Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen stoßen an vielen Straßenquerungen noch immer auf unnötige Hindernisse. Der Kasseler Querungsbord® wurde entwickelt, um Straßenquerungen für unterschiedliche Nutzergruppen barriereärmer und sicherer zu gestalten. Es ermöglicht einen nahezu stufenlosen Übergang zwischen Gehweg und Fahrbahn und bleibt gleichzeitig für blinde und sehbehinderte Menschen taktil wahrnehmbar. Damit ist es ein wichtiger Baustein für barrierefreie Mobilität im öffentlichen Raum.
Was ist ein Kasseler Querungsbord?
Ein Kasseler Querungsbord ist ein spezielles Bordstein-Element für barrierefreie Straßenquerungen. Es verbindet die Anforderungen verschiedener Nutzergruppen miteinander: Menschen, die auf rollbare Hilfsmittel angewiesen sind, benötigen möglichst geringe Höhenunterschiede. Blinde und sehbehinderte Menschen brauchen dagegen eine eindeutig ertastbare Bordkante zur Orientierung. Das System arbeitet mit einer sogenannten Nullabsenkung. Dabei handelt es sich um einen leicht überrollbaren Übergang, der zum Gehweg hin auf drei Zentimeter ansteigt. Dieses ermöglicht ein leichtes Überrollen der mit einem Warnfeld ausgestatteten Querungsstelle mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen, ohne dass für blinde Menschen die Erkennbarkeit verschwindet.
Der Kasseler Querungsbord-System wurde auf Wunsch und in Kooperation mit sachkundigen Vertretungen verschiedener Gruppierungen für Menschen mit Behinderung entwickelt.
Hinweis: Die Produktbezeichnung Kasseler Querungsbord gehört zu den geschützten Bordsteinsystemen der Profilbeton GmbH; das Unternehmen ist Marken- und Patentinhaber.
Warum ist der Kasseler Querungsbord wichtig?
Barrierefreie Mobilität muss idealerweise im gesamten öffentlichen Raum gewährleistet werden. Erst wenn Wege, Haltestellen und Straßenquerungen ohne größere Hindernisse genutzt werden können, entsteht eine durchgängig (für alle) nutzbare Mobilitätskette. Gerade an Querungsstellen müssen deshalb unterschiedliche Bedürfnisse zusammengeführt werden: geringe Kanten für rollende Hilfsmittel und zugleich klare Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen.

Der Kasseler Querungsbord bietet dabei mehrere Vorteile:
- leichteres Überqueren der Straße mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen
- geringeres Stolperrisiko für ältere Menschen und Personen mit unsicherem Gang
- optimale Orientierung für blinde und sehbehinderte Personen
- einheitliche und planbare Gestaltung von Querungsstellen durch Planungshilfen
- mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden
Wie funktioniert das System?
Der Querungsbord ist in der Regel zwischen 90 und 100 Zentimeter breit. Diese Breite reicht aus, damit Rollstühle und Rollatoren komfortabel passieren können. Gleichzeitig ist die abgesenkte Fläche nicht so breit, dass blinden Menschen großflächig Bordsteinkantensignale fehlen. Als besonders barrierefreie Lösung gelten Doppelquerungen. Dabei wird eine nullgesenkte Querung für Menschen mit rollbaren Hilfen mit einer separaten blindengerechten Querung kombiniert. Diese zusätzliche Querung arbeitet mit einer höheren Bordsteinkante von sechs Zentimetern und bietet dadurch eine deutlichere taktile Orientierung. Je nach örtlicher Situation kommen daher sowohl gemeinsame Querungsstellen mit einer Bordhöhe von etwa drei Zentimetern als auch getrennte Querungsstellen mit unterschiedlichen Bordhöhen zum Einsatz.
Welche Rolle spielen Bodenindikatoren?
Das Kasseler Querungsbord wird im Baukastensystem mit taktilen Bodenindikatoren kombiniert. Sie helfen blinden und sehbehinderten Menschen, die Querungsstelle rechtzeitig zu erkennen, die Gehrichtung zu finden und die Fahrbahn sicher zu queren.

Warnflächen
Vom Gehweg kommend, wird vor der Querungsstelle ein Warnfeld aus Kasseler Schuppenplatten mit asymmetrischer Profilierung verlegt. Sie dienen als taktile Warnfläche und werden idealerweise 60 Zentimeter tief direkt vor dem Querungsbord parallel zum Bordstein angeordnet. Die spezielle Oberflächenstruktur ist mit dem Langstock und unter den Füßen wahrnehmbar und bietet ein deutliches Richtungssignal.
Richtungsfelder
Bei komplexeren oder schrägen Querungen helfen Bodenindikatoren dabei, die richtige Gehrichtung zu finden. So können blinde und sehbehinderte Menschen zur sicheren Querungsstelle geführt werden, insbesondere wenn eine Doppelquerung geplant wird.
Im Gegensatz zu einfachen Nullabsenkungen handelt es sich beim Kasseler Querungsbord-System um ein optimal abgestimmtes System, das die Bedürfnisse verschiedener Nutzergruppen berücksichtigt und ist derzeit als einziges System DIN barrierefrei zertifiziert.
