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Flussfahrt Romantischer Mittelrhein

Mit Rolli & Schiff von Koblenz nach Bingen

Ich war schon viermal mit dem Rolli auf Tour mit großen Kreuzfahrtschiffen. Diese großen Ozeanriesen sind größtenteils sehr gut auf Menschen mit Gehbehinderungen eingestellt. Es gibt barrierefreie Kabinen, genügend Aufzüge, lange gerade Gänge, geräumige Restaurants und viel freundliches Personal, das einem bei den kleineren oder größeren Problemen behilflich ist.

Da ich aber auch gerne Städtetouren innerhalb Deutschlands unternehme, hatte ich mir überlegt, auch mal eine Flussfahrt zu machen. Der Rhein würde sich da als Erstes anbieten, mit vielen netten geschichtsträchtigen Städten und Städtchen. Das schwimmende Hotel würde mich dann gemütlich von Ort zu Ort bringen, und ich könnte dabei noch die schöne Landschaft an mir vorbeiziehen lassen. So waren meine Gedanken. Bei der Recherche nach einer geeigneten Reise kam dann die Ernüchterung …

Die MS Asbach aus der KD-Flotte
Die MS Asbach aus der KD-Flotte

Ich fand bei meiner Suche im Internet nur drei Schiffe, die über barrierefreie Kabinen verfügen und für Rollstuhlfahrer*innen geeignet sind. Die „MS Primadonna“ hat vier barrierefreie Kabinen und fährt auf der Donau. „De Zonnebloem“ ist ein niederländisches Schiff und gehört einer Stiftung – also besteht für mich keine Chance mitzufahren. Und die „MS Viola“ verfügt über 34 barrierefreie Kabinen, von denen sich jeweils zwei Kabinen ein barrierefreies Bad teilen. Gegen Aufpreis kann man das Bad zur Alleinbenutzung buchen.

Wirklich zufrieden war ich mit diesen Ergebnissen nicht, zumal die Preise auch nicht wirklich günstig sind.

Romantische Mittelrheintour mit Übernachtung

Bei einem Ausflug nach Köln fielen mir dann die Schiffe der KD (Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt) auf. Ich habe damit schon einmal eine Panoramarundfahrt unternommen und wusste, dass ein paar Schiffe ziemlich barrierefrei im Linienverkehr unterwegs sind.

Jugendherberge auf der Festung Ehrenbreitstein

Also den Fahrplan angeschaut und mich auf der Website der KD darüber informiert, welche Schiffe barrierefrei sind. Zusätzlich habe ich noch mit einer netten Dame vom Kundenservice der KD gesprochen, die mir einige Tipps gegeben hat. Mich hat dabei als Strecke besonders der Romantische Mittelrhein mit seinen Burgen und alten Weinstädtchen interessiert. Deshalb war für uns die Strecke von Koblenz nach Rüdesheim die erste Wahl, und ich habe ein verlängertes Wochenende für meinen Mann und mich um die Schiffstour herum geplant.

Start des Wochenendausflugs in Koblenz

Da Koblenz ca. 150 Kilometer von unserem Wohnort entfernt ist, sind wir bereits am Vorabend der Schiffstour nach Koblenz angereist. In Koblenz gibt es einige Hotels, die barrierefreie Zimmer anbieten, aber ich habe uns einen besonderen Ort ausgesucht. Und zwar die Jugendherberge auf der Festung Ehrenbreitstein. Die Jugendherberge verfügt über barrierefreie Zimmer und ist zertifiziert nach den Kriterien von „Reisen für Alle“. Das spezifizierte Prüfergebnis kann man auf der Homepage der Jugendherberge nachlesen.

Schrägaufzug zur Jugendherberge auf der Festung Ehrenbreitstein

Wir waren sehr auf unseren Aufenthalt dort gespannt, auch weil wir einen der Behindertenparkplätze unterhalb der Festung und den Schrägaufzug zur Festung genutzt haben. Die Beschreibung, die ich von der Jugendherberge für diese Anreise bekommen habe, war super.

