Handprothese I-Digits Quantum

"...mein persönliches kleines Wunder"

Sarah Hößl lebt mit ihrem Mann in München, beide sind leidenschaftliche Tänzer und haben dies auch zum Beruf gemacht. Die Tanzlehrerin und Dozentin für Kindertanzpädagogik hat Dysmelie, ihre linke Hand ist nicht voll ausgebildet. Über ein Handgelenk verfügt sie, aber Finger und Handteller sind um ein vielfaches kleiner.

Vor gut zwei Jahren entzündete sich die Hand, Schmerzen begleiteten Sarah durch den Tag. Die Hand zu nutzen, war kaum noch möglich. Ihre Orthopädin regte sie dazu an, sich doch mal zu erkundigen, welche technischen Lösungen es gebe. Zuvor hatte Sarah, 35 Jahre alt, nie eine Prothese getragen, kam sie doch einigermaßen gut zurecht. „Wenn man damit aufwächst, dann arrangiert man sich ja mit der kleinen Hand. Greifen kann ich nicht. Nur zusammen mit der anderen Hand, oder schieben“, erzählt die Münchnerin. „In der Kindheit hatte ich eigentlich keine Probleme mit meiner Hand“, erinnert sich Sarah. „Der Ehrgeiz wurde aber so manches Mal geweckt! Als es ums Schuhe binden ging, zum Beispiel. Erst wenn man das konnte, durfte man in die Schule, hieß es früher. Ich habe lange geübt – um dann in der Schule festzustellen, dass andere Kinder noch nicht mal mit zwei Händen konnten, was ich mit einer hinbekam. Mein Vater hatte mir auch damals als Unterstützung ein Kästchen an den Lenker meines Fahrrades gebaut, damit ich dort meine Hand reintun konnte, damit sie bei Unebenheiten nicht abrutscht. Ich fand das aber echt doof und bin dann lange kein Fahrrad gefahren. Irgendwann wurde ich dann von den anderen Kindern zum Fahrrad fahren eingeladen. Da habe ich dann überlegt und mir gedacht: Naja, du musst ja das Kästchen nicht benutzen! Ich habe dann meine Hand einfach daneben gelegt.“ Sarahs Anspruch war es, alles so normal wie möglich zu machen. „Aber ich musste dann natürlich auch hier und da feststellen, dass es einfach manchmal nicht möglich war. Wie damals, als alle Blockflöte gespielt haben und ich das auch unbedingt tun wollte. Ich bekam eine und probierte es aus – aber es klingt wirklich nicht gut, wenn man nicht alle Löcher zuhalten kann.“

Auf Rat ihrer Orthopädin hin recherchierte sie zusammen mit ihrem Mann Johannes. Beide waren überrascht, welche technischen Lösungen es mittlerweile für Menschen mit eingeschränkter Handfunktion gibt. Schwierig sei es aber gewesen, in München den richtigen Ansprechpartner zu finden, erzählt Sarah später. „Ich habe so viele Leute angerufen, schlussendlich war es wieder eine Empfehlung von der Orthopädin, die sich währenddessen auch zusätzlich umgehört hatte, zum Sanitätshaus Streifeneder zu gehen“.

Streifeneder – der Name ist vor allem im Süden Deutschlands bekannt und steht für eine hochwertige orthopädische Versorgung. Was als Kleinstunternehmen begann, entwickelte sich im Laufe fast eines Jahrhunderts zu einem breiten Netz von Versorgungseinrichtungen in München und Oberbayern. Das traditionelle Familienunternehmen wird bereits in zweiter und dritter Generation mit über 700 Mitarbeitern weltweit geführt und gehört zu den größten Versorgern und Fachhändlern in seiner Branche.

Hier wird sie anschließend von Tilo Sünder beraten und betreut, Orthopädietechniker-Meister und stellvertretender Leiter der Orthopädietechnik im Hause Streifeneder. „Das Problem ist, dass zu wenige Leute aus den behandelnden Berufszweigen, wie Arzt, Physiotherapeut oder Orthopäde, wissen, was es inzwischen für Lösungen bei körperlichen Einschränkungen gibt. Hier klafft eine Lücke in der Informationskette. Dazu muss man aber auch klar sagen, dass die Anzahl der Betroffenen hier im Vergleich zu anderen Erkrankungen natürlich recht klein ist. Man hat wenige Spezialisten, die das Thema aktiv angehen“, erklärt der Techniker aus Leidenschaft.

