StartAmputation & ProthetikWarum Deutschland einen „Tag der Amputierten“ braucht

Warum Deutschland einen „Tag der Amputierten“ braucht

Unsichtbar – und doch sind es viele

In Deutschland leben Hunderttausende Menschen mit Amputationen, jedes Jahr kommen etwa 40 000 bis 50 000 neue Fälle hinzu. Und trotzdem sieht man sie kaum. Moderne Prothesen, insbesondere für die unteren Extremitäten, ermöglichen heutzutage ein hohes Maß an Selbstständigkeit und lassen eine Amputation auf den ersten Blick oft unscheinbar wirken. Was wie ein Fortschritt wirkt, hat aber auch eine Kehrseite: Die Herausforderungen, mit denen Betroffene täglich leben, bleiben für viele unsichtbar.

Ein Tag, der aufmerksam macht

Der Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e. V. (BMAB) möchte deshalb erstmals einen „Tag der Amputierten“ in Deutschland etablieren. Vorbild ist der „Limb Loss & Limb Difference Awareness Month“ in den USA. Für 2026 ist der Aktionstag am 21. April geplant. Die Idee: Ein fester Tag, an dem Menschen mit Amputationen im Mittelpunkt stehen – mit ihren Geschichten, ihren Erfahrungen und ihren Bedürfnissen. Denn eine Amputation betrifft nicht nur den Körper, sondern das gesamte Leben.

Der oft steinige Weg zur Versorgung

Zwei Personen gehen, eine mit Unterschenkelprothesen; Text: Manche tragen Sneaker, ich trage Carbon.

Was viele nicht wissen: Der Weg zu einer passenden Prothese ist oft lang und anstrengend. Anträge bei Krankenkassen, Gutachten, Ablehnungen und Widersprüche gehören für viele Betroffene zum Alltag. Dringend benötigte Hilfsmittel sind nicht immer selbstverständlich zugänglich – obwohl sie entscheidend für Mobilität und Selbstständigkeit sind. Hinzu kommt, dass Versorgungen nicht immer optimal angepasst sind oder lange Wartezeiten entstehen. Für die Betroffenen bedeutet das nicht nur organisatorischen Stress, sondern auch immense Einschränkungen im Alltag.

Mehr als nur körperliche Folgen

Neben den praktischen Hürden spielt auch die psychische Belastung eine große Rolle. Eine Amputation verändert das eigene Körperbild und kann zu Unsicherheit, Rückzug oder emotionalen Krisen führen. Trotzdem fehlt es häufig an niedrigschwelligen psychologischen Unterstützungsangeboten, die speziell auf diese Situation zugeschnitten sind. Auch im Alltag gibt es viele Hürden: fehlende Rücksichtnahme, nicht barrierefreie Gebäude oder öffentliche Wege, die die Teilhabe erschweren.

Ein Tag, der etwas verändern kann

Genau deshalb braucht es mehr Aufmerksamkeit. Der „Tag der Amputierten“ kann helfen, diese Themen ins Licht zu rücken. Eine wichtige Rolle spielen dabei Selbsthilfegruppen, die Betroffene unterstützen und vernetzen.

Mehrere Fußpaare im Kreis, ein Prothesenfuß; Text: Gleiche Chancen, andere Schritte.

Der BMAB ruft dazu auf, sich aktiv zu beteiligen – etwa durch Informationsveranstaltungen in Sanitätshäusern, Aktionen im öffentlichen Raum oder Berichte in lokalen Medien. Jede Initiative trägt dazu bei, Wissen zu verbreiten und Vorurteile abzubauen. Der „Tag der Amputierten“ soll langfristig im April etabliert werden – als fester Anlass, hinzuschauen.
Denn Sichtbarkeit ist der erste Schritt zu besseren Strukturen: in der Versorgung, in der Infrastruktur und im gesellschaftlichen Miteinander.

Die Kampagnen-Website des BMAB finden Sie unter www.bmab.de/tag-der-amputierten.

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