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KI und 3D-Avatare für Gehörlose

Wie sie die digitale Barrierefreiheit revolutionieren

Digitale Informationen sind allgegenwärtig – doch für viele Gehörlose bleibt der Zugang dazu bis heute eingeschränkt. Während Untertitel oder Schriftfassungen helfen können, ersetzen sie keine echte Gebärdensprache. Denn Gebärdensprache ist keine Übersetzung des Deutschen, sondern eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik, Struktur und Ausdruckskraft.

Neue Perspektiven durch KI und 3D-Animationen

Neue Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) und 3D-Animationen eröffnen hier völlig neue Perspektiven. Forscher und Entwickler arbeiten daran, Texte automatisiert in Gebärdensprache zu übertragen – mit digitalen Avataren, die gebärden können. Damit könnten Websites, Behördenportale oder Bildungsangebote künftig barrierefrei zugänglich werden, ohne für jeden Inhalt menschliche Dolmetscher zu benötigen.

Ein digitaler 3D-Avatar in schwarzem Hemd formt mit beiden Händen ein Herz vor der Brust.

Kombinationen verschiedener Technologien

Der Schlüssel liegt in der Kombination verschiedener Technologien: KI-Systeme analysieren zunächst den Text und wandeln ihn in eine sogenannte Sign-Stream-Repräsentation um – eine Art Zwischenformat, das Bewegungen, Mimik und Gestik in maschinenlesbare Daten übersetzt. Diese Informationen steuern anschließend 3D-Avatare, die Gebärden in realistischer Form darstellen. Dabei gilt es, viele Ebenen zu berücksichtigen: Sprachlogik, kulturelle Nuancen und die visuelle Natürlichkeit der Bewegung.

Eine Person im Motion-Capture-Anzug steht in einem Studio vor Kameras und Sensoren und zeigt Gebärden für die digitale Erfassung.

Gehörlosen-Community schafft mit Wissen Basis

Ein zentraler Aspekt ist die enge Zusammenarbeit mit der Gehörlosen-Community. Denn nur durch ihr Wissen lässt sich sicherstellen, dass die Gebärden korrekt, verständlich und kulturell angemessen umgesetzt werden. Projekte wie das der alangu GmbH aus Köln setzen daher auf partizipative Entwicklung: Gehörlose Mitarbeiter und externe Gebärdensprache-Experten wirken aktiv an der Gestaltung der Avatare und Trainingsdaten mit.

Unternehmen alangu baut mit Avataren Barrieren ab

Aus der Forschung des vom BMBF geförderten AVASAG-Projekts ist so ein marktreifes System entstanden, das gemeinsam mit Gehörlosen und Kommunen weiterentwickelt wird. Langfristig könnte KI auch als Assistenz agieren – ähnlich wie Google Translate oder DeepL –, um Kommunikation zu übersetzen, Texte zu transkribieren und so Barrieren im Alltag abzubauen. Aktuell arbeitet alangu daran, Sprachansagen an Flughäfen und Bahnhöfen in Echtzeit in Gebärdensprache darzustellen.

Ein Mann mit Rucksack steht in einer Flughafenhalle und blickt auf eine große Anzeigetafel, auf der ein digitaler Avatar in Gebärdensprache kommuniziert.

Barrierefreie Kommunikation zwischen allen Menschen

In Zukunft werden solche Systeme weit mehr leisten können als reine Übersetzung. Sie ermöglichen inklusive digitale Räume, in denen gehörlose und hörende Menschen gleichberechtigt kommunizieren – ob im E-Learning, bei Serviceangeboten oder im öffentlichen Raum. Der Gebärdensprache-Avatar wird damit zu einem Vermittler zwischen zwei Welten: Er macht Information nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar.

Während sich die Technologie rasant weiterentwickelt, bleibt das Ziel klar: eine digitale Gesellschaft, die niemanden ausschließt. Künstliche Intelligenz kann hier Brücken bauen – wenn sie mit Empathie, sprachlicher Kompetenz und gesellschaftlicher Verantwortung eingesetzt wird.

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