Sarah & Johannes

Beide vereinbaren einen Termin und Sarah lässt sich darüber aufklären, was in ihrem Fall alles möglich ist. „Zunächst musst du dir hinsichtlich einer Versorgung einfach bewusst werden: was willst du? Soll die Prothese so natürlich wie möglich aussehen und kaum auffallen, oder willst du damit was machen können? Soll sie dich im Alltag unterstützen oder nur schick aussehen?“ Beide beschließen, Sarah mit einer der i-Digits Quantum-Teilhandprothesen des isländischen Herstellers Össur zu versorgen. Dieser hat damit vor einiger Zeit ein neues Kapitel im Bereich der myoelektrischen Teilhandprothesen aufgeschlagen – denn sie ist die erste multiartikulierende Teilhandprothese, die mit nur einer Geste gesteuert werden kann.

Ich wollte keine Schmuckprothese, sondern auf jeden Fall eine, mit der man auch was machen kann. Denn ich schäme mich ja nicht für meine Hand. Ganz und gar nicht! In meiner Situation ist es ja auch so, dass es mit Prothese nur besser werden kann“.

Manchmal sei aber auch das Umfeld sehr beeinflussend, erklärt Tilo Sünder. Er versorgte einen Patienten, der nach ein paar Jahren einen hautfarbenen Handschuh haben wollte, da die Freunde seiner Tochter immer auf seine Prothese aufmerksam wurden und seiner Frau das unangenehm war. „Der Anwender muss das idealerweise aber selbst entscheiden“, riet der Orthopädietechniker-Meister.
In Sarahs Fall wurde einige Zeit später die Testversorgung genehmigt. Voller Spannung erwartete Sarah den Tag, an dem es hieß: Deine Prothese ist fertig! „Als Techniker musst du als erstes herausfinden: Was will der Anwender? Man muss versuchen darzulegen, wie die Versorgung ungefähr aussehen wird, damit der Anwender weiß, auf was er sich einlässt. Dazu musst du natürlich auch das Produkt kennen. Manche haben klare Vorteile, aber erfüllen dann nicht den kosmetischen Anspruch“. Und dann war es soweit. Sarah nahm die Handprothese in Empfang, bestehend aus einem Silikonschaft, einem Carbonrahmen sowie der i-Digits Quantum und dem dazugehörigen Akku-Pack. „Das war der absolute Flash! Ich konnte ja in meinem ganzen Leben noch nichts mit links greifen. Es war so toll! Die Hand anzuhaben und dann greifen – Wahnsinn! Die meisten Worte in der ersten Woche waren: ‚Schatz! Guck mal, guck mal, guck!!!‘ Oder: ‚Scheiße!‘, wenn ich was kaputt gemacht hatte“, erzählt Sarah aufgeregt und lacht.

„Man muss dazu sagen, dass ich natürlich nicht nur mit den einfachen Dingen angefangen habe, sondern mit dem, was Tilo mir riet, erstmal nicht zu machen. Und stell dir vor, du kannst das erste Mal im Leben mit links eine Banane halten und die dann auch noch schälen! Wie cool!“ Sarah strahlt über das ganze Gesicht. Man merkt ihr deutlich an, dass diese Prothese ihr Leben verändert hat. Sie sprüht vor Energie und erzählt, dass das Essen mit Messer und Gabel nun ihre neue Lieblingsbeschäftigung sei. „Das ging ja leider vorher nicht so richtig. Einfach eine Pizza schneiden oder essen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, ob gleich wieder etwas davon über den Tisch segelt, da ungünstig mit der Gabel getroffen. Da musste ich halt meist um Hilfe fragen.“

Nach vier Wochen Testphase kam der große Tag und Sarah stellte in der Anwesenheit ihres Technikers, einem Vertreter der Krankenkasse und des medizinischen Dienstes die Funktionalität der Prothese und die lang ersehnte Unterstützung dadurch unter Beweis. Die Prothese wurde anschließend genehmigt.