Am Schrägaufzug die Taste „DJH-Tür“ drücken, drei Euro bezahlen und das Ticket an der Tür in den Kartenleser einführen – und schon kamen wir an die Tür des Schrägaufzuges. Dieser ist barrierefrei zu befahren. Nach knapp vier Minuten waren wir schon oben an der Festung. Eine freundliche Dame kontrollierte noch unsere Zugangsberechtigung zur Jugendherberge und öffnete uns die Tür.

Durch einen ansteigenden schmalen Gang mit Kopfsteinpflaster gelangten wir auf den Vorplatz zur Jugendherberge. Der Blick von hier oben auf das Deutsche Eck war wunderbar.

Es ging eine Rampe hinauf in das Hauptgebäude der Jugendherberge, wo wir die Schlüsselkarte zu unserem Zimmer bekamen. Die Ausstattung war mit genügend Platz, zwei Einzelbetten, einem Etagenbett und einem barrierefreien Badezimmer ganz ansprechend.

Da an diesem Abend das Wetter nicht besonders schön war, entschlossen wir uns, nicht die Festung zu besichtigen, sondern nach Koblenz in die Innenstadt zu fahren, wo wir gemütlich den Tag in einem Restaurant ausklingen ließen. Den Schrägaufzug können Gäste der Jugendherberge zwischen 06.00 und 01.00 Uhr so oft wie nötig benutzen. Bei der Rückkehr hatten wir noch einen tollen Ausblick auf das nächtliche Koblenz. Das Frühstück am nächsten Morgen ließ kaum Wünsche offen. Anschließend fuhren wir mit dem Auto zur KD-Anlegestelle auf der anderen Rheinseite.

Landschaft genießen auf der MS Asbach

Burg Katz

In der Nähe der Anlegestelle gibt es sowohl ein paar öffentliche Behindertenparkplätze, aber auch ein paar Parkhäuser mit entsprechenden Parkmöglichkeiten. An der KD-Anlegestelle wurden unsere Tickets und Impfausweise kontrolliert, und ich konnte die aufgrund des Wasserstandes etwas steilere Gangway hinunterrollen. Ein Mitarbeiter der Reederei begleitete mich dabei und packte zum Schluss noch kräftig zu, um mich über ein paar kleine Schwellen zu schieben. Ich hätte es auch durchaus selbst ohne Probleme geschafft, aber man merkte, dass der Herr öfter mit wesentlich immobileren Rollstuhlfahrenden zu tun hat.

An Bord gab es für uns noch genügend Platz, um einen schönen Tisch am Fenster auszusuchen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, im Vorfeld einen Tisch reservieren zu lassen. Das Wetter war leider bedeckt und windig, somit blieben wir erst mal gemütlich auf dem Hauptdeck.

An Bord gibt es WLAN, und man kann sich über eine spezielle Website eine Audioguide-Seite aufrufen. Dabei wird einem laufend die aktuelle Schiffsposition angezeigt, und man erhält Informationen zu den Burgen, Sehenswürdigkeiten und Geschichten an der Strecke. Bei den vielen Burgen auf dieser Strecke ist das auch wichtig, sonst kommt man nachher noch ganz durcheinander.

Die schöne Landschaft entlang des Mittelrheins zog langsam an einem vorbei, und jede Minute veränderte sich der Blickwinkel darauf. Die Fahrt dauerte ca. sechs Stunden, so war es ganz angenehm, dass ich zwischendurch auch das Freideck per Aufzug besuchen konnte. Nur zum Heck führen leider ein paar Stufen. Das Personal auf dem Schiff war sehr freundlich, und ich bekam zusätzlich noch ein paar Tipps zur Route. Eigentlich hatten wir geplant, in Rüdesheim auszusteigen, aber wir haben im Vorfeld leider kein Hotel mit einem freien barrierefreien Zimmer gefunden. Also entschieden wir uns, die Ausstiegsstelle Bingen zu nehmen. Auch hier waren die meisten Zimmer ausgebucht, aber wir hatten in der dortigen Jugendherberge Glück und konnten ein barrierefreies Zimmer buchen.

