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Christine Urspruch

Christine Urspruch, am 16. September 1970 in Remscheid geboren, ist vielen Kino- und Fernsehfans als Schauspielerin bekannt. Schon als Schülerin machte sie erste Erfahrungen auf der Bühne, brach ein angefangenes Lehramtsstudium ab und erhielt ihre ersten Engagements in Bonn, München und am Tanztheater Basel. 2000 gab sie ihr Debüt in Ben Verbongs Verfilmung des Kinderbuches „Das Sams“ von Paul Maar, wo sie die Hauptrolle spielte. Als kleines Fabelwesen – in einer Rolle, die ihr aufgrund ihrer Körpergröße von 1,32 m zugedacht wurde – spielte sie sich in das Herz großer und kleiner Kinofans. Seit 2002 spielt sie u. a. die Assistentin von Jan Josef Liefers als Pathologin Silke Haller in den WDR-„Tatort“-Folgen aus Münster und von 2014–2019 „Dr. Klein“, leitende Oberärztin im Kinderkrankenhaus, fürs ZDF.

Sehr geehrte Frau Urspruch, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen nehmen.

Bei unserer Recherche zum Thema Kleinwuchs kam die Frage auf, wann man wohl weiß, dass man kleinwüchsig ist? Wird im Kleinkindalter eine Diagnose gestellt? Was hat die Erkenntnis mit Ihnen gemacht? Wie sind Sie damit umgegangen?

Zeitlich verschwimmen da meine Erinnerungen. Irgendwann gab es eine Röntgendiagnose meiner Hände, die voraussagte, dass sich die Wachstumsfugen frühzeitig schließen würden, dass also nicht mehr genügend „Raum“ zum Wachsen bliebe. Das bedeutete, dass ich kleiner als andere bleiben würde. Das war aber eher eine Erkenntnis, die sich über einen langen Zeitraum hinzog. Von heute auf morgen war mir die Bedeutung von Kleinwüchsigkeit natürlich nicht klar. Wie auch? Das kann ein Kind von etwa neun Jahren gar nicht ermessen. So habe ich mir nicht viele Sorgen gemacht, bin weiterhin in den Schwimmverein, den Turnverein, später in die Tanzschule gegangen und habe Freude am Leben verspürt.

Es gibt viele bekannte Persönlichkeiten, die trotz geringer Körpergröße viel erreicht haben. Ich denke da (Sie nun mal ausgenommen) an Napoleon oder auch Danny DeVito. War der Einstieg in die Schauspielerei für Sie anstrengender? Hatten Sie den Eindruck, dass Sie größere Hürden nehmen mussten als andere? Oder waren Ihre Voraussetzungen vielleicht auch in bestimmter Hinsicht ein Segen, da Sie einige Rollen besonders gut verkörpern können?

Mein Durchhaltevermögen ist mein Gewinn. Natürlich hätte ich gerade in meinen Anfängerrollen am Theater gern viele klassische Frauenrollen gespielt, die mir leider nur selten angeboten wurden, was ich als diskriminierend empfand. Doch waren und sind andere Rollen ein Segen. Ich hätte z.B. das „Sams“ nicht spielen können, wenn ich 1,75 m groß wäre. Dabei war ich mit meinen 1,32 m fast noch zu groß für das „Sams“ … Heutzutage ist einiges im Aufbruch und es ändert sich vieles bei der Besetzung. Stichpunkt „Diversität“. Jedenfalls ist das Bemühen danach sehr groß.

Nach unserem Kenntnisstand werden Menschen mit und unter 1,30 m Körpergröße bei 30–40 % GdB eingestuft. Das dürfte keinen besonders großen finanziellen Rahmen eröffnen, um die Nachteile ausgleichen zu können (zum Beispiel Finanzierung Autoumbau). Sehen Sie das auch so? Und wenn ja, was würden Sie sich hier wünschen?

In dieser Frage bin ich leider die falsche Ansprechpartnerin. Seit über einem Jahr habe ich einen Antrag für das Landratsamt auf meinem Schreibtisch liegen, den ich nur ausfüllen müsste, um eventuell einen neuen Grad der Behinderung festzustellen. Ich hab’s noch nicht gemacht … Es nimmt keine große Wichtigkeit in meinem Leben ein. Man kann es als Nachlässigkeit, gar als Dummheit bezeichnen. Doch war und ist es mir immer wichtig, mich frei und autonom zu fühlen.

Wenn Sie die gesellschaftlichen Strukturen ändern könnten, was wäre Ihr erstes Anliegen?

 Mehr Toleranz gegenüber Andersartigkeit!

Weg mit den Barrieren im Kopf!

Mehr Sinn für Vielfalt!

Unser Magazin möchte seinen Lesern Mut machen. Was möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben? Haben Sie eine Lebensweisheit oder ein Motto?

Ich halt’s mit dem „Kleinen Prinzen“: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.

Vielen Dank für das Interview!

 

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