StartBarrierefreies ReisenKölle – is en Jeföhl

Kölle – is en Jeföhl

Köln ist ein Gefühl und eine Reise wert!

Berlin, München und Hamburg, das sind beliebte Ziele für eine Städtereise. Aber warum nicht mal Köln? Schließlich ist Köln mit etwas mehr als eine Million Einwohner die viertgrößte Stadt Deutschlands, hat eine fast 2000 Jahre alte Geschichte, den Dom und eine fünfte Jahreszeit. Dabei ist Köln für eine „Großstadt“ erstaunlich gemütlich, grün und etliche Sehenswürdigkeiten sind auf kurzen Wegen erreichbar.

Viele Möglichkeiten der Anreise

Viele Wege führen nach Rom – viele Wege führen auch nach Colonia Claudia Ara Agrippinensium – also Köln. Mit dem Flugzeug landet man auf dem Flughafen Köln-Bonn, ebenso halten dort die Fernbusse. Über den Rhein gelangt man zum Anleger an der Rheinuferpromenade und mit der Bahn kommt man direkt im Zentrum am Kölner Hauptbahnhof an. Auch mit dem Auto ist die Anreise kein Problem, sieht man von den häufigen Staus auf dem Kölner Autobahnring ab. Die Stadt Köln stellt sogar einen interaktiven Parkplatzplan zur Verfügung, auf denen Behindertenparkplätze gekennzeichnet sind.

Anlaufpunkt Domvorplatz & Touristinfo

Ich komme meistens mit dem Auto oder dem Zug nach Köln, dabei hat die Lage des Hauptbahnhofs einen entscheidenden Vorteil, er liegt direkt neben dem Dom. Wenn man Durst und Appetit verspürt, kann man vorher noch einen Abstecher zum Gaffel am Dom machen, um ein leckeres Kölsch (Bier) und etwas Brauhauskost zu genießen. Für Rollstuhlfahrer ist der Eingang in der Trankgasse geeignet und eine behindertengerechte Toilette ist auch vorhanden.

Schräg gegenüber von Gaffel am Dom befindet sich das Servicecenter von KölnTourismus, dort kann man sich noch Informationen besorgen oder Stadtführungen buchen, falls man dies nicht schon vorher im Internet erledigt hat. Viele der dort angebotenen Stadtführungen sind für (mobilitäts-)eingeschränkte Personen geeignet und es gibt auch Führungen in Gebärdensprache. Auf der Website von KölnTourismus finden sich zusätzlich viele Tipps für einen barrierefreien Besuch Kölns (s. Infobox).

Kölner Dom und seine Schatzkammer

Blick in den Dom, bunte Fenster und Gewölbe.

Von hier aus kann man den Weg am WDR entlang (Kopfsteinpflaster) zur Hohen Straße nehmen oder zum Bahnhofsvorplatz zurückkehren und den Aufzug benutzen, der neben den Treppen zur Domplatte führt. Auf jeden Fall steht man bald vor dem imposanten Hauptportal des Kölner Doms.

Die Fertigstellung des Doms hat fast 650 Jahre gedauert, allerdings wird man ihn wohl nie ohne irgendein Gerüst sehen, da er ständig restauriert wird. Der Weg um den Dom herum bietet Gelegenheit, die tollen und detailreichen Steinmetzarbeiten zu bewundern. Im Dom sind es besonders die Fenster, die mich persönlich begeistern. An der Nordseite des Doms, wieder Richtung Bahnhof, befindet sich an der goldenen Stele der Eingang zur Domschatzkammer, die auch barrierefrei zu besuchen ist.

Museen locken zum Besuch

Wer nun noch nicht genug Kultur hatte, kann jetzt wählen zwischen zwei Museen, die direkt neben dem Dom liegen. Das Römisch-Germanische Museum mit dem wundervollen Dionysos-Mosaik oder das Museum Ludwig mit Exponaten des 20. Jahrhunderts und Gegenwartskunst (u.a. Picasso, Chagall, Warhol etc.) laden zum Besuch ein. Direkt neben dem Museum Ludwig befindet sich auch der Eingang zur Kölner Philharmonie mit ihrer außergewöhnlichen Akustik.

