StartLebenswegeBotschafter:innen für mehr Barrierefreiheit Norbert & Marc

Botschafter:innen für mehr Barrierefreiheit Norbert & Marc

Der Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Menschen Baden-Württemberg e. V. (LSK) ist ein visionärer Selbsthilfeverband, der sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Vorreiter in der Inklusionsbewegung entwickelt hat. Er tritt für ein selbstbestimmtes Leben und eine inklusive Gesellschaft ein und ist in Baden-Württemberg mit 31 Stützpunkten vertreten, die von erfahrenen und geschulten Botschaftern:innen Barrierefreiheit vor Ort betreut werden.

Wir möchten Ihnen die Botschafter:innen in einer Interviewreihe im Einzelnen vorstellen. Weitere Botschafter finden Sie hier: https://barrierefrei-magazin.de/lebenswege/

Botschafter 11:

Name: Norbert Sauer
Alter: 62 Jahre
Behinderungsart: Querschnittslähmung/Tetraplegiker

Botschafter 12:

Name: Marc Schneck
Alter: 49 Jahre
Behinderungsart: Cerebrale Bewegungsstörung (Spastik)

Was ist Ihr Tätigkeitsgebiet/-feld beim LSK?

Norbert: Botschafter Barrierefreiheit für den Kreis Reutlingen. Ich setze mich in meiner Region für die Schwerpunkte des LSK ein und bin Ansprechpartner in Fragen der Barrierefreiheit und Inklusion.

Marc: Mitglied im Vorstand des LSK, Botschafter für Barrierefreiheit

Welche Projekte begleiten Sie oder haben Sie begleitet?

Norbert: In meinem letzten Projekt habe ich mich für den barrierefreien Umbau einer historischen Apotheke mit zentraler Bedeutung für die Versorgung auf der Alb eingesetzt und meine Expertise als Experte in eigener Sache eingebracht. Dadurch konnte die Apotheke barrierefrei zugänglich gemacht werden und ist nun für viele mobilitätseingeschränkte Kunden:innen erreichbar.

Marc: Als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter und Gemeinderat der Gemeinde Kirchentellinsfurt konnte ich die barrierefreie Sanierung des Kirchentellinsfurter Schlosses begleiten. Meine Erfahrungen aus der praktischen kommunalpolitischen Arbeit möchte ich nun auch in meine Tätigkeit als Botschafter für den LSK einbringen.

Wie genau gehen Sie bei Ihrer Arbeit vor?

Ein Mann sitzend. Er hält die Arme verschränkt am Körper und lächelt in die Kamera.Norbert: Ich erzähle meinem Umfeld von meiner Botschaftertätigkeit beim Landesverband und bitte, das wichtige Anliegen verstärkt weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Außerdem sensibilisiere ich andere Personen für die Umsetzung der Barrierefreiheit, rege zum Intervenieren an und bitte darum, an mich zu verweisen. Mit meinen mehr als 40 bewegten Jahren Erfahrung als Rollstuhlfahrer, der zusätzlich erworbenen Expertise als Botschafter und dem LSK im Rücken versuche ich, Missstände freundlich anzusprechen. Vieles, was heutzutage an gesellschaftlichen Missständen von „Aktivisten:innen“ beklagt wird, ist oftmals den damaligen Umständen und der Zeit geschuldet. Breiter Fortschritt ist nur erreichbar, wenn möglichst viele Menschen mitgenommen werden. Selbstgerechtes Anklagen und übertriebene Forderungen provozieren eine Abwehrhaltung. Deshalb bringe ich meine Anliegen sachlich vor und schaffe gleichzeitig praktikable und verhältnismäßige Lösungen. Im öffentlichen Raum auf Hilfe angewiesen zu sein, kann auch Qualität haben und das Problembewusstsein im Alltag konkret werden lassen, Berührungsängste abbauen und allerschönste zwischenmenschliche Begegnungen hervorbringen.

Ein Mann sitzend. Er schaut schräg in die Kamera und trägt ein dunkelblaues Langarmshirt.Marc: Am Anfang steht die Perspektive und Beteiligung derer, die für ihre persönliche Teilhabe auf Barrierefreiheit angewiesen sind. In einem konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten versuche ich, diese Belange (die mir vielfach auch aus eigener Erfahrung bekannt sind) in eine mögliche Projektumsetzung einzubringen. Ziel ist hierbei, die Menschen auf der Entscheidungs- und Umsetzungsebene für diese Thematik zu sensibilisieren – die ja in der Regel mehrheitlich nicht direkt zum Kreis der persönlich Betroffenen gehören. Im Idealfall steht am Ende eine gemeinsam erarbeitete Lösung, die den Anforderungen der Barrierefreiheit gerecht wird und einen gesamtgesellschaftlichen Mehrwert schafft. Denn von gut umgesetzter Barrierefreiheit profitieren wir als Gesellschaft immer im Ganzen.

Wie wird Ihre Arbeit angenommen?

Norbert: Meine Arbeit und Tätigkeit werden gut angenommen. Das Bewusstsein für dieses Thema wächst. Auch aufgrund der alternden Gesellschaft wird das Problem für immer mehr Menschen real.

Marc: Da müssten Sie jetzt vielleicht auch noch andere fragen, aber ich habe den Eindruck, dass meine Arbeit mit Offenheit und Interesse angenommen wird. Selbstverständlich steht Barrierefreiheit immer auch im Spanungsfeld mit anderen Interessen und Bedürfnissen. Nicht immer lässt sich alles zu 100 % umsetzen. Da sind dann manchmal auch gute, das heißt tragfähige Kompromisse gefragt.  

Was bedeutet Ihnen die Arbeit als Botschafter Barrierefreiheit?

Norbert: Einen Minibeitrag zu leisten für ein gutes Miteinander und eine inklusive Gesellschaft.

Marc: Das Thema Barrierefreiheit ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, ist mir ein wichtiges Anliegen. Das geht in der Gruppe wesentlich effektiver als alleine. Gemeinsam lässt sich einfach mehr bewirken, und der LSK bietet hierfür eine professionelle Plattform. Außerdem profitieren wir als Botschafter:innen gegenseitig von unserem gemeinsamen Erfahrungsschatz.

Mehr zu den Botschaftern:innen und dem LSK finden Sie auf

https://www.lsk-bw.de/ oder
http://barrierefreiheit.lsk-bw.de/

Ein Firmenlogo. Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Menschen Baden Würtemberg e.V.

 

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