StartAmputation & ProthetikTeam Össur geht bei Paralympics in Tokio an den Start

Team Össur geht bei Paralympics in Tokio an den Start

Das Team Össur wird manchmal als das firmeneigene „Formel-1-Team“ bezeichnet und gehört zur Elite der Para-Athleten. Sie inspirieren Menschen weltweit.

Die Kriterien für die Aufnahme ins Team Össur sind bewusst hoch angesetzt. Para-Athleten müssen entweder bei der Europameisterschaft oder bei Olympia starten, um überhaupt infrage zu kommen. Vorzugsweise gehören sie zu den weltweit fünf besten in ihrer Sportart. Die Athleten leben die Össur-Unternehmenswerte und verkörpern das Motto „Leben ohne Einschränkungen“. Das Team Össur wird auf eine kleine Teilnehmeranzahl beschränkt, um jedem Athleten die Zeit und Aufmerksamkeit zukommen lassen zu können, die er verdient.

Als Mitglied des Teams Össur hat man Zugang zu den besten Össur-Produkten, die es auf dem Markt gibt. Sie erhalten ein kleines monatliches Stipendium und fungieren als Repräsentant für das Team und das gesamte Unternehmen. Einige der Athleten kommen regelmäßig nach Reykjavík, um sich an der Entwicklung der Produkte zu beteiligen, indem sie diese testen und wichtiges Feedback geben.

Für Edda Geirsdóttir ist das Team Össur Grund genug, jeden Morgen aufzustehen. Sie ist Kommunikations- und PR-Managerin in der Firmenzentrale in Reykjavík und für das Eliteteam zuständig. „Jeder Athlet hat so viel Kampfgeist in sich, so viele Erfahrungen und Herausforderungen, die zu Treibstoff für ihre Willenskraft wurden. Viele ihrer Lebensgeschichten sind herzzerreißend und können sowohl Tränen der Trauer als auch der Freude hervorrufen.“

Mehr zum Team Össur erfahren Sie hier:

www.ossur.com/de-de/prothetik/auf-einen-blick/leben-mit-prothese/team-ossur-athlethen

Steckbrief


Name: Abassia Rahmani
Alter: 28 Jahre
Wohnort: Winterthur, Schweiz
Disziplin: Leichtathletik, Sprint
Handicap: unterschenkelamputiert, beidseitig
Mein Motto für Tokio: All in!
Instagram: www.instagram.com/abassia.rahmani/
Website: www.abassia-rahmani.com

Sie werden im August bei den Paralympics als Teil des Team Össur in Tokio an den Start gehen. 2016 haben Sie schon in Rio daran teilgenommen und waren dort auch erfolgreich (200 m – 4. Rang, 100 m – 11. Rang). Wie sehr fiebern Sie Ihren zweiten Paralympischen Spielen entgegen? Kann man kurz vor so einer Herausforderung nachts überhaupt noch schlafen?

Ich freue mich riesig auf den Event! Ich hoffe, dass die Paralympischen Spiele dieses Jahr nicht nur ein sportliches Highlight, sondern auch ein versöhnliches Ende einer schwierigen Zeit symbolisieren. Trotzdem stecken natürlich viel Schweiß, Herzblut und positive Nervosität darin, was mich auch in der nächsten Zeit noch begleiten wird. Schlafen kann ich aber zum Glück sehr gut (und sehr gerne), was auch kaum verwunderlich ist bei meinem Trainingspensum.

Fit zu sein und zu bleiben, bis der Wettkampf der Nationen endlich startet, ist nicht nur in diesen Zeiten eine Herausforderung. Wie sieht Ihr Erfolgsrezept aus?

Wenn man Spaß an der Sache hat, fällt es einem leicht, fit zu sein und zu bleiben. Mein Erfolgsrezept besteht vor allen Dingen aus einem super Umfeld, einer eingespielten sportlichen Betreuung und langjährigen Partnerschaften, die stets hinter mir stehen und mich bei meinen Plänen unterstützen.

Mit 16 Jahren wurden Ihnen aufgrund einer bakteriellen Blutvergiftung beide Beine amputiert. Wie war diese Zeit damals für Sie? Wie schnell konnten Sie wieder positiv in die Zukunft schauen?

Die Zeit war damals hart für mich, gerade auch wegen meines jungen Alters. Ich habe mir ein gutes halbes Jahr Zeit gegeben, alles richtig doof zu finden, bevor ich mich dazu entschlossen habe, mein Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen.

