06„Ich bin bereit zu fahren“, sagt Assina Atigdiko Ada Dieudonné und lächelt zuversichtlich. Der 42-Jährige steht auf einer staubigen Straße in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Um ihn herum herrscht gespannte Stimmung. Rund ein Dutzend Teilnehmer wartet auf den Start eines besonderen Wettrennens: eines Rollstuhlrennens. Dann fällt das Signal.
Die dreirädrigen Rollstühle setzen sich ruckartig in Bewegung. Staub wirbelt auf, Zuschauer jubeln. Vorwärtsgetrieben werden die Fahrzeuge allein durch die Muskelkraft der Arme ihrer Fahrer. Mit schnellen, kraftvollen Bewegungen kämpft sich Assina Meter um Meter über die unebene Straße. Für ihn ist dieser Moment weit mehr als nur ein Rennen.
Von Menschen mit Handicap für Menschen mit Handicap

Assina arbeitet in der Rollstuhlwerkstatt von AMPO International e. V. in Burkina Faso. Dort baut und repariert er gemeinsam mit seinem Team Rollstühle für Menschen mit Behinderungen. Dass er heute selbstbewusst an einem Rennen teilnehmen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Denn er ist gehbehindert und auf einen Rollstuhl angewiesen. In Burkina Faso bedeutet eine Behinderung oft Ausgrenzung. Viele Betroffene haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder passenden Hilfsmitteln. Nicht selten bleiben Kinder und Erwachsene mit Behinderungen isoliert – ausgeschlossen von Schule, Arbeit und gesellschaftlichem Leben. Genau deshalb ist die Rollstuhlwerkstatt von AMPO für viele Menschen ein Ort der Hoffnung.

Hier entstehen Rollstühle, die speziell an die schwierigen Bedingungen vor Ort angepasst werden. Die Straßen in Ouagadougou sind oft staubig, voller Schlaglöcher oder unbefestigt. Herkömmliche Modelle aus Europa wären dort häufig kaum nutzbar. Deshalb entwickelt das Team robuste dreirädrige Rollstühle, die den Alltag der Menschen tatsächlich erleichtern sollen.
Ein Team, eine Familie
Für Assina bedeutet seine Arbeit mehr als nur Technik. „Es macht mich glücklich, anderen Menschen zu helfen“, erzählt er. Besonders berührt ihn, wenn Menschen dank eines Rollstuhls wieder unabhängiger werden. Viele können plötzlich wieder alleine unterwegs sein, arbeiten oder Freunde besuchen. Das verändert ihr Leben. Dabei weiß er aus eigener Erfahrung, wie wichtig Mobilität ist. Umso bedeutender ist es für den Burkinabe, Teil eines Projekts zu sein, das genau dort ansetzt. Besonders stolz ist er auf das Team der Werkstatt. „Wir sind eine Familie“, sagt er voller Überzeugung. Viele der Mitarbeiter haben selbst Behinderungen. Gemeinsam reparieren sie Rollstühle, passen sie individuell an und bilden junge Menschen aus. In der Werkstatt entstehen nicht nur Hilfsmittel, sondern auch Gemeinschaft, Selbstvertrauen und neue Perspektiven.
Die Arbeit der Werkstatt folgt dabei dem Grundgedanken von AMPO: Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen mit Behinderungen sollen nicht bloß unterstützt werden, sondern die Möglichkeit erhalten, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Für viele beginnt diese neue Freiheit mit einem funktionierenden Rollstuhl.
Während das Rennen in Ouagadougou seinem Ende entgegengeht, feuern Zuschauer die Teilnehmer lautstark an. Assina legt noch einmal alle Kraft seiner starken Arme in den Kurbelantrieb des Rollstuhls. Er lässt die anderen Fahrer hinter sich, dann überquert er als Erster die Ziellinie. Und strahlt über das ganze Gesicht. Was für ein Tag.
Mehr über den Verein AMPO International erfahren Sie auch unter www.ampo-intl.org/de

