StartAmputation & ProthetikWas genau ist eigentlich ein Prothesen-Liner?

Was genau ist eigentlich ein Prothesen-Liner?

Der Liner ist ein oft unterschätzter Bestandteil der Prothese und gesamten Versorgung. Er bildet die direkte Schnittstelle zwischen Stumpf und Prothesenschaft und hat damit großen Einfluss auf Komfort, Hautschutz und Alltagstauglichkeit.

Was ist ein Liner?

Ein Liner ist die direkte Verbindung zwischen dem Stumpf und der Prothese nach einer Amputation. Er wird ähnlich wie ein Strumpf über den Stumpf angelegt. Dabei wird der Liner jedoch nicht gezogen, sondern vom Stumpfende aus gleichmäßig über den Stumpf aufgerollt. Dieses Vorgehen ermöglicht einen faltenfreien Sitz und eine gleichmäßige Auflage auf der Haut.

Wofür braucht man einen Liner?

Ein Liner schützt die Haut vor Druckstellen und Reibung und unterstützt den Umgang mit Hitze und Feuchtigkeit. Ziel ist ein möglichst hoher Tragekomfort im Alltag mit der Prothese. Besonders bei empfindlichen, narbigen oder knochigen Stümpfen kann ein Liner dazu beitragen, die Belastung der Haut zu reduzieren. Vor dem Anlegen des Prothesenschaftes wird der Liner direkt auf den Stumpf aufgerollt.

Sportlerin stülpt Liner über Unterschenkelstumpf und lehnt dabei am Fenster.

Woraus besteht ein Liner?

Liner bestehen in der Regel aus Silikon (Silikon-Liner) oder aus einem speziellen Gel (Gel-Liner).
Beide Materialien liegen direkt auf der Haut auf. Die Außenseite ist meist mit einer textilen Gewebestruktur versehen.
Gel-Liner und Silikon-Liner eignen sich für Menschen mit mittlerem Aktivitätsniveau, also für eingeschränkte bis uneingeschränkte Außenbereichsgeher.
Für uneingeschränkt aktive Prothesenträger wird häufig ein Silikon-Liner empfohlen. Dieses Material gilt als besonders widerstandsfähig und zeigt auch bei intensiver Nutzung einen vergleichsweise geringen Verschleiß.

Frau mit Oberschenkelamputation und angelegtem Liner ruht mit Handy auf dem Sofa.

Alternative zum Liner?

Eine Alternative zum Liner ist der sogenannte Vollkontakt. Dabei befindet sich der Stumpf ohne zusätzliche Zwischenschicht direkt im Prothesenschaft. Zum Anziehen der Prothese wird in diesem Fall eine spezielle Anziehhilfe verwendet. Diese besteht aus einer trichterförmigen, gleitfähigen Folie, die über den Stumpf gezogen wird und das Hineingleiten in den Schaft erleichtert. Am unteren Ende ist die Anziehhilfe meist mit einem Band versehen, das durch das Ventil des Schaftes nach außen geführt wird. Durch Ziehen an diesem Band wird der Stumpf in den Schaft eingezogen.

Ein Nachteil dieser Lösung ist, dass die Anziehhilfe immer mitgeführt werden muss. Auch wenn sie zusammengefaltet nur wenig Platz benötigt, kann es im Alltag unpraktisch sein, wenn sie nicht zur Verfügung steht und die Prothese erneut angezogen werden muss.

Und warum der optimale Sitz eines Liners so wichtig ist, erfahren Sie in unserem Artikel Warum der perfekte Sitz eines Liners entscheidend ist.

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