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Auto umrüsten bei Behinderung

Umbaumöglichkeiten nach Behinderungsart

Inhalt

1. Mobilität nach Maß: Der passende Fahrzeugumbau für jede Einschränkung
2. Paraplegie (Lähmung der Beine)
3. Tetraplegie (Lähmung aller vier Extremitäten)
4. Hemiplegie (Halbseitenlähmung)
5. Multiple Sklerose (MS)
6. Kleinwuchs/Mikrosomie
7. Fehlende Gliedmaßen/Amputationen
8. Muskelschwund/Muskeldystrophien (z. B. Duchenne)

Mobilität nach Maß: Der passende Fahrzeugumbau für jede Einschränkung

Die Anforderungen an ein behindertengerechtes Fahrzeug unterscheiden sich je nach Art und Ausprägung einer körperlichen oder neurologischen Einschränkung erheblich. Die Vielfalt an Möglichkeiten für einen behindertengerechten Fahrzeugumbau kann auf den ersten Blick überwältigend wirken. Gleichzeitig ist die gute Nachricht: Dank moderner Technik können heute nahezu alle Menschen ein Auto sicher bedienen – sofern die medizinischen Voraussetzungen gegeben sind.

Dabei gilt der Leitgedanke: So viel wie nötig, so einfach wie möglich.
Je einfacher eine Lösung, desto geringer der Aufwand bei Umbau, Wartung und langfristiger Nutzung. Entscheidend ist jedoch, dass die gewählte Fahr- und Lenkhilfe zur Person passt und sie das Fahrzeug jederzeit sicher beherrschen kann.

Deshalb ist eine ausführliche, persönliche Beratung unverzichtbar. In gemeinsamen Tests wird ermittelt, welche Systeme sich am besten anfühlen und welche Lösung langfristig Sicherheit und Komfort bietet. So entsteht ein Umbau, der nicht nur technisch funktioniert, sondern den Alltag der betroffenen Person wirklich erleichtert.

Das Mobilcenter Zawatzky mit Standorten in Meckesheim bei Heidelberg und in Köln ist seit 1962 auf behindertengerechte Autos spezialisiert. Damit zählt das Unternehmen zu den Pionieren der Branche – nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Dank eines umfassenden Leistungsangebots aus einer Hand profitieren Kundinnen und Kunden von einem zentralen Ansprechpartner für alle Themen rund um ihre Auto-Mobilität:

  • Behindertengerechte Fahrausbildung
  • Übernachtungsmöglichkeiten vor Ort
  • Individuelle Fahrzeugumbauten und Anpassungen
  • Fachgerechte Beratung, Service und Begutachtung

 

Paraplegie (Lähmung der Beine)

Bei einer Paraplegie sind die Beine gelähmt, während die Arm- und Handfunktion meist vollständig erhalten bleibt und Arme und Hände oftmals kräftig sind. Dadurch lassen sich Fahrzeuge sehr gut mit Handbedienungen steuern. Oft benötigen Betroffene auch Lösungen für den sicheren Transfer und die Rollstuhlverladung.

Medizinisches Profil: Lähmung beider Beine aufgrund einer Rückenmarksschädigung. Arme und Hände sind funktionsfähig. Erkrankung ist nicht fortschreitend (außer bei Begleitdiagnosen).

Herausforderungen beim Fahren

  • Fehlende Fuß-/Beinfunktion
  • Verminderte Rumpfstabilität

Mögliche Fahrzeuganpassungen

  • Handgas und -bremse für die Bedienung mit der Hand
  • Pedalsperre, damit die Füße nicht unter die Pedale rutschen
  • Multifunktionsdrehknauf für Blinker, Licht, Hupe, Wischer
  • Leichtgängige Servolenkung
  • Lenkraddrehhilfen wie Knauf, Gabel oder Dreizack
  • Sitzlösungen wie Drehsitz oder Transferhilfen (z. B. Rutschbrett)
  • Elektrische Feststellbremse
  • Rollstuhlverladehilfen für Kofferraum, Dach oder Rückbank
  • Rampen oder Kassettenlifte für (schwere) E-Rollstühle
  • Elektrische Heckklappe
  • Gurt zum Schließen der Fahrertür
Einsetzbare Pedalsperre im Fußraum zur Deaktivierung der Originalpedale.
Die Pedalsperre wird im Fußraum eingesetzt, damit die Füße des Fahrers nicht unter die Pedale rutschen können.

