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Zuckerarme Ernährung bei Multipler Sklerose

Zuckerverzicht ist bei einer Gewichtsreduktion unerlässlich, aber wie sieht es bei entzündlichen Erkrankungen wie Multipler Sklerose aus?

Zucker hat einen großen Einfluss auf das chronische Entzündungsgeschehen und auf den Darm. Ein Forscherteam von der Uni Würzburg fand erst kürzlich heraus, dass ein übermäßiger Konsum von Zucker und einfachen Kohlenhydraten die Gefahr, an Autoimmunerkrankungen, wie beispielsweise Multiple Sklerose, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, oder einer chronischen Entzündung der Schilddrüse (Hashimoto) zu erkranken, erhöht. Diese Studie verdeutlichte, dass ein erhöhter Verzehr von einfachen Kohlenhydraten direkten Einfluss auf die krank machenden Funktionen bestimmter Immunzellen hat. Die Wissenschaftler erhoffen sich nun neue Therapieansätze zur Behandlung von Multipler Sklerose, ohne das Immunsystem komplett herunterfahren zu müssen.

Den meisten Zucker konsumieren wir durch verarbeitete Produkte.

Der klassische Haushaltszucker setzt sich aus Fruchtzucker (Fructose) und Traubenzucker (Dextrose) zusammen. Die tägliche Verzehrmenge sollte nicht über 25 g liegen, tatsächlich liegt sie im Durchschnitt bei 89 g. Bereits ein Chocolate Chip Cookie oder eine Kugel Eis erreichen die empfohlene Menge von 25 g Zucker pro Tag. Den größten Teil verzehren wir allerdings durch verarbeitete Lebensmittel, in denen sich Zucker unter Begriffen wie Dextrose, Malzextrakt, Molkepulver, Dextrin und vielen weiteren versteckt.

Bunte, kleine, runde, eßbare Kringel in einer Schüssel. In den Farben lila, grün, türkis, orange, gelb, rosa und grün.

Unser Gehirn benötigt Zucker – woher dieser kommt, ist allerdings entscheidend.

Der Körper und das Gehirn benötigen Zucker, denn er ist für den Stoffwechsel und den Energiehaushalt wichtig. Wichtig ist allerdings, woher der Zucker kommt. Alle Zuckerarten gehören zu den Kohlenhydraten. Sie unterscheiden sich in einfache Kohlenhydrate (Fruchtzucker und Traubenzucker) und komplexe Kohlenhydrate (Reis, Getreide, (Süß-)Kartoffeln, Hülsenfrüchte).

Komplexe Kohlenhydrate liefern viele Ballaststoffe, die es dem Körper erschweren, den Zucker zu verwerten. Der Körper muss viel mehr Energie aufbringen, um den Zucker verstoffwechseln zu können, und somit gelangt er langsamer ins Blut – der Blutzuckerspiegel steigt nicht so schnell an.

Zu den einfachen Kohlenhydraten zählen: Haushaltszucker, Süßigkeiten, Schokolade, Kekse, Ahornsirup, Maissirup, Zuckerrübensirup, Reissirup, Agavendicksaft, Apfeldicksaft, Dattelsirup, Kokosblütenzucker und -sirup. Diese Einfachzucker werden unter anderem eingesetzt, um Lebensmittel länger haltbar zu machen.

Wie beeinflusst Zucker chronische Entzündungen?

Zucker in Kombination mit Weißmehl, gesättigten Fettsäuren, tierischen Proteinen und Fetten ist ein zentraler Faktor, weshalb wir an Gewicht zulegen. Übergewicht steht sehr oft in Verbindung mit anderen Erkrankungen, bei denen ein chronisches Entzündungsgeschehen eine wesentliche Rolle spielt.

Die immer wieder auftretenden Blutzuckerspitzen nach dem Verzehr von Zucker und einfachen Kohlenhydraten können zudem zu erhöhten Entzündungswerten führen und damit chronische Entzündungen weiter antreiben. Sind wir zudem weniger körperlich aktiv, wird die aufgenommene Glukose nicht weiter verwertet und über verschiedene Stoffwechselprozesse abgebaut. In diesem Prozess entstehen vermehrt freie Radikale und Zytokine, die als Entzündungsbotenstoffe amtieren.

Eine zuckerarme Ernährung bei Multipler Sklerose und anderen Autoimmunerkrankungen ist sinnvoll.

Eine zuckerarme Ernährung kann bei Multipler Sklerose in jedem Fall sinnvoll sein. Zuckerarme Ernährung bedeutet nicht, von heute auf morgen komplett auf Zucker zu verzichten, aber ein achtsamerer Umgang – vor allem mit verstecktem Zucker in verarbeiteten Nahrungsmitteln – ist unabdingbar.

