Der Grugapark Essen ist größtenteils barrierefrei gestaltet und auch mit dem Rollstuhl ein lohnendes Ausflugsziel. Die Hauptwege sind gut zugänglich, an großen Treppenanlagen gibt es Umfahrungen. Allerdings sollte man die Größe des Parks, längere Strecken und einzelne Steigungen nicht unterschätzen. Unsere Redakteurin Heike berichtet von ihrem Besuch und erklärt, worauf Menschen mit Mobilitätseinschränkungen achten sollten.
Einfach mal ins „bunte“ Grüne
Jetzt, wo die Sommerblumen ihre Blüten voll öffnen, wird es wieder einmal Zeit, den Grugapark in Essen zu besuchen. Der Grugapark ging aus der Großen Ruhrländischen Gartenbau-Ausstellung von 1929 hervor und ist auf über 600 000 m² nicht nur ein botanischer Garten, sondern auch ein Tierpark und Freizeittreff mit großen Wiesen und Grillplätzen sowie vielen Spiel- und Sportmöglichkeiten.
Das ganze Jahr über finden zudem vielfältige Veranstaltungen statt, darunter Blumenmärkte, Open-Air-Konzerte und botanische Führungen. Während des Sommers werden regelmäßig Theateraufführungen speziell für Kinder veranstaltet.
Grugapark Essen im Sommer genießen
Sobald schönes Wetter angesagt ist, strömen besonders am Wochenende viele Besuchende in den Park. Deshalb habe ich mich wieder mit guten Bekannten getroffen, um ein paar Stunden den Grugapark zu genießen. Es lohnt sich, früh dort zu sein.
Nachdem im März und April besonders Frühlingsblüher, Magnolien, Kirsch- und Apfelblüten das Auge erfreuen, sind es jetzt die Sommerblumen auf den Farbenterrassen und verschiedenste prächtig blühende Rosenarten im Rosengarten. Auch in den anderen Themengärten blüht, wächst und duftet es nach Sommer.

Wie barrierefrei ist der Grugapark Essen?
Der Grugapark Essen ist größtenteils barrierefrei beziehungsweise barrierearm gestaltet. Die Hauptwege sind mit Rollstühlen und Kinderwagen zugänglich. An den meisten großen Treppenanlagen gibt es Umfahrungswege. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Strecken ohne Anstrengung zu bewältigen sind. Der Park ist sehr groß und weist an einigen Stellen Steigungen auf. Je nach eigener Kraft und Mobilität kann deshalb eine Begleitperson oder eine elektrische Unterstützung sinnvoll sein.
Zum Glück sind die Rollstühle meiner Freundin und mir mit Restkraftverstärkern ausgestattet. Das sind elektrisch unterstützte Greifreifen, die die eigene Anschubbewegung verstärken. Gerade bei längeren Strecken oder Steigungen kann diese Unterstützung sehr hilfreich sein.
Wer mit einem manuellen Rollstuhl unterwegs ist und keine elektrische Unterstützung nutzt, sollte die geplante Strecke realistisch einschätzen und genügend Zeit für Pausen einplanen.
Der barrierefreie Rundweg an den Mustergärten
Für Menschen mit Geh- oder Sehbehinderung gibt es einen besonderen barrierefreien Rundweg. Er beginnt am Eingang Mustergärten und ist ungefähr 1,3 Kilometer lang. Der Rundweg führt unter anderem durch die Mustergärten, den Rosengarten, den Staudengarten, den Bambushain, die Haselnussallee, den Bauern- und Kräutergarten sowie den Garten der Sinne. Die Strecke ist stufenfrei angelegt und weist größtenteils ein Gefälle beziehungsweise eine Steigung von höchstens sechs Prozent auf. Eine Ausnahme bildet ein etwa fünf Meter langer Abschnitt mit zehn Prozent Gefälle. Auch die Rampe zum Eingang Mustergärten erreicht stellenweise etwas mehr als sechs Prozent Steigung.
Die Bodenbeläge wechseln zwischen Asphalt, Naturstein und Schotter. Sie sind insgesamt gut befahrbar. Die Wege sind außerdem breit genug, damit sich Personen auch auf schmaleren Abschnitten begegnen können.
Für blinde und sehbehinderte Menschen gibt es einen Leitstreifen aus Rippenplatten, Aufmerksamkeitsfelder an Abzweigungen und blindengerechte Orientierungstafeln. Informationen an den Erlebnisstationen werden zusätzlich in Pyramiden- und Brailleschrift angeboten. An den Stationen stehen Bänke, die an das Leitsystem angebunden sind.
Der Rundweg ist damit nicht nur eine schöne Route durch den Park, sondern ein eigenes barrierearmes Angebot.
Wassergarten und Orangerie
Am Haupteingang werden die Besuchenden schon von der großen Fontäne des Wassergartens begrüßt. Zu dieser Jahreszeit gibt es hier auch einen Biergarten, der auch von außerhalb des Parks betreten werden kann. Auf dem Weg bergab zur Orangerie kommt man an einigen schönen Skulpturen vorbei, die zwischen den Bäumen und auf der Wiese arrangiert sind. Die Treppen zu den Farbenterrassen können über eine Rampe umfahren werden, und von dort aus lohnt sich ein Abstecher zu den Blütenfeldern.
