die linke Hand sowie zwei Finger der rechten Hand abgestorben sind.

Implantation & Amputation

Nach der Implantation im Februar 2020 seines neuen ‚Kunstherzes‘ wurde anschließend spontan die Amputation der abgestorbenen Körperteile durchgeführt. Das war dann doch eine Überraschung für den zweifachen Familienvater, denn als er aus dem Koma aufwachte, in das er versetzt worden war, fehlte doch einiges. „Es dauerte tatsächlich, bis ich mitbekam, dass sie amputiert hatten. Ich war ja noch in dieser Scheiß-egal-Stimmung wegen des Komas. Als ich es dann realisierte, dachte ich als Erstes an die Paralympics“, erinnert er sich und lacht. „Ach, man kann es doch nicht ändern. Und mir gings wieder gut vom Herzen her, da war ich so froh drüber. Daher nahm ich alles leicht.“

Ein Mann und eine Fra sitzen auf einer Liege in einem Raum und schauen auf ein Handy, welches die Frau in der Hand hält

Neues Leben dank moderner Technik

Er trägt nun zwei Fuß- sowie eine Handprothese von dem isländischen Prothesenhersteller Össur. „Das ist doch toll, dass es so eine Technik gibt!“, erzählt Hans-Jörg begeistert. „In der Anfangszeit hatten die Pfleger:innen es wirklich schwer, mich in den Rollstuhl reinzubekommen. Mich konnte man ja nicht hinstellen, ohne Füße! Aber durch die Prothesen ging es dann – was für eine Erleichterung für alle! Und mit dieser Federtechnik von meinen Prothesenfüßen Pro-Flex LP Align habe ich sogar das Gefühl, ich kann abrollen wie früher!“

In der Coronazeit durfte Hans-Jörg keinen Besuch empfangen, auch nicht von seiner Frau. „Das war eine blöde Zeit. Aber ich hatte ein tolles Therapeut:innenteam um mich herum, das mich wieder auf die Beine brachte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Meine Frau hat mich extrem gut unterstützt und mir immer wieder Mut gemacht. Ohne sie hätte ich es gar nicht bis hierher geschafft. Ich hätte wohl ins Pflegeheim gemusst. Steffi hat sich alles zeigen lassen, was wichtig war, wie zum Beispiel die Wundbehandlung. Dann konnten wir alles alleine machen und brauchten den Pflegedienst nicht mehr. Allerdings musste meine Frau dafür auch ihre Arbeit aufgeben. Sie hat jetzt die Hochbeete in unserem Schrebergarten für mich angelegt, damit ich mich nicht langweile“, schmunzelt der Gartenfreund.

Ein Mann mit einer Handprothese hält eine Harke in der Hand und steht vor einem Hochbeet

Össur-Prothesentrainings

Die i-Limb-Quantum-Prothesenhand von Össur unterstützt ihn jetzt im Alltag. „Im Internet habe ich die Online-Trainings bei Össur gefunden und mich angemeldet. Wenn es das nicht in der realen Welt gibt, muss man halt damit vorliebnehmen. Die waren sehr hilfreich! Da konnte man auch Fragen stellen und sich mit den anderen austauschen. Die hatten ja auch alle eine Handprothese.“

Bis zu seiner Frühverrentung aufgrund des Herzens war der Diplom-Chemiker in der Industriereinigung tätig. „Das Rentnersein erleichtert doch vieles, da hat man genügend Zeit, um sich um sich selbst zu kümmern. Und man hat ja noch genug zu tun!“ Ein großes Hobby des lebensfrohen Mannes, das er auch mit seiner Frau teilt, ist die Fotografie.

Ein Schmetterling sitzt auf einem Halm

„Das ist mein Therapieziel für dieses Jahr: Fotografieren mit Prothese! Und auch für das nächste Jahr, man ist ja noch jung, steht eins fest: Mit dem Fahrrad (vorzugsweise Dreirad mit E-Unterstützung) die  Umgebung (auch fotografisch) erkunden. Soll gut für Kreislauf und Muskeln sein. Dafür muß aber noch etwas gespart werden.“

Weitere Informationen zu der i-Limb Quantum sowie den Pro-Flex LP Align von Össur finden Sie hier: www.ossur.de

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