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Hände gut, alles gut

Gibt es denn wirklich so viel über die Handgesundheit zu wissen, fragen Sie sich? Oh ja! Denn sie gehören zu unseren wichtigsten Körperteilen. Leider schenken wir ihnen aber weit weniger Aufmerksamkeit, als wir müssten. Wir sind gewohnt, dass sie funktionieren, aber tun sie es mal nicht, wird unser Alltag in erheblichem Maße eingeschränkt.

Dr. med. Michael Lehnert ist mit Leidenschaft Handchirurg und hat vor Kurzem ein Buch zum Thema Handgesundheit veröffentlicht. Darin erfährt man anschaulich und auf humorvolle Art und Weise, wie unsere Hände funktionieren, warum Katzen und Avocados zu den größten Gefahren gehören und was zur Verletzungsprävention getan werden kann. Das Thema Hand ist auch für viele von Ihnen, liebe Leser*innen, interessant, sei es, weil Sie Rollstuhlnutzer sind oder auf Unterarmstützen angewiesen sind. Wir haben bei Herrn Dr. med. Lehnert nachgefragt.

Sehr geehrter Herr Lehnert, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unser Interview nehmen! Ich könnte mir vorstellen, dass wenige Leser bis zu diesem Interview über den Gesundheitszustand ihrer Hände nachgedacht haben. Es sei denn, es liegen Erkrankungen oder besondere Lebensumstände vor. Grundsätzlich fehlt vielen Menschen ja Bewegung, was die allge meine Gesundheit enorm belastet. Aber das kann bei unseren Händen ja eigentlich nicht der Punkt sein, oder doch?

Das genau ist ja das Problem, unsere Bewegungen sind nur noch eingeschränkt, da uns im Alltag so viel Arbeit abgenommen wird: elektrische Türöffner, automatische Rollläden etc. Außerdem beschränkt sich unser tägliches Bewegungsausmaß der Finger und Handgelenke auf ca. 30 Prozent des Möglichen, sodass wir täglich gut daran tun, auch die Extrembereiche der Bewegungen auszuführen. Das erreichen wir mit speziellen Gymnastik- und Trainingsübungen der Hände, wie ich sie im Buch beschrieben habe.

Wir führen die verschiedensten Bewegungen mit unseren Händen aus und bedienen (zumindest gefühlt) viele Bewegungsrichtungen. Welche Aspekte vergisst man aber, wenn man sich nicht explizit um seine Hände kümmert?

Wir vergessen, und vielleicht wissen es auch die meisten Menschen gar nicht, dass unsere Hände Muskeln haben, die sich im Handteller und am Handrücken befinden. Diese Muskeln sollten täglich trainiert werden, und da reicht der normale Einsatz nicht aus, sofern wir wirklich vorbeugend für unsere Hände arbeiten wollen.

Können Sie pauschal sagen, welche Alltagsbegebenheiten für unsere Hände am schädlichsten sind?

Es sind vor allem all die kleinen Verletzungen, die der Hand im Laufe des Lebens zugefügt werden. Hierdurch entstehen kleinste Läsionen am Knorpel, die zwangsläufig nach einigen Jahren zur Knorpelschädigung, der sogenannten Arthrose, führen.

Sie führen die Gefahren in Ihrem Buch sehr ausführlich auf, wie zum Beispiel Katzenbisse und Hausarbeit. Darüber hat man sich vorher vermutlich nicht wirklich Gedanken gemacht. Spannend! Gibt es eine Übung, die man auf jeden Fall regelmäßig ausführen sollte, um seine Handgesundheit zu unterstützen?

Es gibt zehn Grundübungen, aus denen man sich sicher drei bis vier aussuchen sollte, um den Händen langfristige Gesundheit zu schenken. Diese Übungen habe ich im Buch illustriert und exemplarisch für vier Grundprobleme zusammengestellt. Viele Menschen führen die Übungen der Morgenroutine aus und berichten eine schnelle Erleichterung der Beschwerden, da morgens viele Hände unter einer gewissen Steifigkeit leiden.

Viele unserer Leser sind Rollstuhlfahrer, die ihre Hände und Handgelenke stark belasten (müssen). Gibt es Entlastungsübungen, die Sie hier empfehlen würden? Oder vielleicht etwas anderes?

Das tägliche Bedienen des Rollstuhles stellt für die Hände eine Herausforderung dar, die mit der Belastung der Hände im Alltag ohne Rollstuhl gar nicht zu vergleichen ist. Somit braucht es hier auch mehr Unterstützung, um die Handgelenke und Hände vor Überbelastung zu schützen. Gelenkentzündungen, Sehnenscheidenentzündungen oder Einschränkungen der Beweglichkeit müssen unbedingt vermieden werden. Ich empfehle den Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ihre Hände durch professionelle Hilfe zu pflegen, wie sie von Krankengymnasten und Handtherapeuten angeboten wird. Selbstverständlich können dort auch Übungen erlernt werden, die auf die speziellen Bedürfnisse und Probleme des Einzelnen zugeschnitten sind und auch zu Hause regelmäßig ausgeführt werden sollten.

Auf dem Markt werden Greifringe (für Rolli-Räder) angeboten, die ergonomisch geformt sind und dadurch Entlastung bringen sollen. Was halten Sie davon? Stellt dies eine sinnvolle Alternative dar?

Ja, auf jeden Fall, hierdurch wird einer Überbelastung der Hände vorgebeugt, denn die Rollstuhlfahrer können ihren Händen natürlich keine Pause gönnen, das würde ja Stillstand bedeuten.

Können Sie auch etwas zur allgemeinen Handpflege sagen?

Nicht nur die besonders beanspruchten Hände benötigen regelmäßige Pflege. Die Haut der Hände hat einen natürlichen Schutzmantel, um Krankheitserreger abzuwehren. Dieser Schutzwall benötigt eine gesunde und geschmeidige Haut. Das erreichen wir mit entsprechenden Pflegeprodukten und regelmäßiger Hygiene. Hierzu gehört auch eine gute Nagelpflege, um den schädlichen Keimen keinen Unterschlupf zu bieten und sich dann ungebremst zu verbreiten.

Vielen Dank für das Interview!


Dr. med. Michael Lehnert

wurde 1965 in Berlin geboren. Nach dem abgeschlossenen Medizinstudium führten ihn die Weiterbildungen zum Orthopäden, Handchirurgen und Sportmediziner in die USA, nach Japan und Österreich. Heute hält er weltweit zahlreiche Vorträge zu seinem Spezialgebiet, der Handchirurgie. Zudem betreibt er seine eigene orthopädische und auf Handchirurgie spezialisierte Praxis in Berlin-Charlottenburg und behandelt seine Patienten auch in München in der ATOS Klinik. Zu Lehnerts Patienten zählen unter anderem bekannte Musiker und Schauspieler wie die Berliner Philharmoniker, David Garrett oder Ulrich Tukur.

Buch: Hände gut, alles gut!
Meine Tipps für gesunde und bewegliche Hände
Paperback 192 Seiten
ISBN: 978-3-517-09972-9
€ 20,00

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