Interview mit Florian Sitzmann

Mit 15 Jahren fing schlagartig Ihr neues Leben an. Wieviel von dem, was Sie sich vor dem Unfall für Ihr Leben vorgenommen und vielleicht schon geplant hatten, war danach noch übrig?

Nun ja, zunächst einmal war ich ja erst 16 Jahre alt. Insofern hatte ich für mein weiteres Leben noch nicht allzu viel geplant. Ich hatte noch keinen Baum gepflanzt und auch noch kein Haus gebaut, ganz zu schweigen von einer Frau, die ich hätte heiraten wollen. Das einzige, was ich wusste, war, dass ich Schreiner werden wollte. Das war natürlich im Rollstuhl nicht mehr so möglich, wie ich mir das vorgestellt hatte und ich musste lernen umzudenken. Übrig war jedoch noch sehr viel von all dem, was ich mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hatte, denn dafür brauchte ich keine Beine. Ich wollte Auto fahren, die Welt bereisen und viel Spaß haben. Und das kam dann auch in den folgenden Jahren nach meinem Unfall alles zu mir.

War Ihr Mut, dann eben das Leben anders anzugehen, gleich da? Wie ist Ihr Umfeld mit Ihrem Unfall und den gesundheitlichen Konsequenzen damals umgegangen?

Die erste Zeit nach dem Unfall war körperlich und mental sehr anstrengend für mich. Und doch habe ich begriffen, dass das Geschenk des Lebens für mich etwas ganz Wertvolles war und ist. Ich habe verstanden, wie knapp ich dem Tod entgangen war und dass das Leben auch hätte vorbei sein können. Genau so habe ich nach wenigen Wochen jeden einzelnen meiner Tage begonnen und seitdem versucht, das Beste daraus zu machen. Es war eine Berg-und-Tal-Fahrt und dennoch sage ich, dass mein Leben, mit der Qualität die es hat, stetig bergauf ging und geht. Für meine Freunde und meine Familie war der neue Zustand anfangs kaum zu ertragen und niemand konnte sich vorstellen, dass ich ein beneidenswertes Leben erreichen kann. Aber ich habe alle eines Besseren belehrt. Und heute sind alle sehr stolz auf mich.

Sie haben schon viel erreicht in Ihrem Leben, zudem sind Sie sehr bekannt und präsent in der Medienwelt. Waren das Ziele oder kam alles anders, als Sie geplant hatten?

Ich habe mich schon immer von meinem Bauchgefühl leiten lassen und wenn man vor seinem Unfall ein wilder Kerl war, dann ist man das später auch immer noch! Ich habe immer viel Spaß dabei gehabt, andere Menschen zu unterhalten und ihnen von meiner Geschichte und meinen Vorhaben zu erzählen. Deshalb war es mir ein Leichtes auch in den Medien immer authentisch zu sein und viel Spaß zu haben. Es war kein Kalkül, sondern pure gelebte Lebensfreude.

Was können Sie unseren Lesern mit auf dem Weg geben? Haben Sie ein Lebensmotto?

Macht bloß keine halben Sachen, bleibt immer authentisch. Dann könnt ihr am nächsten Tag voller Freude in den Spiegel schauen und stolz auf Euch sein.

Danke für Ihre Zeit!

Sehr gerne!

Foto: Privat