Sehr viele Schlösser an einer Brücke, im Hintergrund der Dom.

Brauhauskultur in Köln

Wer danach seinen kulturellen Hunger gestillt hat, hat es nicht weit zu einem weiteren bekannten Brauhaus in Köln, dem Früh. Die Brauhauskultur in Köln scheint für viele Besucher speziell zu sein, das liegt auch unter anderem am Köbes (Kellner zu sagen ist streng verboten!!). Der Köbes hat das Hoheitsrecht im Brauhaus; er serviert das Kölsch in den berühmten kleinen Stangen, meist mit einem lockeren Spruch. Sollte jemand einmal ein Wasser bestellen, kann es passieren, dass er zu hören bekommt „Willste auch Seife und Handtuch dazu?“ oder ähnliche Sprüche. Das ist nicht böse gemeint, denn der Kölner an sich ist sehr tolerant. Ungewohnt für viele ist auch, dass der Köbes immer wieder unaufgefordert die leer getrunkenen Kölschstangen durch frisch gefüllte ersetzt. Ist der Durst erloschen, sollte man den Bierdeckel auf das Glas legen als Signal, dass man jetzt kein Kölsch mehr möchte.

Auch die Brauhauskarte hat bei Gerichten ein paar Überraschungen parat. So ist ein „halve Hahn“ kein halbes Hühnchen, sondern ein Roggenbrötchen mit einer dicken Scheibe Gouda. Der „kölsche Kaviar“ ist Blutwurst mit Zwiebeln und hinter „Himmel un Äd“ verbirgt sich gebratene Blutwurst mit Kartoffelbrei, Apfelmus und gebratenen Zwiebeln.

Die Brauhauskultur in Köln ist eben etwas Besonderes und in der Altstadt, die nur wenige hundert Meter vom Dom beginnt, findet man noch viele dieser Brauhäuser, die wegen ihrer alten Bausubstanz nicht unbedingt barrierefrei sind, allerdings lohnt es sich durchaus, an der Tür zu fragen, denn oft gibt es einen anderen Eingang oder man wird einfach über die Treppe gehoben.

Köln am und auf dem Rhein erleben

Auf der östlichen Seite wird die Altstadt durch den Rheingarten und den Rhein begrenzt. Die Restaurants mit Blick auf den Rhein haben im Sommer eine sehr schöne Außengastronomie und sind sehr stark von Touristen besucht. Hier finden sich auch die Anlegestellen der Rundfahrt- und Hotelschiffe. Eine Rheinrundfahrt ist bei gutem Wetter eine schöne Sache und mittlerweile gibt es auch einige barrierefreie Schiffe (s. Infobox). Vom Rhein hat man nördlich einen schönen Blick auf die Hohenzollernbrücke, die den Hauptbahnhof mit dem Deutzer Bahnhof auf der „schäl Sick“ verbindet. Für viele Verliebte ist der Fußweg über die Brücke ein beliebtes Ziel, auf dem ein Liebesschloss angebracht werden kann. Tausende von diesen Schlössern an den Gittern zu den Gleisen bieten ein schönes Fotomotiv. Von der Brücke hat man auch wieder einen tollen Blick auf den Dom, aber auch rheinaufwärts zu den architektonisch außergewöhnlichen Kranhäusern am Rheinauhafen.

Die wohl schönste Aussicht

Auf der Deutzer Seite befindet sich das Köln Triangle, ein sehr markantes Hochhaus. Mit einem Aufzug gelangt man auf die windgeschützte Aussichtsplattform in 103 m Höhe. Von dort hat man einen 360-Grad-Blick, bei guter Sicht nicht nur auf Köln, sondern bis ins Siebengebirge, das Bergische Land und nach Düsseldorf. Neben dem Triangle liegt das Hyatt-Hotel und vor dem Hotel wurden 2015 Treppen zum Rhein angelegt als Teil des Rheinboulevards. Über verschiedene Rampen kann man auch als Rollifahrer bis zum Rheinufer gelangen. Ich persönlich finde es am schönsten, an warmen Sommertagen dort zu sitzen und den Sonnenuntergang hinter der Kölner Skyline zu betrachten.

