6. AmpSurfcamp am St. Leoner See

Ein Tag der Lebensfreude für Amputierte und Angehörige

Ein magischer Moment – als Florian Bernards, einer der amputierten Teilnehmer, frei stehend und ohne technische Hilfsmittel wie Prothese und Unterarmgehstützen, auf dem Board steht und in die Kamera salutiert. Alle, die das beobachten, halten einen Moment den Atem an und klatschen begeistert. „Das erfordert höchste Körperkoordination. Ich kann mich nicht erinnern, einen Einbeiner schon mal so gesehen zu haben“, meint Thomas Frey, Initiator des AmpSurfcamps.

Das Konzept eines Surfcamps stammt aus den USA. Dort ist es ursprünglich ein Event für Kriegsveteranen, Amputierte und deren Familien und Freunde. Die Idee, es auch in Deutschland zu versuchen, entstand in einem Gespräch unter Freunden.

2014 startete das AmpSurfcamp am Langener Waldsee, dem größten Freizeit- und Erholungszentrum des Rhein-Main-Gebiets. Neunhundert Meter Sandstrand und Liegewiesen luden ein, Sonne zu tanken – perfekte Bedingungen, um für einen Tag die Seele richtig baumeln zu lassen. Die Teilnehmer fanden Austausch mit anderen Amputierten und deren Familien und Freunden und konnten ihre neu erworbenen Stand-up Paddel-Künste gemeinsam begutachten.
Damals war die Teilnehmerzahl überschaubar. Ein halbes Dutzend Teilnehmer fanden den Weg zum AmpSurfcamp. Das ZDF war vor Ort und berichtete 2015, aber so richtig durchstarten wollte die Veranstaltung nicht. Dann 2017 – eine neue Lokation wurde durch die Hilfe von adViva am St. Leoner See gefunden und die Emotionen und der Spirit waren geboren. Seit 2017 ist das AmpSurfcamp nun schon auf dem Wassersportgelände des St. Leoner Sees. Es ist der perfekte Ort für eine emotionale Veranstaltung.

Das AmpSurfcamp bietet allen begeisterten Menschen mit Amputation die Möglichkeit, ausgelassen, fröhlich und in der Gruppe eine unbeschwerte Zeit zu verbringen. Gleichzeitig gibt das Surfcamp die Gelegenheit, den Körper neu zu spüren, Bewegung zwanglos zu erleben und mit Menschen, die in einer ähnlichen Lebenssituation sind, ins Gespräch zu kommen. „Nach sechs Jahren als Organisator des Events kann ich sagen, dass viele Teilnehmer gestärkt und motiviert aus diesem Tag gehen“, so Thomas Frey. „Wir möchten mit diesem Event einen ‚Samen der Freude‘ pflanzen: Hilfestellung, Information, Gespräche, Sport, Motivation – und das alles bei lockerem Beach-Sommerfeeling. In dieser Art ein einmaliges Event in Europa.“
2019 waren über 65 Teilnehmer, davon 18 Amputierte, am See. Bisheriger Rekord. Viele brachten ihre Kinder mit, was dem Event einen unvergleichlich familiären Charakter gab.

Das diesjährige AmpSurfcamp war voller magischer Momente: Florian frei stehend und voller Energie auf dem Board. Christin, eher zurückhaltend und erst einmal beobachtend, was die anderen machen, fasst ihren ganzen Mut zusammen und geht dann selbstbewusst auf das Board. Diese Momente machen das Team rund um Thomas Frey glücklich. Denn die zentrale Idee hinter dem Event ist, Mut und Freude zu „säen“: Egal was mir passiert ist, es ist viel mehr möglich, als ich gerade denke. Es geht weiter, wenn ich mich Neuem öffne und bereit dazu bin.

Trotz leichten Dauerregens blieben fast alle Teilnehmer bis zum Schluss. Der Spirit, der auf und neben dem St. Leoner See zu spüren war, hat alle erfasst. Vor allem ein Teilnehmer ist überglücklich wieder nach Hause gefahren: Maik hat bei der Tombola den Hauptpreis gewonnen – ein Paar Tompoma Unterarmgehstützen im Wert von 700,00 €. Einer der Sponsoren schrieb am nächsten Tag: „Das war ja Wahnsinn. Alle waren nass und sind trotzdem mit einem breiten Grinsen nach Hause gefahren!“

Für alle Teilnehmer, Freunde und Angehörige ist das AmpSurfcamp kostenfrei. Die Finanzierung des AmpSurfcamps gelingt mithilfe von Unterstützern und Sponsoren. Thomas Frey ist dabei sehr wichtig, dass Sponsoren zum Event passen und sich dem Anliegen, den Teilnehmern einen schönen, unvergesslichen Tag zu schenken, anschließen. Ein positives Lebensgefühl und Hilfestellung stehen im Mittelpunkt. Unter den bisherigen Sponsoren sind Sanitätshäuser und Orthopädiewerkstätten, Hersteller von Prothesenpassteilen sowie eine Rehaklinik.

Unterstützer des AmpSurfcamp 2019 waren adViva, APT Prothesen, Endolite, Mecuris, MEDIAN Kliniken, Sanitätshaus Achim Kunze, Sanitätshaus Rosenkranz Scherer, Fruitletbox, Artzt, terrasensa, ThinkOwl sowie Tompoma.

Die Planungen für 2020 laufen bereits an. Wer als Teilnehmer oder Unterstützer Interesse am 7. AmpSurfcamp 2020 am St. Leoner See hat, kann sich gerne in einen Newsletter eintragen und wird regelmäßig über die Planung und die Termine informiert.
Bitte E-Mail an Dr. Thomas Frey: thomas.frey@fitmithandicap.de

Das AmpSurfcamp als Erfolgsstory zu bezeichnen, liegt nahe. Aber die eigentliche Erfolgsstory sind die Teilnehmer. An diesem Tag haben sie erlebt, dass man Grenzen sprengen kann. Weitere Infos und Kontakt: fitmithandicap.de

 

See you 2020!

Text: Dr. Thomas Frey, Fotos: Herbert Wirtz / www.golffotografie.de