Ein Arzttermin kann Energie kosten, selbst bei einer Routineuntersuchung. Neben langen Wartezeiten kommen bei einem Besuch im Rollstuhl oft noch ganz handfeste Punkte dazu: Ist der Eingang ohne Stufen erreichbar? Passen Türen und Flure? Gibt es eine Toilette, die wirklich nutzbar ist? Und wie läuft die Untersuchung ab, wenn ein Umsetzen auf die Liege nötig ist?
Viele Schwierigkeiten entstehen durch fehlende Barrierearmut und knapp kalkulierte Abläufe. Mit ein paar gezielten Schritten können Sie jedoch vorab einiges an Druck aus der Situation nehmen.
Lesetipp: Haben Sie schon einmal überlegt, ob sich manche Wege auch vermeiden lassen, zum Beispiel durch Videosprechstunden? Dann kann unser Beitrag Telemedizin eine gute Orientierung sein.
Vor dem Termin klären, was im Rollstuhl wirklich zählt
Die 116117-Arztsuche ist ein guter Startpunkt, weil dort häufig Hinweise zur Barrierefreiheit angezeigt werden. Gleichzeitig gilt: Solche Angaben können lückenhaft oder nicht mehr aktuell sein. Deshalb lohnt sich ein kurzer Telefoncheck in jedem Fall.
Wichtig ist dabei, dass Sie ganz konkrete Fragen stellen. „Ist die Praxis barrierefrei?“ führt oft zu einem freundlichen, aber wenig belastbaren „Ja“. Besser ist hingegen das Nachhaken bei präzisen Punkten: Ob zum Beispiel ein Zugang ohne Stufen gegeben ist, die Türen breit genug sind, ein Behinderten-WC und Platz im Behandlungsraum vorhanden sind.
Wenn die Praxis Ihnen bei einzelnen Punkten ausweichend antwortet, ist das schon eine hilfreiche Information: Dann können Sie entscheiden, ob Sie einen anderen Terminort wählen oder eine Begleitperson einplanen.
Anfahrt und Ankommen
Planen Sie nicht nur Zeit, sondern auch Reserven für den Weg ein. Ein Behindertenparkplatz in der Nähe hilft nur, wenn der Weg zum Eingang tatsächlich ohne Stufe und mit abgesenktem Bordstein machbar ist. Wenn Sie auf Taxi oder Fahrdienst angewiesen sind, bedenken Sie den Rückweg gleich mit, sofern der Termin länger dauert.
Falls Sie eine Begleitperson mitnehmen möchten, ist das auch eine organisatorische Entscheidung. Klären Sie hier möglichst vorher, wobei die Person Sie unterstützen soll (zum Beispiel Weg, Türen, Mitschreiben oder Transfer).
Vorbereitung auf das Arztgespräch: kurz, aber wirksam
Für das Arztgespräch selbst ist etwas Planung ebenfalls nützlich, aber einen langen Fragenkatalog brauchen Sie dafür nicht. Drei Dinge reichen oft: eine aktuelle Medikamentenliste (mit Dosierung und Einnahmezeiten), Ihre Beschwerden in wenigen Stichworten (seit wann, wie stark, was hilft) und eine klare Zielsetzung für den Termin. Das sorgt dafür, dass Sie auch bei Zeitdruck zu einer Behandlungsentscheidung kommen, die Sie nachvollziehen können.
Untersuchung und Transfer: Das darf vorab Thema sein
Viele unangenehme Situationen entstehen, wenn erst im Behandlungszimmer klar wird, dass die Liege zu hoch oder der Raum zu eng ist. Sprechen Sie auch diese Punkte daher ruhig vorher an.
Wenn ein Transfer für Sie nicht möglich oder nur mit Hilfe sicher ist, sagen Sie das möglichst frühzeitig. Fragen Sie nach einer höhenverstellbaren Liege oder nach einer Alternative, die für Sie funktioniert (zum Beispiel Untersuchung im Rollstuhl, wenn medizinisch vertretbar). Gute Versorgung heißt auch, dass Ihre Sicherheit und Ihr Körper ernst genommen werden.
Zum Weiterlesen: Ist das sichere Umsetzen für Sie ein Dauerthema – zu Hause und unterwegs? Dann finden Sie im Beitrag „Selbstständig aus Bett und Rollstuhl mit Hebebügel“ praktische Einblicke, wie Transfers leichter gestaltet werden können.

Barrierefreie Praxen finden & Praxiswechsel
Für die Suche ist die 116117-Arztsuche ein sinnvoller Einstieg, entscheidend ist aber anschließend der Telefoncheck. Ergänzend helfen oft Hinweise Ihrer Krankenkasse und Erfahrungswissen aus Selbsthilfegruppen vor Ort.
Manchmal kann auch das konkrete Benennen bestehender Probleme den Unterschied machen. So kann die Praxis prüfen, ob es Alternativen gibt, wie zum Beispiel einen anderen Raum oder Ablauf. Zum Weiterlesen bieten auch die Ratgeber gesund.bund – Patientenrechte und gesund.bund – Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderung eine gute Übersicht über Ihre Rechte und weitere hilfreiche Informationen zur Versorgung.
Und wenn Sie dennoch mehrfach erleben, dass es vor Ort nicht funktioniert, ist ein Praxiswechsel vielleicht der passendere Schritt zu einer guten Versorgung.

