Mit Prothese in den Ring

Einen Prothesenträger, der Mixed Martial Arts (gemischte Kampfkünste, kurz MMA) betreibt, sieht man selten. Jemand mit einer körperlichen Einschränkung scheint sich beim Kampfsport mit Vollkontakt dem Risiko auszusetzen, weitere Verletzungen davon zu tragen? Für viele ist das bestimmt irritierend. Diejenigen, die es ausprobieren, sind jedoch begeistert, wie Yasmin Uygun berichtet.
Die Kampfsportlerin möchte, dass möglichst viele diese bereichernde sportliche Erfahrung machen können und hat daher ein ungewöhnliches wie spannendes Projekt ins Leben gerufen. BYOH (kurz für Be Your Own Hero) heißt der Name der deutschlandweiten Tour, bei der möglichst viele Interessierte mit Handicap die Faszination des Kampfsports selbst erleben sollen. An insgesamt 6 Terminen in unterschiedlichen Städten werden Profis ein kostenloses Training für Interessierte anbieten.

 

Drei Fragen an…

 

…Yasmin Uygun
Alter : 35 Jahre
Wohnort : Lünen (NRW)
Beruf: Krankenpflegerin (Intensivstation)
Sportarten: Laufen und Boxen
Projekt: Kampfsport mit Prothesenträgern und körperlich Eingeschränkten, Motto: BE YOUR OWN HERO – Hier sind die wahren Kämpfer

 

Wie sind Sie persönlich zum Kampfsport gekommen? Gab es einen bestimmten Auslöser? Und was fasziniert Sie an diesen Sportarten?

Kampfsport hat mich schon immer fasziniert, aber in einen richtigen Boxclub habe ich mich lange Zeit nicht getraut. Erst als mir eine Freundin den Recover Fight Club in Essen empfahl, kam ich zu meinem ersten Training. Ich suchte einen Ausgleich zum Laufen und brauchte etwas, das mich so richtig auspowert! Und das ist es auch, was mich am Boxen fasziniert: die Power, die Technik, dass man danach total fertig ist, aber sich trotzdem gut fühlt, so ausgeglichen und frei. Und man entdeckt dabei neue Seiten an sich, Emotionen, die man vorher nie hatte.

 

Nun sind Mixed Martial Arts nicht gerade das sportliche Betätigungsfeld, das man gemeinhin Menschen mit Handicap empfiehlt. Wie sind Sie auf die Idee zu diesem ungewöhnlichen Projekt gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Ich habe ein Video bei Instagram gesehen, in dem ein Boxer mit Handicap trainierte. Ich war hin und weg von seiner Körperhaltung, seiner Technik – einfach klasse! Danach fragte ich mich, warum es eigentlich nicht mehr Leute mit Handicap gibt, die das machen oder im Kampfsport gefördert werden. Ich blieb an dem Thema dran und so entstand langsam die Idee zu dem Projekt BYOH.

 

Was ist Ihr Antrieb für BYOH? Was möchten Sie damit erreichen? 

Ich möchte so viele wie möglich informieren und sie zum Kampfsport animieren! Wir wollen sie dabei unterstützen, den ersten Schritt zu wagen. Alle Boxinteressierten mit Handicap sollen wissen, dass sie nicht alleine sind und sie herzlich willkommen im Kampfsport sind. Wer möchte, kann bei uns eine andere Welt des sportlichen Trainings erfahren und neue Grenzen testen. Ich helfe auch dabei, einen Club für zu finden, in dem jeder mit Freude trainieren kann. BYOH wird immer an eurer Seite sein!

Mixed Martial Arts…

…auf Deutsch „Gemischte Kampfkünste“, kurz MMA, ist eine moderne Art des Vollkontaktwettkampfes. Dabei werden Techniken aus verschiedenen Kampfsportarten verwendet, wie (Kick)Boxen, Taekwondo, Muay Thai, Karate, Brazilian Jiu-Jitsu, Ringen, Judo und andere. Populär wurde Mixed Martial Arts durch Kampfveranstaltungen der Ultimate Fighting Championship (UFC) und ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt.

Weitere Infos zum Projekt und den Tourterminen finden Sie hier:

www.facebook.com/byoh.kampfsport/
www.instagram.com/byoh.kampfsport/