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Digitale Selbsthilfe

Austausch von überall, wenn Rausgehen schwerfällt

Manche Tage können sich einfach bleiern anfühlen. Der Weg zur Bushaltestelle ist zu weit. Die Kräfte reichen nicht für einen längeren Termin. Oder Ihre Region ist schlicht so abgelegen, dass jedes Treffen eine umständliche Anfahrt erfordert. Das Bedürfnis nach Austausch und Versorgung bleibt dennoch bestehen. Genau hier setzt die digitale Selbsthilfe an: Sie ermöglicht Begegnung, ohne dass Sie Ihr Zuhause verlassen müssen.

Was bedeutet digitale Selbsthilfe konkret?

Im Kern folgt sie denselben Prinzipien wie klassische Selbsthilfegruppen: Menschen mit ähnlichen Erfahrungen kommen zusammen, teilen Wissen, sprechen über Belastungen und unterstützen sich gegenseitig. Der Unterschied liegt allein im Rahmen.

Treffen finden per Videokonferenz statt, Gespräche werden in moderierten Onlineforen geführt oder in geschlossenen Messenger-Gruppen organisiert. Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) sowie Informationen von gesund.bund.de zeigen, dass sich diese Form der Vernetzung in den vergangenen Jahren fest etabliert hat. Viele Gruppen arbeiten ehrenamtlich, manche werden von Verbänden oder Selbsthilfekontaktstellen begleitet.

Digitale Selbsthilfe ist damit keine Notlösung, sondern eine eigenständige, anerkannte Form des Austauschs.

Bunter Regenbogen-Regenschirm liegt auf nassem Boden in einem dunklen Tunnel; die Umgebung ist schwarz-weiß, im Hintergrund fällt Tageslicht ein.

Lesetipp: Sie fragen sich, wie Selbsthilfe grundsätzlich Halt geben kann und warum der Austausch mit anderen so entlastend wirkt? Dann lesen Sie auch unseren Beitrag „Diagnose behindertes Kind – wie Eltern Halt finden können“. Dort erfahren Sie, wie Vernetzung Betroffenen Orientierung und Stabilität geben kann.

Wann sind digitale Angebote besonders sinnvoll?

Vor allem dann, wenn die Mobilität eingeschränkt ist oder Energie bewusst eingeteilt werden muss. Menschen mit chronischer Erschöpfung, mit neurologischen oder orthopädischen Einschränkungen, mit seltenen Erkrankungen oder in ländlichen Regionen profitieren davon, Wege einzusparen und dennoch verbindlich in Kontakt zu bleiben.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Online vergrößert sich der Radius. Statt auf das Angebot vor Ort beschränkt zu sein, können Sie bundesweit nach einer passenden Gruppe suchen. Gerade bei speziellen Themen erhöht das die Wahrscheinlichkeit, wirklich verstanden zu werden.

Wie finden Sie eine geeignete Gruppe?

Ein bewährter Ausgangspunkt ist die Datenbank der NAKOS. Dort lassen sich digitale Gruppen gezielt nach Thema recherchieren. Auch örtliche Selbsthilfekontaktstellen beraten telefonisch oder per E-Mail und helfen bei der Einordnung.

Viele Fachverbände und Organisationen bieten eigene Onlineformate an oder verweisen auf bestehende Gruppen. Häufig sind Schnuppertermine möglich. Das ist sinnvoll: Denn dabei erleben Sie direkt, wie die Gruppe arbeitet, wie strukturiert das Treffen abläuft und ob die Atmosphäre für Sie stimmig ist.

Worauf sollten Sie bei digitaler Selbsthilfe achten?

Transparenz ist auch bei digitalen Selbsthilfeangeboten ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Seriöse Anbieter benennen ihre Trägerschaft offen und informieren über Datenschutzregelungen. Klare Gruppenvereinbarungen und eine Moderation tragen dazu bei, dass Gespräche respektvoll bleiben und persönliche Grenzen gewahrt werden.

Digitale Selbsthilfe kann auf diese Weise entlasten, stabilisieren und Orientierung geben. Sie ersetzt jedoch keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung in akuten Krisen. Wenn Sie das berücksichtigen, lässt sich das Angebot realistisch und sinnvoll einordnen.

Letztlich zählt auch Ihr Eindruck: Fühlen Sie sich ernst genommen? Werden unterschiedliche Sichtweisen respektiert? Dann kann sich daraus eine tragfähige Form der Unterstützung entwickeln.

Frau sitzt auf dem Sofa mit Decke und nutzt einen Laptop für eine Videokonferenz; auf dem Bildschirm sind mehrere Teilnehmende zu sehen.

Der erste Schritt

Vielleicht ist gerade die kalte Jahreszeit mit ihren oft unwirtlichen Straßenverhältnissen ein guter Moment, um digitale Selbsthilfeangebote einmal auszuprobieren, nach einer thematisch geeigneten Gruppe Ausschau zu halten und zunächst unverbindlich teilzunehmen. So kann in Ruhe geprüft werden, ob das Angebot überhaupt passt.

Wenn sich der erste Termin für Sie stimmig anfühlt, kann es hilfreich sein, einen regelmäßigen wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Austausch einzuplanen. Denn eine gewisse Verbindlichkeit kann Struktur geben und so die Teilnahme erleichtern. Auf diese Weise kann auch ein digitales Treffen nach und nach zu einer verlässlichen Konstante im Alltag werden.

Zum Weiterlesen: Sie möchten wissen, wie regelmäßige Treffen ganz konkret Halt geben und neue Perspektiven eröffnen können? In unserem Beitrag „AA – Hilfe, die Leben retten kann“ lesen Sie, wie Selbsthilfe – digital und vor Ort – Menschen langfristig Stabilität schenkt.

Anlaufstellen für digitale Selbsthilfe auf einen Blick

NAKOS – Datenbank für Selbsthilfegruppen: www.nakos.de
Digitale Selbsthilfe – bundesweite Übersicht: www.digitale-selbsthilfe.de
gesund.bund.de: www.gesund.bund.de/digitale-selbsthilfe
BAG Selbsthilfe: www.bag-selbsthilfe.de
DepressionsLiga – Selbsthilfegruppen-Datenbank: www.depressionsliga.de
Blaues Kreuz – Online-Selbsthilfe (Sucht): www.blaues-kreuz.de

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