Menschen, die an Multipler Sklerose (MS) erkranken, erhalten in Deutschland heutzutage wesentlich rascher Gewissheit als noch vor einigen Jahren. Eine aktuelle Auswertung des MS-Registers der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) belegt diesen Trend. Neben der schnelleren Diagnose erfolgt inzwischen auch der Beginn einer passenden Therapie früher als in der Vergangenheit – ein Fortschritt, von dem Patienten unmittelbar profitieren.
Zeitgewinn durch moderne Diagnostik
Eine zügige und zuverlässige Diagnose ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um die Erkrankung von Beginn an wirksam zu behandeln. Besonders bei der schubförmigen Verlaufsform stehen gegenwärtig zahlreiche Medikamente bereit, die das Auftreten weiterer Schübe verhindern oder verzögern können.
Noch vor rund zehn Jahren mussten Betroffene im Schnitt etwa anderthalb Jahre warten, bis ihre Beschwerden eindeutig der MS zugeordnet wurden. Heute hat sich diese Phase stark verkürzt. Verantwortlich dafür sind verbesserte Diagnostik, innovative Untersuchungsverfahren sowie ein stärkeres Bewusstsein für die Erkrankung.

Wer bekommt besonders schnell eine Diagnose?
Nach den Auswertungen des Registers lässt sich die Dauer bis zur Diagnose nicht nur durch die medizinische Versorgung erklären. Auch individuelle Faktoren spielen eine Rolle. Wer zeitgleich mehrere Symptome entwickelt oder typische Empfindungen wie Kribbeln oder Taubheit bemerkt, erhält häufiger rasch eine Bestätigung. Auch eine höhere Bildung kann die zügigere Diagnose begünstigen.
Deutlich schwieriger ist es, wenn die Krankheit unauffälliger beginnt, wie es bei der primär progredienten MS oft der Fall ist. Unspezifische Anzeichen – etwa Blasenfunktionsstörungen oder leichte motorische Auffälligkeiten – führen ebenfalls häufiger zu einer längeren Abklärung. Trotzdem gilt: Fälle mit jahrelanger Verzögerung sind inzwischen selten. Mehr als fünf Jahre auf einen gesicherten Befund warten heute nur noch zwei von hundert Patienten; 2015 waren es fast fünfmal so viele.
Therapie startet immer früher
Nicht nur die Diagnose erfolgt in Deutschland schneller, auch die Zeit bis zum Beginn einer medikamentösen Behandlung hat sich mit durchschnittlich nur zwei Monaten erheblich verkürzt. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das ein Spitzenwert: In den USA vergehen rund drei Monate, im Vereinigten Königreich dauert es im Schnitt fast dreimal so lang.
Besonders erfreulich: Während Frauen in früheren Jahren häufig später als Männer mit der Behandlung begannen, wird die Therapie heute zunehmend eher eingeleitet.
Bessere Versorgung, bessere Perspektiven
MS wird in Deutschland mittlerweile schneller erkannt und früher behandelt als nur wenige Jahre zuvor, dies lässt sich aus der Auswertung des MS-Registers ablesen. Zwar beruhen die Ergebnisse auf den Daten von spezialisierten und DMSG-ausgezeichneten MS-Zentren und stehen damit nicht für MS-Versorgung im Land insgesamt – aber für einen allgemein feststellbaren Trend. Für Menschen mit MS kann das eine große Verbesserung bedeuten: eine moderne Versorgung, mehr Einflussnahme auf den Verlauf der Krankheit und die Aussicht auf viele Jahre mit hoher Lebensqualität.
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