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Zweites Leben nach Fenstersturz

Antonia war 18 Jahre alt und gerade mit dem Abitur fertig, als sie nach einem Sturz in 20 Meter Tiefe wieder bei null anfangen muss. Selbst das Atmen musste sie wieder erlernen. Heute studiert sie Sozialwissenschaften und hat Sport zu ihrem Hobby erklärt.

Erinnerungen sind verschwommen

Nach ihrem Sturz war Antonia mehr tot als lebendig, als man sie auf dem Steinboden im Innenhof fand. Die 27-jährige war aus einem Fenster in ca. 20 Meter Höhe gefallen. Acht bis zehn Wochen nach dem Unfall sind die ihre Erinnerungen nur verschwommen. Was fest steht sind die Ausmaße dieses Unfalls: Vermutlich kam Antonia mit den Beinen zuerst auf, was ihr mehrere Brüche der Beine und der Hüfte bescherte, aber ihr wohl auch das Leben rettete. Wie durch ein Wunder blieb die Wirbelsäule verschont, ihr Jochbein war gebrochen, innere Blutungen und unter anderem eine zusammengefallene Lunge setzten ihr stark zu. Ein Schädelhirntrauma Stufe 3 ließ die Ärzt:innen zudem daran zweifeln, ob die junge Frau das Ganze überleben würde und wenn ja wie. Wahrscheinlich als Komapatientin.

Neues Leben mit Studium & Roboter-Therapie

Eine Frau lehnt mit verschränkten Armen an einem Holzstapel. An ihren Beinen trägt sie Orthesen.

Schaut man Antonia heute an, sieht man eine bildhübsche, schlanke Frau mit braunen Augen, gebräunter Haut und dunkelblonden Haaren. Sie studiert Soziale Arbeit an der Hochschule München mit Schwerpunkt Gesundheit. „Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben. Ich wollte doch Sprachen lernen, heiraten und auf jeden Fall wieder Fußgängerin werden!“, lacht sie. Antonia ist eine wahre Kämpferin. Nach ihrem Unfall musste sie bei null anfangen: Selbst das Schlucken und Atmen musste sie wieder erlernen, aber auch das Essen und Gehen. Geblieben sind eine spastische Lähmung der linken Körperhälfte, eine Verschraubung am Sprunggelenk, und andere Meltallteile im Körper Zudem trägt die sportbegeisterte Studentin oft eine Orthese, die beide Beine umfasst. Aber die sieht cool aus, lässt sie ein bisschen wie Lara Croft aussehen. Nur dass an den Seiten der Beine keine Waffen platziert sind, sondern kleine Motoren. In Deutschland sieht man so etwas bisher selten.

Flaches & leichtes Exoskelett

Das KEEOGO (von B-Temia) ist in erster Linie eine restkraftunterstützende Knieorthese. Sie stellt ein flaches und leichtes Exoskelett dar, das der Benutzende in wenigen Minuten anlegen kann. Es soll Menschen mit neurologischen Erkrankungen, zum Beispiel aufgrund eines Schlaganfalls, einer Rückenmarksverletzung oder bei Multipler Sklerose, helfen, ihre Unabhängigkeit wiederzuerlangen, indem es die verlorene Funktion in den Knien und der Kniemuskulatur ersetzt und es ihnen ermöglicht, leichter und länger zu gehen.

Antonia ist absolut begeistert davon. „Das erleichtert mir das Leben enorm! Ich kann einfach ohne viel Kraftaufwand gehen – auch längere Strecken und habe dadurch eine zusätzliche Möglichkeit ein physiologisch richtiges Gangbild zu bekommen. Wichtig ist mir auch, dass es meine Beine nur unterstützt und ihnen nicht die Arbeit abnimmt, denn dann mache ich ja eher Rückschritte als Fortschritte. Mit dem KEEOGO trainiere ich quasi gleichzeitig.“ Sport nimmt sowieso einen großen Platz in ihrem Leben ein. Antonia betreibt auch einen Instagram-Kanal (@sportmithandicap), um zu zeigen, wie viel trotz Handicap möglich ist.

Eine Frau sitzt auf einer Wiese auf einer Matte und streckt die Arme aus. Sie sitzt im Schneidersitz

Familie & Freunde geben Kraft

Es muss eine Horde an Schutzengeln gewesen sein, die damals bei dem Fenstersturz zur Stelle war. „Und ein gut funktionierendes soziales Umfeld – meine Familie und Freunde haben mich so sehr unterstützt und aufgebaut. Ohne sie wäre ich nicht so weit gekommen!“

eine Frau mit Sonnebrille und Basecap, in der Hand ein Getränk

Die robotergestützte Therapie bot ihr die Ergotherapeutin an. Trotz der Spasmen und der Hemiparese kann sie dank der Orthese gehen – und das mit einem sehr guten Gangbild. „Mein Glück ist, dass ich noch volle Funktion in der Hüfte habe und auch die Körperspannung noch aufrechterhalten kann. Sonst wäre das KEEOGO keine Option für mich gewesen. Aber so kann ich die körperlichen Grenzen einfach verschieben“, strahlt Antonia. „Man muss das Leben ausnutzen! Inzwischen sehe ich meinen Unfall so: Ich habe die Chance, ein zweites Leben zu leben! Wer hat die schon? Ich achte nun sehr auf mich, mit ausgewogener Ernährung und Sport. Aber trotz allem bin ich doch ein bayrisches Madl.“

Mehr zu Antonia ist auf Instagram zu finden: @sportmithandicap

Weitere Infos zum KEEOGO gibt es hier: https://b-temia.com/de/keeogo/

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