Die i-Digits Quantum wurden speziell für Anwender mit Teilhandverlust entwickelt. Mithilfe der patentierten i-Mo™ Technologie kann Sarah nun Griffmuster ganz einfach per Handbewegung aktivieren: bewegt sie die i-Digits Quantum in eine von vier Richtungen, greift diese auf ein hinterlegtes Griffmuster zu. Insgesamt sind bis zu 36 vorprogrammierte und individuelle Griffmuster verfügbar. „Wenn du vorher nicht greifen konntest, dann sind drei Greifmuster schon der Wahnsinn für dich!“, streut Sarah ein. Die fröhliche Münchnerin fährt fort und berichtet, dass sie von der Technik vollkommen beeindruckt war und sich überraschend schnell daran gewöhnt hat.

„Die Versorgung ist für mich wie ein Wunder und es ging wirklich schnell. Die Hand gibt mir Sicherheit und Freiheit! Wobei Sicherheit ein sehr großer Aspekt ist, zum Beispiel beim Fahrradfahren oder bei dem Umgang mit Messern in der Küche.“ Tilo Sünder weist darauf hin, dass aber mit solch einer Prothese auch nicht alles möglich sei. Die Hand nach dem Kochen abwaschen zum Beispiel, da seien Grenzen gesetzt. „Damit Tilo nicht jede Woche die Reste vom Frühstück aus der Hand holen muss, verwende ich diesen schwarzen Einweghandschuh“, erklärt Sarah lachend. Neulich hätte sie sich in den Finger geschnitten, erzählt sie. Erst war sie erschrocken und fing dann an zu lachen, denn: Es tat ja gar nicht weh!

Nach einem zusätzlichen Anwendertraining in der Össur Academy fühlte sich die frisch gebackene Anwenderin noch sicherer. „Ich habe gelernt, wie man noch weitere Griffarten nutzt. Zudem, wie robust diese Hand ist und ich sie anfassen kann, ohne etwas kaputt zu machen. Im Großen und Ganzen bin ich auch schneller und sicherer in der Benutzung meiner Hand geworden“.

Ein Jahr ist Sarah mittlerweile mit der Prothese versorgt und bringt diese nun zur Wartung vorbei. „Die Zusammenarbeit mit Tilo war und ist so toll! Ich habe mich auch so gut aufgehoben gefühlt und komme immer sehr gern hierher.“ Tilo Sünder und seine beiden an der Versorgung beteiligten Kollegen Fabian Goller und Martin Blimetsrieder freuen sich über diese Aussage. Sie weisen darauf hin, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, zu welchem Sanitätshaus er geht. Wichtig sei, dass man sich wohlfühle und mit dem Techniker zurechtkomme. Wenn nicht, sollte man lieber das Sanitätshaus wechseln, rät Tilo. „Wenn man dich kennt, geht man nirgendwo anders hin“, wirft Sarahs Mann Johannes ein. Er und seine Frau haben sich auf einer Verbandstagung kennengelernt und gehen seitdem einen gemeinsamen Weg. Nicht nur die Leidenschaft zum Tanzen verbindet sie, sondern unter anderem auch die Herausforderungen, die beide zu meistern haben; Sarah durch ihre Dysmelie und Johannes durch die Diagnose Parkinson.

In Kürze bekommt Sarah noch Grip Chips, die der Hand extern signalisieren, welche Bewegung sie ausführen soll. „Das wäre fürs Auto fahren klasse“, ruft Sarah begeistert.

BEI ORTHOPÄDIE- UND REHA-TECHNIK

EIN KOMPETENTER & VERLÄSSLICHER PARTNER:

das Unternehmen Streifeneder

Mit 16 eigenen Sanitätshäusern und Orthopädischen Werkstätten im Raum Bayern ist das Unternehmen Streifeneder Versorger und Fachhändler für ein weit gefächertes Angebot an Hilfsmitteln und Gesundheitsprodukten. Das Sortiment reicht dabei vom erstattungsfähigen Standardhilfsmittel bis hin zum hochtechnologisierten Premiumprodukt. Die Sanitätshäuser, großteils mit angeschlossener Werkstatt, produzieren auch heute noch individuell angefertigte Schuheinlagen, Prothesen, Orthesen, Bandagen und weitere orthopädische Hilfsmittel aller Art.

