Kommunikation ist mehr als gesprochene Sprache. Sie ist auch ein Blickkontakt, ein Lächeln, eine Geste, und dient so oft als Brücke, gerade wenn Worte fehlen.
Für Menschen mit kognitiven und sprachlichen Einschränkungen ist die nonverbale und gebärdenunterstütze Kommunikation oft unentbehrlich, um sich verständlich zu machen. Mit der App „Schau doch meine Hände an“ stellt der Evangelische Bundesfachverband für Teilhabe (BeB) nun ein digitales Werkzeug vor, das sie im Alltag unterstützen kann. Die Anwendung ist ab sofort über die Website des Verbandes verfügbar. Ziel ist es, Verständigung einfacher, selbstbestimmter und alltagsnah zu gestalten.
Lesetipp: Welches Potenzial digitale Lösungen für mehr Verständigung und Teilhabe schon heute eröffnen, erfahren Sie auch in unserem Beitrag „KI und 3D-Avatare für Gehörlose“.
Digitale Weiterentwicklung eines bewährten Konzepts
Die App basiert auf dem gleichnamigen Buch- und DVD-Projekt, das in der Praxis der Behindertenhilfe bereits seit Jahren eingesetzt wird. In Kooperation mit „Die Zieglerschen e. V.“ wurde das Konzept in eine barrierearme digitale Anwendung überführt. Gefördert wurde das Projekt auch durch die „Aktion Mensch“, Paulinenpflege und „Die Zieglerschen“.
Die Anwendung soll einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu Gebärden zu schaffen, auch für Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt lesen können. Doch was bedeutet das konkret?
Was bedeutet gebärdenunterstützte Kommunikation?
Die sogenannten Lautsprachunterstützenden Gebärden (LUG) kombinieren gesprochene Sprache mit einzelnen Handzeichen. Diese Gebärden orientieren sich an der Deutschen Gebärdensprache, werden jedoch vereinfacht und begleitend eingesetzt.
Anders als beim vollständigen Erlernen einer Gebärdensprache geht es hier um unterstützende Elemente: Ein gesprochenes Wort wird gleichzeitig durch eine Handbewegung visualisiert. Dadurch entstehen zusätzliche Verständnishilfen, besonders für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder verzögerter Sprachentwicklung. Die Methode wird bereits seit vielen Jahren in inklusiven Bildungseinrichtungen und in der Behindertenhilfe eingesetzt.
Kombination mit Metacom-Symbolen
Ein zentrales Merkmal der App ist die Verbindung von Lautsprachunterstützenden Gebärden mit sogenannten Metacom-Symbolen. Metacom ist ein grafisches Symbolsystem, das in der Unterstützten Kommunikation weit verbreitet ist. Die klar gestalteten Bildzeichen stehen jeweils für konkrete Begriffe oder Handlungen, wie etwa „essen“, „Pause“ oder „Arzt“.
Durch die Verknüpfung von Symbol, Gebärde und optional gesprochener Sprache werden mehrere Wahrnehmungskanäle gleichzeitig angesprochen. Dies kann das Verständnis und die Merkfähigkeit unterstützen.

Funktionsumfang der App
Die App bietet:
- Über 20 thematische Kategorien (z. B. Farben, Formen, Essen und Trinken, Kleidung, Freizeit, Zahlen, Kalender, Sexualität)
- Einen erweiterten Alltagswortschatz
- Illustrationen mit Bewegungsdarstellungen
- Lehrvideos zu den Gebärden
- Eine Suchfunktion
- Ein integriertes Fingeralphabet
- Druckvorlagen
- Die Möglichkeit, individuelle Wortlisten zu erstellen
Nutzerinnen und Nutzer können ihr persönliches Vokabular selbst zusammenstellen und an ihren Alltag anpassen. Nach Angaben der Projektbeteiligten entstand die App aus konkreten Alltagssituationen und Unterstützungsbedarfen. Sie soll Kommunikation im direkten Umfeld erleichtern und selbstbestimmte Teilhabe stärken.
Die Anwendung richtet sich sowohl an Einzelpersonen als auch an Fachkräfte. Eingesetzt werden kann sie beispielsweise im häuslichen Umfeld, in inklusiven Bildungseinrichtungen oder auch bei der Therapie.

Weitere Infos
Mehr über die App erfahren Sie auf der Website des BeB, wo sie auch direkt als Abo bezogen werden kann.

