In unserer Kleinstadt wächst ein unübersehbarer Gebäudekomplex heran. Es entsteht das „Katholische Schulzentrum St. Elisabeth“, Bauherr ist das Bistum Erfurt, und bereits im Sommer 2027 soll das Lernen im Gymnasialzweig und Regelschulzweig hier, nach 2 Jahren Bauzeit, möglich sein.
Ich beobachte mit Staunen den Baufortschritt und mache mir gleichzeitig Gedanken dazu, wie man heutzutage die Barrierefreiheit in solchen Gebäuden umsetzt. Auch in unserer Region gibt es sicher Kinder oder Lehrer, die mit Gehbeeinträchtigung, Rollstuhlnutzung oder auch z. B. Sehbeeinträchtigung leben müssen. Wie wird ihnen der Schulalltag erleichtert?
Erfreulicherweise konnte ich mich zeitnah mit der Schulleitung verabreden, um meine Fragen zu stellen.
Notwendiger Umzug in ein modernes barrierefreies Schulbauwerk

Von einem altehrwürdigen Gebäudekomplex (19. Jahrhundert), der Bergschule in Heiligenstadt, welcher mehrere Um- und Anbauphasen überstand, wird nun der Umzug in ein modernes Schulbauwerk vorbereitet. Bis zu 5 fünf Klassen können zukünftig pro Jahrgang in den Klassen- und Fachräumen lernen.
Die Schulleitung ist sehr erleichtert, nun auch für Menschen mit Behinderung offen sein zu können. Gab es im jetzigen Objekt bei temporären Einschränkungen, wie Gipsbein o. ä., immer Verständnis und pragmatische Lösungen (z. B. Nutzung der Klassenräume im EG …), erleichtert ein Personenaufzug künftig auch solche Einschränkungen.
Barrierefreier Schulneubau – was wird bedacht bzw. vermieden?
Grundsätzlich gehören Bildungseinrichtungen zu öffentlich zugänglichen Gebäuden, deshalb muss die Planung unter Einhaltung der DIN 18040-1 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude erfolgen.
Schon die Anreise zum Lernen wird leicht gemacht, denn aktuell laufen die baulichen Vorbereitungen für die Bushaltestelle unmittelbar gegenüber dem künftigen Haupteingang. Ein weiterer kurzer Weg wird gewährleistet durch den „Kiss & Ride“-Parkplatz.

Betritt man den Schulkomplex durch den Haupteingang wird es nicht nur einen Wegweiser für Sehende geben, sondern ebenfalls einen Übersichtsplan mit Brailleschrift. Eine weitere Orientierungshilfe für Sehbeeinträchtigte sind die Metallplatten am Ende der Treppenhandläufe, die in Brailleschrift Auskunft über den jeweiligen Standort geben.
Barrierefreiheit auch auf Schulhof und in Sporthalle wichtig
Alle Ein- und Ausgangstüren werden mit waagerechten Griffstangen ausgestattet sein. Für die Sporthalle ist eine Umkleide für Menschen mit Behinderungen geplant, und zur Erreichbarkeit der Sporthalle mit einem Rollstuhl – auch außerhalb der Unterrichtszeiten – dient ein separater Aufzug. Das ist gut durchdacht, weil so die Sporthalle auch für den Vereinssport genutzt werden kann.
In allen Klassen- und Fachräumen sind Bereiche für Rollstuhlnutzer vorgesehen, die mit unterfahrbaren Tischen ausgestattet werden. Selbstverständlich wird es auf jeder Ebene des Schulzentrums Sanitärbereiche für Menschen mit Behinderungen geben. Auch der Schulhof wird barrierefrei nutzbar sein, denn das Schulgelände hat ein Gefälle von max. 4 %.
Angehörige profitieren ebenfalls vom barrierefreien Schulkomplex
Selbstverständlich denkt man zuerst an die Schüler und Lehrer, wenn es um Barrierefreiheit in einer Schule geht. Doch auch Eltern/Großeltern mit Gehbehinderung oder Rollstuhl wird es ermöglicht, zum Tag der offenen Tür zu kommen, eine Veranstaltung zu besuchen und am Elternabend oder Elternsprechtag teilnehmen zu können.
War ich beim Betreten des jetzigen Schulgebäudes begeistert von dem imposanten Treppenhaus, den breiten Fluren und den historischen Türen, so war ich beim Verlassen begeistert davon, wie konsequent barrierefrei das neue Katholische Schulzentrum St. Elisabeth in Leinefelde sein wird.