Als Kind haben Sie schon Ihre Leidenschaft für Sport entdeckt, allerdings mehr in den Bereichen Wintersport (Snowboard), Turnen und Reiten. Wie kam es, dass Sprint nun ihr Steckenpferd ist?

Ich war zwar lange im „Turnverein“, dieser ist aber sehr polysportiv aufgestellt. Ich war vor allen Dingen im 80-Meter-Sprint und im Weitsprung stark, weswegen meine jetzige Karriere nicht so weit hergeholt ist, wie es scheint. Dennoch habe ich damals nicht leistungsorientiert trainiert, aber als ich zum ersten Mal das Gefühl, auf Blades zu rennen, erlebte und später meine ersten internationalen Wettkämpfe machte, war es um mich geschehen.

Erntet man als Profisportlerin für seinen Job eigentlich nur Bewunderung, oder wurde Ihnen vielleicht auch mal ans Herz gelegt „was Ordentliches/Bodenständiges zu machen“?

Ich ernte vor allem Neugier, was ich super finde. Ich bin sehr bodenständig schweizerisch aufgewachsen, aber zum Glück in einem tollen Umfeld, das mir Raum für meine persönliche Entfaltung gab. Somit habe ich zwar mutige, träumerische Visionen und Pläne, aber durchaus auch ein ausgeprägtes rationales Denken. Mir ist absolut bewusst, dass ich nicht bis ins Rentenalter sprinten kann, daher habe ich eine abgeschlossene Ausbildung, die Berufsmaturität, und beginne dieses Jahr mit meinem Sportmanagementstudium in Teilzeit neben dem Profisport.

Haben Sie noch einen Traum, was Ihre Karriere anbelangt? Und persönlich? Sie reisen ja sehr gern, vielleicht gibt es hier ein Ziel?

Mein Traum ist es, eine paralympische Medaille für die Schweiz gewinnen zu können und auf meinem Weg möglichst viele schöne Momente und spannende Begegnungen zu erleben, wo auf der Welt das ist, spielt keine Rolle. Wenn ich zudem den einen oder anderen dazu motivieren kann, sein Leben ebenfalls in eine positive Richtung zu bewegen, freut mich das natürlich umso mehr.

Steckbrief


Name: Felix Streng
Alter: 26 Jahre
Wohnort: London/Köln
Disziplinen: 100-Meter- und 200-Meter-Sprint & Weitsprung
Handicap: Dysmelie (rechter Unterschenkel)
Instagram: @felix.streng
Website: www.felixstreng.com
E-Mail: hello@felixstreng.com

Sie werden im August bei den Paralympics in Tokio an den Start gehen. 2016 haben Sie schon in Rio daran teilgenommen und waren auch sehr erfolgreich (1 × Gold, 2 × Bronze). Wie sehr fiebern Sie Ihren zweiten Paralympischen Spielen entgegen? Kann man kurz vor so einer Herausforderung nachts überhaupt noch schlafen?

Entgegenfiebern ist der passende Begriff. Ich bin heiß auf die Spiele und freue mich sehr darauf. Die Vorbereitungen laufen gut. Schon bei der Abschlussfeier in Rio 2016 habe ich gemerkt, dass Japan mit den Spielen 2020 etwas Großes vorhat. Auch bei einigen Wettkämpfen vor Ort habe ich gespürt, wie sehr das Land und die Menschen dort für die Spiele brennen. Diese Energie, die die Japaner für die Spiele haben, hat mich bei jeder Reise beeindruckt und noch mehr motiviert, alles aus mir herauszuholen, mich optimal vorzubereiten und ready zu sein, wenn es losgeht.

Um meinen Schlaf lasse ich mich aber nicht bringen, denn er gehört zu einer guten Regeneration dazu – außer ich werde von der Dopingkontrolle mitten in der Nacht aus den Federn geklingelt. 🙂

Fit zu sein und zu bleiben, bis der Wettkampf der Nationen endlich startet, ist nicht nur in diesen Zeiten eine Herausforderung. Wie sieht Ihr Erfolgsrezept aus?

Ein Patentrezept habe ich dafür nicht. Ich war letztes Jahr auf der Suche nach einem neuen Ansatz, weswegen ich meinen gewohnten Wohn- und Trainingsort Köln bzw. Leverkusen gegen London getauscht habe. Mit meinem Coach dort gehe ich nun neue Wege. Es sind so viele Dinge, die in einer Vorbereitung entscheidend sind. Es ist wie ein großes Puzzle, bei dem jedes Teil seinen wichtigen Beitrag leistet, sodass am Ende das beste Resultat zustande kommen kann.