Die Versorgung mit Hilfsmitteln zur Rehabilitation (wie z. B. Rollstühle, Krankenbetten oder Badewannenlifter) bildet, durch ein breit aufgestelltes Service- und Lieferteam, eine weitere Kernkompetenz. Maßgefertigte Sonderbauten ermöglichen die individuelle Anpassung an den Patienten. An die Produkte und den Service werden höchste Qualitätsansprüche gestellt; kompetente, individuelle Betreuung und Dienstleistung zeichnen das Traditionsunternehmen aus.

Genauso vielseitig wie das Spektrum der Produktpalette und Dienstleistungen ist die Kundschaft – vom Neugeborenen bis zum Senioren, vom Hobby- bis zum Extremsportler, selbst Betroffenen oder Angehörigen. Erfahrene Fachberater stehen in engem Kontakt mit den Betroffenen, deren Angehörigen und medizinischem Fachpersonal, um vor Ort zu erfahren, welche Hilfsmittel die Beweglichkeit und damit die Lebensqualität der Patienten optimieren können. Großer Wert wird auch gelegt auf die hervorragende Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter sowie ein sicheres und freundliches Arbeitsumfeld. Diese Unternehmensphilosophie hat sich bewährt: Etwa jeder 7. Mitarbeiter ist seit mehr als einem Jahrzehnt bei Streifeneder angestellt. Und auch die Zahl an Auszubildenden verspricht eine weiterhin erfolgreiche Zukunft für das Unternehmen – zur Zeit sind 54 Azubis in neun Berufen beschäftigt.


INFOBOX:

Weitere Informationen & Kontakt:

F. G. Streifeneder KG
Orthopädietechnik · Sanitätshäuser Rottmannstraße 20 – 22
80333 München
Telefon: 089 52096-0
www.streifeneder.de


i-Digits™ QUANTUM

Die i-Digits Quantum beeindruckt besonders durch ihre Präzision, Kraft und intelligente Bewegungssteuerung. Zudem bietet sie viele nützliche Funktionen:

EIN BIS FÜNF UNABHÄNGIG VONEIN-ANDER BEWEGLICHE FINGER, DIE SICH AN DIE INDIVIDUELLE OBERFLÄCHE VON GEGENSTÄNDEN ANPASSEN

Je nach Konfiguration sorgen ein bis fünf voneinander unabhängig bewegliche Finger für maximale Geschicklichkeit und Koordination. Die Fingergeschwindigkeit kann außerdem mit dem Speed Boost Feature um bis zu 30 % erhöht werden. Sehr praktisch ist auch die Touchscreen kompatible Fin-gerspitze: sie ist leitfähig und funktioniert für alle Touchscreen-Geräte.

HANDGELENKSMANSCHETTE

Durch die Positionierung von Mikroprozessor und Batterien in der Handgelenksmanschette bleibt die Handgelenksbeweglichkeit weitestgehend erhalten. Hier unterscheidet sich die i-Digits Quantum von Vergleichsprodukten, bei denen der Silikonschaft über das Handgelenk ragt und dieses in seiner Beweglichkeit einschränkt.

VARI-GRIP- UND AUTO-GRASP-FUNKTION

Die Griffstärke kann mit der Vari-Grip-Funktion individuell den Bedürfnissen angepasst werden. Zudem verhindert die Auto-Grasp-Funktion ein Herausrutschen von Gegenständen.

VIER STEUERUNGSSYSTEME ZUR AUSWAHL
Die i-Digits Quantum bietet gleich vier verschiedene Steuerungsvarianten:
die GESTENKONTROLLE, welche den Zugriff auf ei-nen automatisierten Griff ermöglicht, indem die i-Digits Quantum in eine von vier Richtungen bewegt wird,
die MUSKELKONTROLLE, bei der bestimmte Muskelsignale (Trigger) einen automatisierten Griff aktivieren, die APP-KONTROLLE, mit der insgesamt 36 Griffe über ein Smartphone direkt ausgewählt werden können und die ANNÄHERUNGSKONTROLLE, bei der kleine Bluetooth-Transmitter (Grip Chips™) einen Griff aktivieren, sobald die i-Digits Quantum in deren Nähe bewegt wird.

Weitere Informationen finden Sie auf: www.ossur.de

Fotos: F. G. Streifeneder KG, Redaktion Barrierefrei, Össur Deutschland, privat