Bingen entdecken

Am KD-Anleger waren sofort ein paar helfende Hände für mich bereit, aber ich habe ihnen bedeutet, dass ich den Ausstieg gerne alleine bewerkstelligen möchte. Man war dann sehr erstaunt, wie leicht und schnell ich die kleinen Bodenschwellen der Gangway und die Rampe zur Straße mit meinem SERVO-Restkraftverstärker bewältigt habe.

Vom KD-Anleger bis zur Jugendherberge waren es dann doch noch 1,8 Kilometer, die wir gemütlich zu Fuß und mit Rolli zurückgelegt haben. Allerdings sollten Rollifahrende dem Radweg folgen, da sie sonst vor ein paar Treppen landen. Die letzten 100 Meter zur Jugendherberge waren dann doch noch sehr steil und mit Schlaglöchern übersät. Nach dem Einchecken haben wir kurz den Blick von der Jugendherberge auf den Rhein und den Binger Mäuseturm genossen und danach die Stadt besichtigt. Auf dem Weg in die Innenstadt überquert man eine Brücke, unter der die Nahe in den Rhein fließt. Die Innenstadt ist klein, idyllisch und mit viel Kopfsteinpflaster versehen. Es gibt viele Restaurants, allerdings sollte man vorher schauen, ob diese für Rollstuhlfahrende geeignet sind und dann auch einen Tisch reservieren. Wir hatten leider nicht vorher reserviert und mussten lange suchen, um einen Platz zu finden.

Den Fußweg zurück zur Jugendherberge haben wir uns dann gespart und für ein paar Euro ein Taxi genommen. Bei einem Absacker im Bistro der Jugendherberge haben wir dann den ereignisreichen Tag ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen haben wir dann wieder ein hervorragendes Frühstück mit Rührei, Müsli, Marmelade, Wurst, Käse, frischen Brötchen etc. in der Jugendherberge genossen.

Holprige Rückreise mit der MittelrheinBahn

So gestärkt haben wir dann unsere Rucksäcke gepackt und sind zum nahe gelegenen Bahnhof spaziert.

Im Reisezentrum lösten wir dann die Bahnfahrkarte für die MittelrheinBahn, die uns rechtsrheinisch wieder nach Koblenz bringen sollte. Nach Auskunft der MittelrheinBahn sollten der Zugang zum Bahnhof und der Einstieg in den Zug barrierefrei sein. Der Weg zum Gleis war dann mit Rampe und Aufzug einigermaßen barrierefrei, aber leider der Einstieg in die MittelrheinBahn nicht. Ein freundlicher Mitreisender und mein Mann halfen mir dann ins Mehrzweckabteil. Auf der gesamten Fahrt gab es dann auch nur einen Ausstieg in Bacharach, den ich alleine hätte bewältigen können.

Die knapp 50-minütige Fahrt nach Koblenz bescherte uns wieder schöne Ausblicke auf einige Burgen und den Rhein. In Koblenz sahen wir uns dann noch ein wenig um, bevor wir den Heimweg antraten.

Fazit: Zum Zeitpunkt unserer Reise (im Oktober) war Nebensaison. Die Tour war sehr interessant und voller Eindrücke, allerdings würde ich mir für das nächste Mal mehr Zeit lassen und in der Hauptsaison reisen, da dann die Anschlüsse unter den Schiffen besser sind. Es besteht nämlich die Möglichkeit, die Fahrt für eine Besichtigung zu unterbrechen und ggf. ein späteres Schiff für die Weiterfahrt zu nutzen. Die Fahrt mit der MS Asbach war als Rollinutzerin angenehm, denn es gibt einen Aufzug, der Haupt-, Unter- und Freideck miteinander verbindet. Eine Behindertentoilette ist im Unterdeck vorhanden.

Weitere Infos:

Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt: www.k-d.com
Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und Saarland: www.diejugendherbergen.de

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