Nicht weit vom Triangle befindet sich auch die größte Veranstaltungshalle Deutschlands. Die Lanxess-Arena, von den Kölnern auch liebevoll „Henkelmännchen“ genannt, fasst bis zu 20.000 Besucher und es finden hier regelmäßig große Konzerte und Sportveranstaltungen statt.

Tanzbrunnen & Rheinpark

Bunte Blumen an einem Teich im Rheinpark, im Hintergrund ist der Dom zusehen.

Auf der Deutzer Rheinseite liegt auch der Tanzbrunnen, wo im Sommer viele Open-Air-Konzerte stattfinden. Er ist auch gleichzeitig der Eingang zum Rheinpark, der bei schönem Wetter von den Kölnern zur Freizeitgestaltung genutzt wird. Zur Freude der Kinder gibt es noch einen großen Spielplatz und seit 1957 dreht eine Kleinbahn ihre Runden durch den Park. Am anderen Ende des Rheinparks fährt von April bis Oktober eine kleine Kabinenbahn über den Rhein bis zum Zoo, allerdings ist sie nicht barrierefrei. Rollstuhlfahrer, die sich umsetzen können und deren Rollstuhl faltbar ist, können evtl. transportiert werden. Das ist vor Ort zu klären.

Flora & Fauna

Der Kölner Zoo ist der drittälteste Deutschlands und mit seinem Aquarium und ca. 11.000 Tieren von über 800 Arten auch einen Besuch wert. Direkt daran grenzt die Flora, der Botanische Garten Kölns.

Zwei Nielpferde im Kölner Zoo

Shoppen bis die Karte glüht

Aber in Köln kann man auch gut shoppen. Die bekanntesten Einkaufsstraßen sind die Hohe Straße, die am Dom beginnt, und die Schildergasse, die später von der Hohen Straße abzweigt. Hier befinden sich viele Filialen von einschlägigen Modeketten, die man auch in anderen Großstädten findet. Geht man allerdings von der Schildergasse weiter westlich über den Neumarkt hinaus die Mittelstraße entlang in Richtung Rudolfplatz, kommt man an einigen exklusiven Modegeschäften bekannter Designer vorbei. Auch die Ehrenstraße und die Breite Straße beherbergen nette Geschäfte.

Am Rudolfplatz sieht man dann auch einen Überrest des mittelalterlichen Kölns. Das Hahnentor ist eins von ehemals 16 Toren der 9 km langen Kölner Stadtmauer.

Das Belgische Viertel

Überquert man nun den Hohenzollernring, gelangt man in das „Belgische Viertel“, benannt nach den Straßennamen belgischer Städte. Hier findet man kleine, individuelle Geschäfte und interessante Bars, Cafés und Restaurants. Nicht weit davon liegt auch das Kwartier Latäng (Quartier Latin) mit vielen Klubs und Restaurants. Dieses Viertel wird geprägt durch Studenten der Kölner Universität, die nur wenig entfernt ihren Hauptcampus hat.

Ein kleiner Eckladen mit einer Tafel davor, auf der steht: Pfeil nach rechts (in den Laden) 'Beer', Pfeil nach links 'no Beer'.

Und was sonst noch?

Ein Highlight für Schokoholics ist das Schokoladenmuseum am Zollhafen. Mit Blick auf den Rhein erfährt man alles über die Schokoladenherstellung und kann auch am Schokoladenbrunnen probieren. Nur wenige Schritte weiter lassen sich die Kalorien im Olympia- und Sportmuseum wieder abtrainieren oder man flaniert unter den Kranhäusern am Rhein entlang. Längere Strecken lassen sich auch gut mit den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) zurücklegen. Alle Busse sind absenkbar und haben eine Rampe für Rollstuhlfahrer. Zur Sicherheit gibt der Plan „Touren ohne Treppen“ Auskunft, ob eine Stadtbahnstrecke barrierefrei ist.