Tetraplegie (Lähmung aller vier Extremitäten)

Tetraplegiker haben starke Einschränkungen in Armen, Händen und Beinen. Dadurch müssen fast alle Fahrfunktionen elektrisch oder elektronisch unterstützt werden. Häufig ist zudem eine Temperaturregulation notwendig, da Körperfunktionen eingeschränkt sind.

Medizinisches Profil: Hohe Querschnittlähmung mit massiven Einschränkungen in Armen, Händen, Beinen und Rumpf. Nicht fortschreitend, jedoch dauerhaft starke Einschränkungen.

Herausforderungen beim Autofahren

  • Fehlende bis minimale Arm- und Handfunktion
  • Kaum Rumpfstabilität
  • Temperaturempfindlichkeit
  • Eingeschränkte Bedienbarkeit aller Fahrzeugfunktionen
  • Schwieriges bis unmögliches Umsetzen von Rollstuhl auf Fahrersitz in einen PKW

Mögliche Fahrzeuganpassungen

  • Elektronische Fahr- und Lenksysteme per Joystick (Drive-by-Wire)
  • Leichtgängige Servolenkung
  • Multifunktionsdrehknauf für Blinker, Licht, Hupe, Wischer
  • Sprachsteuerung oder Touchpad für Blinker, Licht, Hupe, Wischer
  • Elektrische Rücken- und Kopfstütze
  • Rampen oder Kassettenlifte für (schwere) E-Rollstühle
  • Rollstuhlsicherung (mit einer Dockingstation für E-Rollstühle)
  • Elektrische Türen/elektrische Sonnenblende
  • Fahrzeuge mit Bodentieferlegung für mehr Platz im Innenraum
  • Klimaanlage/Standheizung (Da Tetraplegiker Temperaturreize nicht durch eine automatische Regulation des Körpers kompensieren können, reagieren sie überdurchschnittlich empfindlich auf sowohl Hitze als auch Kälte.)
Van mit seitlich ausgefahrener Rollstuhlrampe auf Kopfsteinpflaster am Rheinufer.
Rampen oder Kassettenlifte für (schwere) E-Rollstühle gestalten den Einstieg barrierefrei.

Hemiplegie (Halbseitenlähmung)

Bei der Hemiplegie ist eine Körperhälfte gelähmt. Dadurch müssen alle Bedienelemente auf die funktionierende Seite verlegt werden. Auch eine stabile Sitzposition trägt entscheidend zur sicheren Fahrzeugbedienung bei.

Medizinisches Profil: Lähmung einer Körperhälfte nach Schlaganfall, Hirntrauma oder ICP. Nicht fortschreitend, aber kognitive Einschränkungen möglich.

Herausforderungen beim Autofahren

  • Einseitige Einschränkung von Arm und Bein
  • Eingeschränkte Reaktionsfähigkeit
  • Fatigue- oder Aufmerksamkeitsprobleme

Mögliche Fahrzeuganpassungen

  • Linksgas für die Bedienung mit dem linken Fuß
  • Multifunktionsdrehknauf für Blinker, Licht, Hupe, Wischer
  • Leichtgängige Servolenkung
  • Elektrische Feststellbremse/Gangwahl
  • Lenkraddrehhilfen wie Knauf, Gabel oder Dreizack

 

Multiple Sklerose (MS)

MS kann Kraft, Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit und Ausdauer beeinflussen. Da der Verlauf schwankt, müssen Umbauten flexibel sein und mit zunehmender Einschränkung mitwachsen. Ziel sind leichtgängig bedienbare Systeme mit möglichst geringem Kraftaufwand.

Medizinisches Profil: Chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Fortschreitend (schubförmig oder fortschreitend).

Herausforderungen beim Autofahren

  • Kraftverlust
  • Koordinationsstörungen
  • Fatigue
  • Sensibilitätsverlust
  • Wechselnde Tagesform

Mögliche Fahrzeuganpassungen

  • Handgas und -bremse für die Bedienung mit der Hand
  • Multifunktionsdrehknauf für Blinker, Licht, Hupe, Wischer
  • Leichtgängige Servolenkung
  • Elektronische Fahr- und Lenksysteme per Joystick (Drive-by-Wire) bei zunehmender Einschränkung
  • Rampen oder Kassettenlifte für (schwere) E-Rollstühle
  • Rollstuhlverladehilfen für Kofferraum, Dach oder Rückbank
  • Sitzlösungen wie Drehsitz oder Transferhilfen (Rutschbrett)
Innenraum eines barrierefrei umgebauten Vans mit drehbarem Einzelsitz und Bodenschienensystem.
Ein Drehsitz kann den Ein- und Ausstieg enorm erleichtern.