An der Orangerie kann man schon einen Stopp für einen Kaffee einlegen, aber es gibt auch überall im Park verteilt andere gastronomische Angebote. Im Gebäude der Orangerie befinden sich auch die Toiletten. Eine behindertengerechte Toilette ist dort ebenfalls vorhanden.
Barrierefreie Toiletten im Grugapark
Barrierefreie Toiletten befinden sich:
- in der Orangerie,
- am Eingang Mustergärten,
- am Verkehrsspielplatz,
- am Tierhof.
Die barrierefreie Toilette am Eingang Mustergärten liegt direkt hinter der Kasse. Die Tür öffnet nicht automatisch und ist mit einem Euroschloss ausgestattet. Wer einen Euroschlüssel besitzt, sollte ihn deshalb mitnehmen.
Kranichwiese und Dahlienarena
Gegenüber der Orangerie kann man sich allerdings auch auf der Kranichwiese zum Picknick niederlassen, was wir sehr gerne machen. Wenn man Glück hat, ergattert man auch einen der auf der Wiese aufgestellten Liegestühle. Von hier aus haben wir unseren Weg an der Dahlienarena, im Frühling mit Tulpen bepflanzt, vorbei in Richtung Wasserfall fortgesetzt.
Das Alpinum ist nur beschränkt mit dem Rollstuhl zu befahren, aber man hat an einigen Stellen doch einen schönen Ausblick auf diese künstliche Gebirgswelt. Viele alte und mächtige Bäume wie Mammutbäume, Sequoia und Sicheltannen säumen den Weg zu den Pflanzenschauhäusern, die jetzt wieder geöffnet sind.
Pflanzenschauhäuser und Themengärten
Die Rampe von unten hinauf zu den Pflanzenschauhäusern ist im Übrigen eigentlich nicht barrierefrei gedacht und sehr sportlich. Mit unseren Restkraftverstärkern aber zu bewältigen. Vor den Pflanzenschauhäusern trifft man dann auf den offiziellen barrierefreien Weg.
Jedes dieser Pflanzenschauhäuser ist einem besonderen Lebensraum unserer Erde gewidmet. Vom tropischen Regenwald über das Sukkulentenhaus bis hin zum Bergnebelwald und dem Mittelmeergarten findet das aufmerksame Auge viele kleine und große Pflanzen sowie exotische Blüten.
Weiter geht es zu dem Bauerngarten, Kräutergarten, Mittelmeergarten usw. bis zum Rosenzimmer. Von hier aus kann man jetzt den Rückweg zum Haupteingang oder noch den zweiten Teil des Grugaparks in Angriff nehmen.
Grugapark bietet einiges für Familien mit Kindern
Hier werden vor allem Familien mit Kindern glücklich. Es gibt einen Irrgarten und viel Platz zum Spielen und Toben auf den unterschiedlichsten Spielplätzen und Freiflächen. Bei den Fitnessstationen wird die ganze Familie gefordert, und auch einige Geräte für Rollstuhlfahrende sind vorhanden.
Ein Besuch des Ponyhofs, des Bauernhofs mit historischen Nutztierrassen, des Kleintiergartens und der Vogelfreiflughalle lohnt sich ebenfalls – sowie die frechen Ziegen im Streichelzoo. Wer sich mit der Familie erst mal einen Überblick über den gesamten Park machen möchte, sollte eine Rundfahrt mit der Kleinbahn unternehmen. Dabei wird einem die gesamte Größe des Grugaparks bewusst. Ich weiß jetzt nicht, ob in der Bahn ggf. Faltrollstühle transportiert werden können, da ich meine letzte Fahrt vor vielen Jahren noch als Fußgängerin unternommen habe.
An den Volieren und am Damwildgehege vorbei kann man zurück zur Kranichwiese gelangen. Die Wege sind allerdings zwischendurch etwas steiler und für Rollstuhlfahrende nur mit kräftiger Begleitung oder elektrischer Unterstützung geeignet. An der Kranichwiese haben wir dann endlich unser Picknick genossen und uns etwas erholt.
Wieder an den Farbenterrassen vorbei ging es hinauf in Richtung des Haupteingangs. Doch bevor wir den Grugapark verlassen haben, wurde noch ein Stopp zum Durchschnaufen am Gradierwerk eingelegt. Gerade an heißen Sommertagen ist hier die salzige Luft angenehm kühl.
Grugabahn mit zusätzlichem Bedarfshalt
Die Grugabahn fährt während der Sommersaison durch den Park. An der Orangerie gibt es einen zusätzlichen Bedarfshalt für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Der Bedarfshalt kann eine gute Möglichkeit sein, längere Wege zu vermeiden. Vor dem Besuch sollte dennoch geklärt werden, ob die Bahn am gewünschten Tag fährt und ob der Einstieg mit dem eigenen Rollstuhl möglich ist. (Bei schlechtem Wetter finden keine Fahrten statt.)