In Köln lässt sich noch so viel mehr entdecken in den einzelnen Veedels (Viertel), dass man hier gar nicht alles erwähnen kann. Doch ich mag auch besonders die Kölner. Sie sind aufgeschlossen, tolerant, hilfsbereit, multikulturell und ich fühle mich als Rollstuhlfahrer akzeptiert. Vonseiten der KölnTourismus GmbH gibt es sehr viele Anregungen und Veranstaltungstipps, auch für Menschen mit Einschränkungen.

Für längere Touren, zum Beispiel am Rheinufer entlang, bietet die Radstation Köln auch den Verleih von Handbikes an.

Eine Besonderheit gibt es noch, die viele mit Köln in Verbindung bringen:

Die fünfte Jahreszeit – Karneval

Ab dem 11.11. um 11.11 Uhr beginnt die Session, ab da reisen Prinz, Bauer und Jungfrau (männlich!!) von Sitzung zu Sitzung der einzelnen Karnevalgesellschaften.

Ab Altweiberdonnerstag bis Veilchendienstag findet der Straßenkarneval statt, der seine Höhepunkte am Sonntag mit den Schull- un Veedelszöch (Schul- und Viertelsumzüge) und am Montag mit dem Rosenmontagszug findet. Mein persönlicher Favorit ist dabei der Schull- und Veedelszöch. Viele Schulen und Stadtviertelvereine haben sich in den Monaten vor dem Umzug kreativ betätigt und gehen den Weg des Rosenmontagszugs mit viel Spaß, Freude, Kamelle und Strüssjer entlang. Kölle alaaf!!!

2 Männer in Kostümen (blau mit viel Glitzer) beim Karneval in Köln

An beiden Terminen gibt es vom LVR besondere Tribünen für Rollstuhlfahrer, Gehörlose und Blinde, die über die Website zu buchen sind. Allerdings muss man da früh buchen.

De Kölsche 10 (11) Jebote 

(Die kölnischen 10 (11) Gebote)

1. Et es, wie et es: Es ist, wie es ist. Sieh den Tatsachen ins Auge, du kannst sowieso nichts ändern.
2. Et kütt, wie et kütt: Es kommt, wie es kommt. Du kannst nichts ändern, egal wie es kommt.
3. Et hätt noch immer jot jejange: Es ist schon immer gut gegangen. Diesmal wird es auch klappen.
4. Wat fott es, es fott: Was weg ist, ist weg. Jammere den Dingen nicht nach.
5. Et bliev nix, wie et wor: Es bleibt nichts, wie es war. Sei offen für Neuerungen.
6. Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domit: Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit. Sei kritisch, wenn Neuerungen überhandnehmen.
7. Wat wellste maache: Was willst du machen. Füge dich in dein Schicksal.
8. Maach et jot, ävver nit ze of: Mach es gut, aber nicht zu oft. Lieber Qualität als Quantität
9. Wat soll dä Quatsch?: Was soll der Quatsch? Stelle immer erst die Universalfrage.
10. Drinkste eine met?: Trinkst du einen mit? Komme dem Gebot der Gastfreundschaft nach!
11. Do laachs disch kapott : Da lachst du dich kaputt. Bleib humorvoll und nimm es nicht zu ernst.

Interessante Infos & weiterführende Links

Tipp: Wie in vielen Städten spielt auch in Köln Kopfsteinpflaster eine große Rolle für Rollstuhlfahrer, dementsprechend habe ich dort immer weiche und breite Lenkrollen montiert.

www.koelntourismus.de
www.koelntourismus.de/planen-informieren/barrierefreiheit/
www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/soziales/behinderung/oeffentliche-toiletten
www.koelner-dom.de/besuchen/barrierefreiheit
https://museenkoeln.de/portal/Barrierefreiheit
www.kvb.koeln/service/barrierefreiheit.html
www.inklusion-erleben.lvr.de/de/nav_main/karneval/karneval_fuer_alle_1.html
https://www.radstationkoeln.de

Lust Münchens Kultur barrierefrei zu entdecken? https://barrierefrei-magazin.de/artikel/muenchens-kultur-barrierefrei/

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