StartTechnik & InnovationEin Roboter-Gym am Müncher Flughafen

Ein Roboter-Gym am Müncher Flughafen

Projekt TUM RoboGym

Humanoide Roboter wirken auf viele Menschen noch immer wie ein Blick in die Zukunft. Nach Einschätzung der Technischen Universität München könnte diese Zukunft jedoch näher sein, als es auf den ersten Blick scheint. Gemeinsam mit dem Unternehmen NEURA Robotics plant die TUM ein neues Zentrum, in dem Roboter gezielt trainiert und weiterentwickelt werden sollen: das TUM RoboGym. Entstehen soll es im TUM Convergence Center am Münchner Flughafen. Auf einer Fläche von 2.300 Quadratmetern wollen die Partner dort nach eigenen Angaben das weltweit größte Forschungs- und Trainingszentrum für Robotik im wissenschaftlichen Bereich aufbauen.

Ein gemeinsames Projekt von Forschung und Industrie

Hinter dem TUM RoboGym stehen das Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (TUM MIRMI) der Technischen Universität München und NEURA Robotics. Geleitet werden soll das Zentrum von den TUM-MIRMI-Professoren Lorenzo Masia und Achim Lilienthal. Geplant ist, dort künftig hunderte Robotersysteme weiterzuentwickeln und mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz zu trainieren. Dazu gehören auch humanoide Roboter. Das Projekt ist Teil der erweiterten TUM Industry on Campus-Strategie und soll die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie weiter ausbauen.

17 Millionen Euro für das TUM RoboGym

Für das neue Zentrum investieren die beiden Partner gemeinsam 17 Millionen Euro. NEURA Robotics übernimmt mit elf Millionen Euro den größeren Anteil. Das Geld soll vor allem in die Anschaffung der Roboter und in die Wartung der Hardware fließen. Nach Angaben der Beteiligten profitieren beide Seiten von der Zusammenarbeit: Die Universität bringt ihre Forschung ein, das Unternehmen vor allem robotische Technologie und Infrastruktur. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung wurde bereits unterzeichnet.

Humanoide Roboter sollen den Alltag unterstützen

TUM-Präsident Thomas F. Hofmann betont, dass humanoide Roboter den Bereich der Science-Fiction längst verlassen hätten. Schon in naher Zukunft könnten sie Menschen bei vielen Aufgaben im Alltag unterstützen. Dabei gehe es nicht nur um technische Leistungsfähigkeit. Ein wichtiges Ziel des Projekts sei auch, die Sicherheit im Zusammenleben von Mensch und Roboter zu gewährleisten.

Daten als Schlüssel für intelligente Robotik

Großes Robotiklabor mit mehreren Testkabinen, humanoiden Robotern und Mitarbeitenden an Computern.

Aus Sicht von David Reger, Gründer und CEO von NEURA Robotics, entscheidet in der intelligenten Robotik vor allem die Qualität der Trainingsdaten über den Fortschritt. NEURA Robotics will deshalb seine Erfahrung beim Aufbau von Robotergyms und bei der Vernetzung von Daten über die Plattform Neuraverse in das Projekt einbringen.
Im TUM RoboGym soll unter anderem ein KI-unterstütztes Training robotischer Systeme stattfinden. Die dabei entstehenden Daten wollen TUM MIRMI und NEURA Robotics größtenteils in einem offenen Ökosystem der Robotik-Community zur Verfügung stellen.

Lernen in der realen Welt statt nur aus dem Netz

Im Unterschied zu Sprachmodellen wie ChatGPT kann verkörperte KI nicht einfach auf riesige Mengen frei verfügbarer Internetdaten zurückgreifen. Geeignete Videos, in denen Roboter bestimmte Aufgaben ausführen, sind kaum vorhanden. Außerdem ist bislang nicht klar, wie gut sich Bewegungen aus solchen Videos zuverlässig auslesen lassen. Hinzu kommt: Simulationen sind oft nicht präzise genug. Bedingungen der realen Welt, etwa Reibungskräfte, lassen sich dort nicht verlässlich abbilden.

Menschen bringen Robotern Fähigkeiten bei

Genau deshalb braucht es Prof. Achim Lilienthal zufolge ein Trainingszentrum, in dem Menschen Robotern einzelne Fähigkeiten beibringen, wie zum Beispiel eine Schachtel zu falten oder Bauteile zusammenzustecken. Ziel ist es, dass Roboter im RoboGym allgemeine Fertigkeiten lernen und diese später selbstständig auf spezielle Aufgaben übertragen können. Dafür sind große Mengen an Datensätzen nötig, die im TUM RoboGym von menschlichen Roboter-Trainern erstellt werden sollen.
Das geplante TUM RoboGym zeigt, wie Forschung und Industrie gemeinsam an der nächsten Generation intelligenter Robotik arbeiten. Wenn Roboter dort mit dem Training tatsächlich fitter in ihren Aufgaben werden sollten, könnte das die Unterstützung im Alltag künftig deutlich verbessern.

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