StartGesundheitChronische Schmerzen – Auswege aus dem Teufelskreis

Chronische Schmerzen – Auswege aus dem Teufelskreis

Ständig Schmerzen – das kennen über 20 Millionen Menschen in unserem Land. Sie können eine Folge von Fehlfunktionen im Nervensystem sein. Die Nervenzellen reagieren überempfindlich, und was ursprünglich eine temporäre Warnfunktion des Körpers war, entwickelt sich zu einem ständigen Begleiter. Oft kann Betroffenen selbst mit Medikamenten nicht mehr geholfen werden. Ob chronische Schmerzen ein Leben lang ertragen werden müssen oder ob man etwas dagegen tun kann – mit diesen spannenden Fragen haben wir uns an Valentin Fröhlich gewandt. Er ist Heilpraktiker für Psychotherapie, Yoga-Therapeut sowie Coach – und ist selbst von chronischen Schmerzen betroffen.

L&B: Herr Fröhlich, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen nehmen. Was verursacht Ihrer Meinung nach chronische Schmerzen?

VF: Die Ursachen können sich bei jedem Einzelnen unterscheiden. Forschungen zufolge liegt ein Fehler im Schmerzverarbeitungsmechanismus des Nervensystems vor, wenn keine eindeutige Ursache feststellbar ist. Dieses sogenannte Schmerzgedächtnis kann zum Beispiel durch eine inadäquate Therapie nach einer Verletzung oder einem Unfall entstehen. Aber auch psychologische Faktoren wie eine geringe Widerstandsfähigkeit (Resilienz), ständige Fehlbelastungen des muskuloskelettalen Systems, dauerhafter Stress sowie traumatische Erlebnisse können dabei eine Rolle spielen. Häufig ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die zu chronischen Schmerzen führen.

L&B: Kann es eigentlich jeden Menschen treffen?

VF: Chronische Schmerzen könnten theoretisch alle Menschen betreffen. Jedoch nimmt jeder Mensch zum Beispiel eine Verletzung anders wahr. Sogenannte Life Events, also besondere Lebensereignisse, werden je nach Regulationsfähigkeit von jedem Menschen anders verarbeitet. Deshalb unterscheiden sich sowohl die Wahrnehmung als auch die Verarbeitung – und im Endeffekt die gefühlte Schmerzintensität sowie die Dauer bei jeder Person.

L&B: Muss man mit chronischen Schmerzen leben? Oder gibt es eine Heilungschance?

VF: Definitiv gibt es Heilungschancen. Wichtig dabei ist, sich ganzheitlich therapieren zu lassen und die Lösung nicht nur in einem Feld zu suchen. Der Mensch besteht nicht nur aus dem Körper. Häufig drückt sich die Seele durch den Körper aus. In unserer leistungsorientierten Gesellschaft nehmen die wenigsten Menschen sich ausreichend Zeit, um sich selbst wahrzunehmen und das Leben den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Moderne Kliniken arbeiten mit dem biopsychosozialen Schmerzmodell, um möglichst alle Lebensbereiche in die Therapie zu inkludieren.

L&B: Wie geht man am besten mit diesen ständigen Schmerzen um? Und noch viel interessanter: Was kann dagegen getan werden?

VF: Sollten Betroffene sich noch nicht in Behandlung befinden, würde ich empfehlen, als ersten Schritt einen erfahrenen Arzt aufzusuchen. Dieser kann mit Rat und Tat unterstützen und bei Bedarf Medikamente in korrekter Dosis für „Notfälle“ verschreiben.

Die eine Pauschallösung für alle gibt es meiner Erfahrung nach nicht. Mir persönlich ist es wichtig, Betroffenen klarzumachen, dass sich etwas im Leben verändern muss und dass es wichtig ist, offen und bereit für Veränderungen zu sein. Schließlich sind Schmerzen oft das Abbild des aktuellen Lebens sowie das Ergebnis des bisherigen Lebens. Und sollte das Leben so weiterlaufen wie bisher, wird sich an den Schmerzen auch nichts ändern. Sonst wären es nur Unterdrückungsversuche. Ein Perspektivwechsel – vor allem die Emotionen und die Psyche betreffend – ist unverzichtbar. Dadurch wird Einfluss auf das Nervensystem und die Reizverarbeitungsmechanismen genommen.

L&B: Haben Sie einen Erste-Hilfe-Tipp, wenn die Schmerzen mal sehr stark sein sollten? Was kann man präventiv tun, um das Risiko zu verringern, dass Schmerzen zum dauerhaften Begleiter werden?

VF: Bevor zur Schmerztablette gegriffen wird, würde ich empfehlen, ein großes Glas stilles Wasser mit einer ausgepressten Zitrone zu trinken. Im Anschluss einfach hinlegen, Reize wie Radio, Fernseher, Handy ausschalten und bewusst entspannen. Aber auch das will gelernt sein. Oft lassen sich Schmerzen mit diesen Maßnahmen schon lindern. Um das Risiko zu verringern, rate ich zu einem langfristig bewussten Lebensstil: wenig Stress, viel Natur, Entspannung, gesunde Ernährung, Yoga und Meditation. Gerne berate und unterstütze ich Betroffene mit meiner Arbeit in diesem Prozess. Mit Yoga und Meditation kann jeder Mensch beginnen. Dazu ist es nicht notwendig, gelenkig, gesund und ausgeglichen zu sein. Nachweislich haben diese Lehren einen positiven Effekt auf chronische Schmerzen.

L&B: Vielen Dank für Ihre Zeit!

Der Autor:

Valentin Fröhlich, geboren 1981 in Hamburg, ist Buchautor, Heilpraktiker für Psychotherapie, Yoga-Therapeut sowie Coach. Er hat sich unter anderem auf Psychotraumatologie und chronische Schmerzen spezialisiert. Valentin Fröhlich bietet Beratung und Coachings für Einzelpersonen, Paare, Familien und Unternehmen an. Weitere Infos und Kontakt unter www.froehlich-leben.com.

 

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