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Ministerpräsident Daniel Günther

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther ist geborener Kieler und studierte Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre sowie Psychologie mit dem Magister-Abschluss. Politisch steht er fest in der CDU und arbeitete sich in dieser Fraktion über mehrere Etappen und den Vorsitz seiner Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag stetig hoch, den er von 2014-2017 inne hatte. Seit 2017 führt er das Land Schleswig-Holstein als Ministerpräsident.

Daniel Günther ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Er unternimmt in seiner Freizeit gern längere Spaziergänge in der Natur, besucht hin und wieder die Inseln in Nord- und Ostsee. Zeit mit seiner Familie ist dem Politiker wichtig. Seine sportlichen Interessen liegen im Joggen sowie als Zuschauer bei Fuß- und Handballspielen.

B: Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Günther, vielen Dank, dass Sie in dieser doch sehr anspruchsvollen Situation noch ein wenig Zeit für ein Interview mit unserem Magazin gefunden haben. Über Sie weiß man, dass Sie ein Familienmensch sind und Vater von zwei Töchtern. Wie bekommen Sie eigentlich den Spagat zwischen Familie und Politik hin? Ich denke, einige Themen trägt man ja sicherlich auch ins Private.

DG: Natürlich fordert einen das Amt des Ministerpräsidenten. Ein paar Grundprinzipien aber sind mir wichtig: Ich möchte auf ein Privatleben nicht verzichten. Schließlich habe ich eine Familie mit zwei Töchtern, die zwei und vier Jahre alt sind. Deshalb achte ich schon darauf, an jedem Wochenende mindestens einen Tag komplett freizuhalten, um Zeit mit der Familie verbringen zu können. Das ist mir in der Vergangenheit gut gelungen. Mit den Einschränkungen, die wir alle durch Corona erleben müssen, war das teilweise sogar einfacher, denn viele Wochenendveranstaltungen sind schlicht ausgefallen.

B: Wir haben unsere Redaktion in Kappeln und wohnen privat in Damp. Hier haben wir Gelegenheit, uns nach vielen emotionalen Gesprächen mit Abstand den Wind um die Nase wehen zu lassen, um den Kopf wieder freizubekommen und eine gute Balance zwischen Job und notwendigem Ausgleich zu finden. Wie gelingt es Ihnen, gegenüber Ihrer Arbeit und Ihrem Engagement einen Ausgleich zu finden?

DG: Natürlich gibt es Dinge, bei denen niemand auf mich Rücksicht nimmt. Zum Beispiel die Sitzungen des Bundesrats, des Landtags oder wichtige – und durchaus schöne – Veranstaltungen wie die Eröffnung der Kieler Woche – diese Termine stehen lange fest und werden automatisch in meinen Terminkalender übertragen. Aber darüber hinaus entscheide ich selbst. Mein Büro unterstützt mich natürlich und hat eine gute Einschätzung dessen, was mir wichtig oder weniger wichtig ist. Einmal in der Woche gibt es Terminrunden, in denen wir die Dinge gemeinsam besprechen. Und für die körperliche Fitness versuche ich, mindestens einmal die Woche eine Joggingrunde hinzubekommen. Das gibt mir den nötigen Ausgleich.

B: Mit unseren Publikationen, die bundesweit erscheinen, erreichen wir weit über eine Millionen Onlineleser. Wir wollen betroffenen Menschen – insbesondere Familien mit behinderten Kindern – Mut machen und ihnen eine Stimme geben. Wie stellen Sie sich ein solches Mutmachen vor und was wünschen Sie sich für unsere Gesellschaft?

DG: Ich wünsche mir persönlich eine inklusive Gesellschaft, denn sie ist nicht nur eine gerechtere Gesellschaft. Sie ist, weil sie die besonderen Talente und Fähigkeiten aller Menschen miteinbezieht, auch eine zukunftsfähigere Gesellschaft. Die Landesregierung stärkt die Inklusion und Teilhabe für alle Menschen im Land. Dazu wird die UN-Behindertenrechtskonvention kontinuierlich in SH umgesetzt. Kinder und Familien sind dabei besonders schutzbedürftig. Das berücksichtigen wir bei der Aufstellung eines neuen Landesaktionsplans der Landesregierung für Menschen mit Behinderungen, der im Januar 2022 veröffentlicht wird. Schwerpunkte sind dort beispielsweise die Bereiche Arbeit, Bildung, Barrierefreiheit, Mobilität und Digitalisierung. Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass bei der Erarbeitung des Landesaktionsplans sich alle Menschen, insbesondere Menschen mit Behinderungen, beteiligen können. Das zuständige Referat in der Staatskanzlei hat dafür eine Plattform bei BOB-SH-Landesplanung eingerichtet, die am 05.03.2021 während einer Online-Fachveranstaltung für einen niedrigschwelligen Beteiligungsprozess freigeschaltet wird. Die Einladung ist gerade letzte Woche verschickt worden. Ich werde die Veranstaltung zusammen mit dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen, Herrn Prof. Hase, eröffnen und ermutige alle, sich zu beteiligen! Auch wenn wir die Fachveranstaltung nicht wie geplant als große Präsenzveranstaltung abhalten können: Jede Stimme wird gehört und erhält eine verbindliche Rückmeldung.

B: Und zu guter Letzt: Haben Sie ein Lebensmotto, das Sie unseren Betroffenen und allen Bürgern mit auf den Weg geben können?

DG: Das ist sehr schwierig, da jeder Mensch mit einem anderen Lebensmotto besser klarkommt. Bezogen auf das Thema Inklusion finde ich die Aussage vom ehemaligen Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen von 2009 bis 2013, Hubert Hüppe, sehr passend: „Wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie verhindern will, sucht Begründungen.“ Persönlich ergänzen möchte ich dazu, dass wir in SH in den letzten Jahren bereits viele Wege gefunden haben und diese auch gemeinsam gehen. Darauf bin ich auch ein bisschen stolz. Jetzt gilt es, die Wege „nach und nach“ zu befestigen und auch auszubauen.

Interview: Peter Lange

Fotos: Staatskanzlei SH
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