Krafttraining ist mehr als ein Mittel zum Muskelaufbau. Für viele Rollstuhlfahrer kann Powerlifting ein Schlüssel sein zu mehr Selbstvertrauen, Beweglichkeit im Alltag – und purer Lebensfreude. Als Freizeitbeschäftigung bietet dieser Kraftsport nicht nur gezielten Muskelaufbau, sondern auch das Gefühl, eigene Grenzen zu verschieben – ganz ohne Wettkampfdruck.
Was ist Powerlifting eigentlich?
Powerlifting steht im Deutschen für Kraftdreikampf – eine Trainingsform, bei der drei Übungen im Mittelpunkt stehen: Kniebeugen, Kreuzheben und Bankdrücken. Für Rollstuhlnutzer steht meist das Bankdrücken im Fokus: Dabei wird im Liegen eine Hantel mit beiden Armen kontrolliert hochgestemmt. Die Übung kann individuell angepasst werden und eignet sich hervorragend, um gezielt Kraft aufzubauen.
Warum Powerlifting guttun kann
Untersuchungen zeigen: Rollstuhlfahrer profitieren besonders vom Krafttraining. Es verbessert die Herz-Kreislauf-Leistung, reduziert Körperfett und gleicht muskuläre Dysbalancen aus. Auch Schulter- und Rückenschmerzen – häufige Begleiter im Rollstuhl – können durch gezielte Stärkung der Muskulatur verringert werden.
Nicht zu unterschätzen ist der psychologische Effekt. Krafttraining kann das Selbstwertgefühl steigern, Erfolgserlebnisse schaffen und depressive Verstimmungen mildern. Viele berichten, sich durch regelmäßiges Training wieder als aktiven Teil ihrer Umwelt zu erleben.
So gelingt der Einstieg
Der erste Schritt ins Powerlifting muss nicht kompliziert sein. Wichtig ist, langsam zu starten und sich nicht zu überfordern. Fachleute empfehlen, mit leichten Gewichten zu beginnen – etwa 12 bis 15 Wiederholungen pro Satz – und sich schrittweise zu steigern. Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche reichen für den Anfang völlig aus.
Besonders bei Rollstuhlfahrern ist eine gute Pausengestaltung entscheidend, um Überlastungen der Schultern oder Handgelenke zu vermeiden. Auch sollte die Technik stets kontrolliert und sauber ausgeführt werden. Ein erfahrener Trainer mit Blick für barrierefreies Krafttraining kann hier wertvolle Unterstützung leisten.

Technik, Hilfsmittel & Sicherheit
Damit Rollstuhlfahrer das Bankdrücken auch sicher ausführen können, gibt es zahlreiche Anpassungen. Fixierungsgurte sorgen dafür, dass der Oberkörper stabil auf der Bank liegt. Für Menschen mit eingeschränkter Handfunktion gibt es Greifhilfen oder Manschetten. Sensorbasierte Hantelstangen liefern Rückmeldung zur Bewegungsgeschwindigkeit – ideal für ein angepasstes, tagesaktuelles Training.
Auch das sogenannte geschwindigkeitsbasierte Training (VBT) wird genutzt: Es passt die Belastung an die jeweilige Tagesform an. Besonders wichtig: Die Sicherheit steht immer an erster Stelle. Technik vor Gewicht – das ist und bleibt die wichtigste Regel.
Wo kann ich Powerlifting ausprobieren?
Inzwischen gibt es viele Anlaufstellen für Interessierte – ganz ohne Leistungssportambitionen. Der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS) und der Deutsche Behindertensportverband (DBS) bieten regelmäßig Kurse oder Beratungen an. Auch einige Vereine oder Fitnessstudios mit inklusivem Angebot haben Powerlifting-Kurse für Menschen mit Behinderung im Programm.
Wer sich unsicher fühlt, kann mit einem unverbindlichen Probetraining starten. Wichtig ist, dass Sie sich wohl und gut betreut fühlen. Fragen Sie gezielt nach barrierefreier Ausstattung, erfahrenem Personal und den vorhandenen Hilfsmitteln – dann steht Ihrem erfolgreichen Einstieg nichts im Weg.
Mehr Kraft, mehr Teilhabe
Powerlifting bietet nicht nur körperliche Vorteile – es ist ein Statement: „Ich kann das. Und ich will mehr bewegen.“ Als Hobby stärkt es Körper und Geist, schafft neue Routinen und öffnet Türen zu Gemeinschaft und Selbstbestimmung. Ob zu Hause mit kleinen Hanteln oder im Studio: Jeder Weg zählt.
Warum also nicht einfach loslegen?
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