Meine Tipps für den Grugapark mit Rollstuhl
Aus meiner Erfahrung würde ich für den Besuch Folgendes empfehlen:
- Plant genügend Zeit ein. Der Grugapark ist sehr weitläufig.
- Überlegt vorab, welchen Eingang und welche Route ihr nutzen möchtet.
- Nutzt bei Bedarf eine Begleitperson oder eine elektrische Unterstützung.
- Reserviert einen Leihrollstuhl frühzeitig beim Infocenter.
- Nehmt euren Euroschlüssel für barrierefreie Toiletten mit.
- Plant regelmäßige Pausen ein.
- Informiert euch am Besuchstag über Kassenzeiten, geöffnete Angebote und mögliche Einschränkungen.
- Prüft bei der Anreise mit der U-Bahn, ob der Aufzug an der Haltestelle Messe Ost/Gruga in Betrieb ist.
Der Grugapark ist sehr groß und weitläufig, und es ist sehr anstrengend, wenn man alles an einem Tag besuchen möchte. Daher empfehle ich, sich auf einzelne Bereiche zu konzentrieren.
Für die Planung findet man unter www.grugapark.de neben einem interaktiven Parkplan viele Informationen rund um Veranstaltungen und Attraktionen sowie einen Blühkalender mit vielen Bildern. Unter dem Link https://www.grugapark.de/besuchen/barrierefreiheit/barrierefreiheit_2.de.html sind die Informationen zur Barrierefreiheit zu finden.
Mein Fazit: Lohnt sich der Grugapark Essen mit Rollstuhl?
Der Grugapark Essen ist für mich auch mit dem Rollstuhl ein lohnendes Ausflugsziel. Die Hauptwege sind größtenteils gut zugänglich, und Umfahrungen ermöglichen es, viele Treppenanlagen zu vermeiden. Positiv finde ich auch den stufenfreien Rundweg, die verschiedenen barrierefreien Toiletten und die Möglichkeit, kostenlos einen Rollstuhl auszuleihen.
Trotzdem darf man die langen Wege und einzelne Steigungen nicht unterschätzen. Mit einer elektrischen Unterstützung, einer Begleitperson oder einer gut geplanten kürzeren Route lässt sich der Park deutlich entspannter erkunden.
Mir gefallen besonders die Farben der Frühlingsblumen, die Ruhe unter den mächtigen alten Bäumen und die vielen unterschiedlichen Gartenbereiche. Selbst wenn man bei einem Besuch nicht den gesamten Park schafft, gibt es viel zu sehen und zu genießen.
Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch im Herbst, wenn die Dahlien blühen.
Häufige Fragen zum Grugapark Essen mit Rollstuhl
Ist der Grugapark Essen vollständig barrierefrei?
Der Grugapark bezeichnet sein Angebot als möglichst barrierearm. Die Hauptwege sind barrierefrei gestaltet, und an großen Treppenanlagen gibt es Umfahrungen. Wegen der Größe des Parks, wechselnder Bodenbeläge und einiger Steigungen können einzelne Strecken dennoch anstrengend sein.
Welche Eingänge sind mit dem Rollstuhl zugänglich?
Der Haupteingang sowie die Eingänge Lührmannstraße 80 und Grugabad ermöglichen einen barrierefreien Zugang. Während der Sommersaison werden diese drei Eingänge auch zwischen 16 und 18 Uhr mit Handscannern personell betreut. Vor dem Besuch sollten die aktuellen Kassenzeiten geprüft werden.
Gibt es einen barrierefreien Rundweg?
Ja. Am Eingang Mustergärten beginnt ein ungefähr 1,3 Kilometer langer, stufenfreier Rundweg. Er ist besonders auf die Bedürfnisse von Menschen mit Geh- oder Sehbehinderung ausgerichtet. Die Steigung beziehungsweise das Gefälle beträgt größtenteils höchstens sechs Prozent, allerdings gibt es kurze Ausnahmen.
Wo gibt es barrierefreie Toiletten?
Barrierefreie Toiletten befinden sich in der Orangerie, am Eingang Mustergärten, am Verkehrsspielplatz und am Tierhof. Die Toilette am Eingang Mustergärten hat ein Euroschloss und keine automatische Tür.
Kann man im Grugapark einen Rollstuhl ausleihen?
Menschen mit Gehbehinderung können nach Voranmeldung kostenlos einen Rollstuhl ausleihen. Die Reservierung erfolgt über das Infocenter Orangerie unter der Telefonnummer 0201 88 83 106. Wegen der begrenzten Verfügbarkeit ist eine frühzeitige Anmeldung sinnvoll.
Zahlen Menschen mit Behinderung weniger Eintritt?
Personen mit einem GdB ab 30 zahlen derzeit 3 Euro für eine Tageskarte beziehungsweise 17 Euro für eine Jahreskarte. Bei einem Merkzeichen B im Schwerbehindertenausweis hat eine Begleitperson freien Eintritt. Für Sonderveranstaltungen können andere Preise gelten.