Wer jetzt allerdings auf Süßungsmittel und Zuckerersatzstoffe zurückgreift, wird seinen Süßhunger nicht reduzieren können. Es ist wichtiger, sich gegenüber Süßem zu sensibilisieren. Wir können unseren Zuckerkonsum reduzieren, indem wir zum einen weniger zuckerhaltige Produkte konsumieren und zum anderen natürliche Lebensmittel in Maßen zum Süßen verwenden.

Machen Sie sich beim Einkaufen mit den Zutatenlisten vertraut und achten Sie auf versteckten Zucker. Rotkohl, saure Gurken, Ketchup, Brotaufstriche und Backwaren sind wahre Zuckerfallen. Suchen Sie eine Alternative ohne Zuckerzusatz.

Starten Sie eine Zuckerfrei-Challenge – suchen Sie sich Gleichgesinnte und legen Sie los. Zehn Tage ohne Zucker! Probieren Sie es gerne einmal aus. Achten Sie auf Zuckerzusatz in Lebensmitteln und nutzen sie folgende Regeln:

zuckerfreie Lebensmittel mit bis zu 5 g Zucker auf 100 g
natürliches Süßen mit Obst, Apfelmark und Trockenfrüchten in Maßen
Halten Sie zehn Tage durch, werden Sie spürbar mehr Energie haben, der Schlaf wird besser und der Süßhunger lässt bereits ein wenig nach.

Eine Person hält in der rechten Hand einen Süßstoffbehälter. Darunter befindet sich im Vordergrund des Bildes eine Kaffeetasse auf einem Unterteller, daneben liegt ein Löffel.

Süßstoffe und Zuckerersatzstoffe sind keine dauerhaften Alternativen zu Zucker.

Die künstlichen Zuckerersatzstoffe Aspartam, Cyclamat, Sucralose, Sorbit, Acesulfam-K und Saccharin sind aufgrund der wenigen Kalorien und der geringen Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel besonders für Diabetiker geeignet. In den letzten Jahren werden sie immer häufiger eingesetzt und ersetzen einen Großteil des industriellen Zuckers, um Lebensmittel vermeintlich gesünder zu machen. Wissenschaftlich konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, wie ein langfristiger Verzehr dieser Alternativen auf den Körper wirkt.

Bei manchen Süßstoffen ist man sich der Wirkung auf die Verdauung bereits bewusst. In größeren Mengen können sie zu Verdauungsbeschwerden führen und abführend wirken. Diese Hinweise finden sich sehr häufig auf „zuckerfreien“ Produkten.

In der Studie aus Israel wurden vier verschiedene Süßstoffe untersucht: Saccharin, Sucralose, Aspartam und Stevia – trotz einer niedrigen Verzehrmenge konnten die Forschenden Veränderungen im Mikrobiom feststellen. Saccharin gelangt nur sehr langsam vom Darm ins Blut, und Sucralose wird unverändert wieder ausgeschieden. Das bedeutet, dass beide Stoffe intensiv mit unserem Mikrobiom in Kontakt sind und Einfluss auf die Bakterienvielfalt im Darm nehmen.

Verschiedene Trockenfrüchte wie Banane, Kiwi, Aprikose und Rosinen.

Natürliches Süßen mit Obst, Trockenfrüchten und Honig

5 Tipps zum Schluss

TIPP 1
Süßes aus Langeweile? Wie wäre es mit Beschäftigung? Vor allem, wenn Sie die Hände mit Stricken, Häkeln, Schreiben oder Malen beschäftigen, werden Sie den einen oder anderen Griff in die Gummibärchentüte verhindern können.

TIPP 2
Versuchen Sie, mit reifem Obst oder Mark zu süßen. Eine reife Banane und auch Apfelmark können sogar das Ei beim Backen ersetzen und machen Kuchen, Gebäck und Pancakes richtig schön fluffig.

TIPP 3
Trockenfrüchte wie Datteln, Aprikosen, Feigen und Rosinen sind eine sehr gute Alternative. Sie eignen sich zum Herstellen von eigenen Süßigkeiten wie Butter Cups, Energy Balls und Müsliriegeln oder auch als Snack zwischendurch. Durch den hohen Fruchtzuckeranteil sollten sie jedoch nur in Maßen verwendet werden.

TIPP 4
Ahornsirup und Honig eignen sich zum Teil zum Backen oder als süße Note in Salatdressings und sollten auch nur in Maßen verwendet werden.

TIPP 5
Aromen wie pures Kakaopulver, Kardamom, Tonkabohne, Vanille, Zimt, Zitronen-, Limetten- oder Orangenabrieb. Diese Aromen unterstreichen den Geschmack und helfen dabei, Zucker zu reduzieren.

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