Profilbeton bietet einen einmaligen Planungs- und Beratungsservice mit umfangreichen Planungslösungen für nahezu alle Einbausituationen.
Vorteile für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen
Für viele Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und ein Hilfsmittel wie beispielsweise einen Rollator oder einen Rollstuhl benutzen, stellt bereits eine niedrige Bordsteinkante ein erhebliches Hindernis dar. Das Kasseler Querungsbord bietet deshalb:
- weniger Kraftaufwand beim Überqueren
- geringere Erschütterungen im Rollstuhl
- mehr Sicherheit für Personen mit Rollator
- bequemere Nutzung mit Kinderwagen, Gepäck oder Gehhilfen
Der fließende Übergang auf den Gehweg reduziert zudem das Stolperrisiko für ältere Menschen und Personen mit unsicherem Gang.
Vorteile für blinde und sehbehinderte Menschen
Für blinde und sehbehinderte Menschen stellt sich die Situation hingegen anders dar. Eine vollständig abgesenkte Bordsteinkante kann ihnen die Orientierung erheblich erschweren. Das Kasseler Querungsbord-System vermeidet dieses Problem durch:
- eine einmalig taktil wahrnehmbare Warnfläche hinter dem Querungsbord
- klar erkennbare Querungsstellen
- bessere Orientierung mit dem Langstock
- Doppelquerung, da blinde und sehbehinderte Menschen aufgrund der klaren Trennung grundsätzlich eine separate Querungsstelle bevorzugen
Die Kombination aus Bordprofil und taktilen Bodenindikatoren ist darauf ausgelegt, die unterschiedlichen Anforderungen von Menschen mit und ohne Sehbehinderung miteinander zu vereinbaren.
Worauf sollten Kommunen und Planer achten?
Für eine barrierefreie Umsetzung sind mehrere Punkte entscheidend:
- Nullabsenkungen nur so breit ausführen wie erforderlich.
- Taktil wahrnehmbare Bodenindikatoren sinnvoll und regelgerecht einplanen.
- Kasseler Schuppenplatten als Warnfläche gehwegseitig hinter dem Querungsbord berücksichtigen.
- Doppelquerungen prüfen, wenn unterschiedliche Nutzergruppen besonders sicher geführt werden sollen.
- Rutschhemmende Oberflächen verwenden.
- Behindertenvertretungen und Blindenverbände frühzeitig in die Planung einbeziehen.
- Richtungsfelder exakt auf die gegenüberliegende Querungsstelle ausrichten.
- Beschädigungen der Bordkanten während der Bauausführung vermeiden.
Weiterführende Links zu den hier bedeutenden DIN-Normen
Durchdachte barrierefreie Infrastruktur
Der Kasseler Querungsbord ist weit mehr als ein abgesenkter Bordstein. Er zeigt, wie durchdachte Infrastruktur die Mobilität vieler Menschen verbessern kann. Durch taktile Bodenindikatoren, klare Orientierung und die Möglichkeit von Doppelquerungen trägt das Querungsbord zur sicheren Straßenübergängen bei. Das Sonderbord ergänzt diese Mobilitätskette an Haltestellen und erleichtert den möglichst niveaugleichen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr als Komplettsystem.
Häufig gestellte Fragen zum Kasseler Querungsbord
Wie hoch ist ein Kasseler Querungsbord?
Es gibt keine eigentliche Restkante, sondern eine geschwungene Rampe, die vom Straßenniveau bei 0 cm auf 3 cm an der Gehwegseite ansteigt.
Für wen ist das Kasseler Querungsbord gedacht?
Es wurde für Menschen im Rollstuhl, mit Rollator, Kinderwagen sowie für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt.
Wo werden Kasseler Querungsborde eingesetzt?
Vor allem an Fußgängerüberwegen, Straßenquerungen, Kreuzungen und anderen barrierefrei geplanten Verkehrsflächen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Kasseler Querungsbord und einem Kasseler Sonderbord?
Das Kasseler Querungsbord wird an Straßenquerungen eingesetzt und erleichtert den Übergang zwischen Gehweg und Fahrbahn. Das Kasseler Sonderbord® kommt an Bus- und Straßenbahnhaltestellen zum Einsatz und ermöglicht einen möglichst niveaugleichen Einstieg in öffentliche Verkehrsmittel.
Warum wird nicht einfach eine komplett ebene Nullabsenkung gebaut?
Eine vollständig ebene Lösung kann blinden Menschen die Orientierung erschweren. Die Restkante und die Bodenindikatoren sorgen für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Überrollbarkeit und taktiler Wahrnehmung.
Sind Kasseler Querungsborde vorgeschrieben?
Nein. Vorgeschrieben sind die Anforderungen an die Barrierefreiheit von Querungsstellen. Das Kasseler Querungsbord ist eine bewährte Lösung, um diese Anforderungen umzusetzen, aber nicht die einzige mögliche Ausführungsform.