Kleinwuchs/Mikrosomie

Bei Kleinwuchs sind viele Bedienelemente im Fahrzeug nicht erreichbar. Deshalb werden Pedale, Sitz und Lenkrad an die Körpergröße angepasst, damit präzise und sicher gefahren werden kann.

Medizinisches Profil: Körpergröße deutlich unter dem Normbereich. Nicht fortschreitend.

Herausforderungen beim Autofahren

  • Abstand zu Pedalen und Lenkrad
  • Eingeschränkte Sicht
  • Schwierigkeiten beim sicheren Sitzen (Seitenhalt)

Mögliche Fahrzeuganpassungen

  • Pedalverlängerung oder -erhöhung
  • Multifunktionsdrehknauf für Blinker, Licht, Hupe, Wischer
  • Sitzanpassungen (Höhe, Tiefe, Distanz)
  • Lenkradverlängerung
  • Einstiegshilfen wie Rutschbrett oder Trittstufe
  • Ergonomisch gut erreichbare Schalter
Seitliche Ansicht des ausgefahrenen Rutschbretts bei geöffneter Fahrzeugtür.
Ein Rutschbrett kann beispielsweise den Ein- und Ausstieg für Rollstuhlfahrende erleichtern.

Fehlende Gliedmaßen/Amputationen

Amputationen oder angeborene Fehlbildungen erfordern alternative Bedienelemente im Fahrzeug. Je nach verbleibender Funktion können Lenkhilfen, Handgas oder elektronische Steuerungen eingesetzt werden.

Medizinisches Profil: Fehlende Arme oder Beine nach Unfall oder angeboren.
Nicht fortschreitend.

Herausforderungen beim Autofahren

  • Fehlende Hebel- oder Stützfunktion
  • Eingeschränkte Greifmöglichkeiten
  • Probleme beim Einstieg und beim Beladen

Mögliche Fahrzeuganpassungen

  • Handgas und -bremse für die Bedienung mit der Hand
  • Linksgas für die Bedienung mit dem linken Fuß (rechter Fuß nicht mehr vorhanden)
  • Elektronische Fahr- und Lenksysteme per Joystick (Drive-by-Wire)
  • Multifunktionsdrehknauf für Blinker, Licht, Hupe, Wischer
  • Einstiegshilfen wie Rutschbrett oder Trittstufe
  • Rampen oder Kassettenlifte
Handbedienung für Gas und Bremse im umgebauten Fahrzeugcockpit
Die Umrüstung auf Handgas kann für viele Autofahrende mit Behinderung sehr hiflreich sein.

Muskelschwund/Muskeldystrophien (z. B. Duchenne)

Muskeldystrophien führen zu einem fortschreitenden Kraftverlust. Das bedeutet, dass ein Fahrzeug so umgerüstet werden muss, dass es mit minimaler Restkraft bedient werden kann. Elektronische Fahr- und Lenksysteme sind oft erforderlich.

Medizinisches Profil: Degenerative Muskelerkrankungen mit fortschreitendem Kraftverlust. Progressiv (meist deutlich).

Herausforderungen beim Autofahren

  • Rapide nachlassende Muskelkraft
  • Eingeschränkte Arm- und Beinbewegungen
  • Sinkende Rumpfstabilität

Mögliche Fahrzeuganpassungen

  • Elektronische Fahr- und Lenksysteme per Joystick (Drive-by-Wire)
  • Multifunktionsdrehknauf für Blinker, Licht, Hupe, Wischer
  • Elektrische Sitz- und Transferhilfen (6-Wege-Sitz)
  • Rollstuhlsicherung (mit einer Dockingstation für E-Rollstühle)

 

Lesetipp: Wie die Umrüstung bei einem E-Fahrzeug gelingen kann, erfahren Sie in unserem Artikel Elektromobilität für alle?

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