Als Kind haben Sie schon Ihre Leidenschaft für Sport entdeckt, sind mit 17 Jahren allein nach Leverkusen gezogen, um Schüler an einer Elitesportschule zu werden. Haben Sie nie einen anderen Berufswunsch gehegt?

Schon lange bevor ich überhaupt etwas vom paralympischen Sport gehört habe, war ich verrückt nach Sport. Ich habe als Kind jede freie Minute draußen verbracht und wir haben uns bewegt. Egal ob beim Fußball, Basketball, Parkour oder Fahrradfahren, ich war immer in Bewegung. Als mir 2012 Bayer Leverkusen die Möglichkeit geboten hat, auf das Sportinternat zu gehen und den Sporttraum zu leben, war das das Größte für mich! Innerhalb von drei Tagen bin ich von einem 30-Einwohner-Dorf in der Nähe von Coburg nach Leverkusen gezogen. Zu Beginn habe ich auf einer Couch in einem kleinen Zimmer in einer WG geschlafen, und das Einzige, was ich bei mir hatte, waren ein Koffer und eine Sporttasche. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir noch überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, den Sport zu meinem Job zu machen – ich war einfach ein verrückter Junge, der Sport machen wollte und immer noch will.

Erntet man als Profisportler für seinen Job eigentlich nur Bewunderung, oder wurde Ihnen vielleicht auch mal ans Herz gelegt „was Ordentliches/Bodenständiges zu machen“?

Es ist schön, wie interessiert die Leute immer sind, wenn sie erfahren, dass ich keinen klassischen Job ausübe. Diese Anerkennung tut gut und motiviert mich sehr.

Leider kann man von Interesse und Bewunderung allein seine Rechnungen nicht bezahlen, und ich werde nicht ausgesorgt haben, wenn ich mit dem Sport aufhöre. Daher bin ich stets auf der Suche nach Kooperationspartnern, die mich auf dem sportlichen Erfolgsweg im Rahmen eines Sponsorings begleiten. Die Firma Össur stattet mich beispielsweise mit Sprint- und Weitsprungequipment aus.

Um auch für die „Karriere nach der Karriere“ eine gewisse Sicherheit zu haben, habe ich während meines Trainings bei Bayer Leverkusen eine Ausbildung absolviert und studiere gerade an der Universität zu Köln Betriebswirtschaftslehre.

Haben Sie noch einen Traum, was Ihre Karriere anbelangt?

Natürlich ist es mein Traum, nochmals Paralympics-Sieger zu werden, Weltrekorde in meinen Disziplinen zu brechen und zu den Besten zu gehören. Da bin ich auf einem guten Weg. Ich möchte aber auch einen guten Impact auf den Sport haben und mit dem, was ich tue, inspirieren und motivieren.

Generell denke ich, dass Sport in einer Gesellschaft wichtig ist, denn er verbindet nicht nur, sondern schafft auch Vorurteile aus dem Weg und kann Kindern und Jugendlichen einiges für ihr Leben mitgeben. Sport an sich vermittelt so viele gute Eigenschaften, fördert den Umgang miteinander, zeigt einem, wie man an seinen Zielen arbeitet, sich in eine Gruppe integriert und dass man sich gegenseitig unterstützen sollte.

Der Para-Sport ist leider immer noch nicht so angesehen, wie er es verdient hätte. Was würden Sie sich diesbezüglich wünschen?

Bei den Paralympischen Spielen in Rio haben wir paralympischen Sportler erlebt, welch eine Begeisterung und unglaubliche Motivation das Publikum an den Tag legen kann. Auch London hat bereits einige Male bewiesen, dass Stadien bei paralympischen Wettkämpfen ausverkauft sind und über die Medien sehr viele Leute erreicht werden.

Um diesen erfolgreichen Weg weiterzugehen, wünsche ich mir starke Partner in der paralympischen Bewegung, die die einzigartige Strahlkraft des Para-Sports erkennen und mich auf meinem Weg zu weiteren Medaillen begleiten wollen. Es geht darum, gemeinsam zu zeigen, dass viele Hürden überwindbar sind – unabhängig von der Herkunft oder vermeintlichen Einschränkungen. Diese Message möchte ich zusammen mit meinen heutigen und zukünftigen Unterstützern in der Welt verbreiten und freue mich in diesem Rahmen auf weitere Kooperationspartner.

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