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Echter Weihnachtsbaum oder künstlicher?

Welcher ist nachhaltiger?

Der Duft von Tannennadeln, warmes Licht, vielleicht darunter die ersten Päckchen … Für viele Menschen gehört ein Weihnachtsbaum einfach dazu. Gleichzeitig wächst aber oft das schlechte Gewissen: Ist es heute noch vertretbar, jedes Jahr einen Baum zu schlagen? Oder ist ein künstlicher Baum aus Plastik nicht doch die bessere, weil „wiederverwendbare“ Lösung?

Der „Verband natürlicher Weihnachtsbaum e. V.“ hat die gängigen Annahmen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis überrascht viele: Wer sich für einen echten Weihnachtsbaum entscheidet, handelt in der Regel klimafreundlicher und unterstützt außerdem die regionale Wirtschaft.

Damit Ihr Weihnachtsfest nicht nur nachhaltig wird, sondern auch entspannt gelingt, lohnt sich ein Blick in unseren Artikel „Anleitung für eine stressfreie Weihnachtszeit“ – dort finden Sie einige ganz praktische Tipps, wie Sie die Feiertage ruhiger und bewusster gestalten können.

Natürlicher Weihnachtsbaum: Teil eines Kreislaufs statt Wegwerfprodukt

Ein echter Weihnachtsbaum ist kein Nadelbaum, der irgendwo im Wald geschlagen wird, sondern ein landwirtschaftliches Produkt. Er wächst auf speziell dafür angelegten Kulturen, oft bis zu zwölf Jahre lang. In dieser Zeit bindet er CO₂ aus der Luft, produziert Sauerstoff und hat damit schon einige Jahre für ein besseres Klima gearbeitet, bevor er im Wohnzimmer steht.

Und auch nach den Feiertagen wird der Baum nicht zum Problem, sondern lässt sich vollständig wieder dem natürlichen Kreislauf zuführen: Er kann kompostiert werden oder in Biomasseanlagen zur Energiegewinnung dienen. Beim Verbrennen oder Verrotten wird wiederum nur so viel CO₂ freigesetzt, wie der Baum zuvor aufgenommen hat. Fachleute sprechen deshalb von einer nahezu klimaneutralen Bilanz, im klaren Gegensatz zu vielen Kunststoffprodukten.

Lebensraum für Tiere, Schutz für den Boden

Die Weihnachtsbaumkulturen selbst bieten richtig bewirtschaftet auch zahlreichen Tieren und Pflanzen Lebensraum. Blühstreifen und natürlicher Bewuchs am Boden liefern Nahrung für Insekten, in den Baumreihen finden Vögel wie Rebhühner oder Baumpieper Brutplätze und Deckung. Die lange Standzeit der Bäume schützt zudem den Boden: Er kann mehr Wasser speichern und ist weniger anfällig für Erosion.

Auch beim Pflanzenschutz hat sich viel getan. Seriöse Betriebe arbeiten mit einem sogenannten integrierten Pflanzenschutz. Das bedeutet, Pflanzenschutzmittel werden nicht automatisch eingesetzt, sondern nur dann, wenn es wirklich nötig ist. Für jeden geernteten Baum wird zudem ein neuer gepflanzt. So bleibt der Bestand langfristig erhalten, Jahr für Jahr.

Stütze für regionale Betriebe und Arbeitsplätze

Hinter vielen natürlichen Weihnachtsbäumen stehen Familienbetriebe, oft seit Generationen. Der Anbau schafft auch Arbeitsplätze, gerade in ländlichen und strukturschwächeren Regionen. Wer bei einem regionalen Anbieter kauft, hebt daher nicht nur die eigene Weihnachtsstimmung, sondern stärkt auch die lokale Wirtschaft.

Die Wege von der Plantage zum Verkaufsstand sind in der Regel kurz. Man kauft den Baum meist beim Hof um die Ecke, auf dem Wochenmarkt oder an einem bekannten Stand im Stadtteil. Das spart Transportwege und damit ebenfalls CO₂.

Eine Baumschule mit kleinen Tannenbäumen

Plastikbaum: Wiederverwendbar – aber wirklich umweltfreundlich?

Auf den ersten Blick wirkt ein künstlicher Weihnachtsbaum praktisch. Er nadelt nicht, lässt sich leicht verstauen und mehrere Jahre verwenden. Oft wird daher behauptet, der Plastikbaum sei die nachhaltigere Wahl. Schaut man genauer hin, zeigt sich ein anderes Bild.

Die meisten Kunstbäume bestehen aus PVC und Metall. Beides ist in der Herstellung sehr energieintensiv, verursacht also hohe CO₂-Emissionen. Hinzu kommt: Viele dieser Bäume werden in Asien produziert und über lange Strecken transportiert, bevor sie in unseren Wohnzimmern landen.

Studien zeigen, dass ein Plastikbaum mindestens 17 bis 20 Jahre genutzt werden müsste, um ökologisch mit einem echten Baum gleichzuziehen. In der Realität ist das selten der Fall. Viele Kunststoffbäume werden nach fünf bis sechs Jahren entsorgt, weil sie beschädigt sind, nicht mehr schön aussehen oder nicht mehr zum eigenen Geschmack passen.

Dann stellt sich die nächste Frage: Wohin damit? Das Materialgemisch aus Kunststoff und Metall lässt sich kaum recyceln. Häufig landen diese Bäume daher als Sondermüll in der Müllverbrennung, mit entsprechendem Energieaufwand und weiterer CO₂-Freisetzung.

Ein Baum fürs Klima und fürs gute Gefühl

Ein natürlicher Weihnachtsbaum verbindet vieles, was vielen Menschen wichtig ist: Er steht für Tradition, für eine festliche Atmosphäre und für ein Stück Natur in den eigenen vier Wänden. Gleichzeitig kann er – bewusst ausgewählt – ein Zeichen für Umwelt- und Klimaschutz sein.

„Der natürliche Weihnachtsbaum ist weit mehr als ein Stück Tradition – er ist die bewusstere und nachhaltigere Wahl“, so bringt es Helmut Stoll, 1. Vorsitzender des Verbands natürlicher Weihnachtsbaum e. V., auf den Punkt. Wer einen echten Baum aus regionalem Anbau kauft, entscheidet sich nicht nur für den besonderen Duft und das warme Licht, sondern auch für kurze Transportwege, für den Erhalt von Familienbetrieben und für eine Form der Landnutzung, die Lebensräume schaffen kann.

Lust auf noch mehr regionale Produkte? In unserem Beitrag „Einkaufen & genießen: barrierefreie Hofläden“ erfahren Sie, wie Sie nachhaltiger einkaufen und bei einem Ausflug echte Bauernhöfe erleben können.

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