Alternative Limp Project

Wie Ästhetik die Brücke zwischen Prothetik und Nutzer schlägt

Wenn Sophie de Oliveira Barata an einer Prothese arbeitet, ist das Werkstück meist überraschend für unsere Sehgewohnheiten. In ihrem Atelier in Lewes, in der Grafschaft East Sussex in England gelegen, erschafft sie jeden Tag den Wünschen ihrer Kunden entsprechend handwerklich höchst anspruchsvolle, tragbare Kunstwerke.

Ihre prothetischen Kreationen verbinden dabei die neueste Technologie mit dem traditionellen Handwerk der Orthopädietechnik und setzen sich mit den Themen Körperbild, Modifikation, Evolution und Transhumanismus auseinander. Gleichzeitig fördern sie offene Gespräche über Behinderungen und zelebrieren die Vielfalt des Körpers.

Bei der Fertigung der individuellen Stücke ihres Alternative Limb Projects arbeitet sie mit Spezialisten in Bereichen wie 3-D-Modellierung, Elektronik und Spitzentechnologie zusammen. Zu den Kunden gehörten bislang paralympische Athleten, Musiker, Models, Videospielfirmen und Museen.


So, wie bei der Mode die Kleidung zur Form des Selbstausdrucks wird, dient beim Alternative Limb Project die Prothetik der Erweiterung der Persönlichkeit des Trägers.

Dabei wird jedoch nicht die Abwesenheit eines Körperteils betont, sondern dessen Transformation durch die Prothese.


Limb Project die Prothetik der Erweiterung der Persönlichkeit des Trägers.
Dabei wird jedoch nicht die Abwesenheit eines Körperteils betont, sondern dessen Transformation durch die Prothese.

Bei persönlichen Aufträgen bittet Sophie de Oliveira Barata ihren Kunden zunächst darum, ein Mood-board zu erstellen. Dafür sammelt der Kunde Bilder, zu denen er sich hingezogen fühlt: sei es die Stimmung, das Thema, die Farben, die Materialien oder etwas, mit dem er auf andere Weise verbunden ist.

Über das Gesammelte wird anschließend lange gesprochen und nach Mustern gesucht. Auch die praktischen Aspekte des Stücks werden diskutiert, z. B. wann und wie lange die Prothese getragen werden soll. Aus diesen Informationen und aus den ersten Skizzen generiert Sophie de Oliveira Barata anschließend ihre Ideen. Einige Kunden haben eine klare Vorstellung von dem, was sie wollen, andere müssen sich weiter damit befassen. Den Unschlüssigen bietet sie mit ihren Vorschlägen noch mehr Auswahl und regt dazu an, verschiedene Elemente zu kombinieren, um so eigene, passende Ideen zu finden.

Obwohl die Auftragsarbeiten meist optisch auffallen, sind sie bei abstrakterer Betrachtung doch nicht so ungewöhnlich. Denn die Mehrheit der Kunden wählt eine Prothese, die der üblichen Form entspricht. Es wären jedoch auch gänzlich andere Varianten möglich. Die Prothese soll sich meist symmetrisch zum Körper verhalten, so, wie es auch den Sehgewohnheiten entspricht.

Für Sophie de Oliveira Barata ist daher gerade das Asymmetrische das Interessanteste, das natürliche Ende der Extremität versteckt sie deshalb nicht unbedingt.


In dem Werkstück ,Synchronized“ für Kelly Knox ist die Form des natürlichen Arms bewusst hervorgehoben durch die in Gold galvanisierte Fassung.

Der Rest der Extremität ist transparent. Die Trägerin ist stolz auf ihren Körper und dies vermittelt auch ihre Prothese.


Die Künstlerin hofft, gerade diesen Ansatz in Zukunft weiter verfolgen zu können: nämlich nichts zu verstecken, sondern vielmehr einen neuen Eindruck zu schaffen, bei dem die natürlichen und die künstlichen Körperteile sich auch optisch gegenseitig hervorheben und unterstützen.

Weitere Infos zum Alternative Limb Project finden Sie hier:

www.thealternativelimbproject.com
Instagram: @thealternativelimbproject

Fotos: Simon Clemenger, Omkaar Kotedia , R .Williams, Jon Enoch, Sophie de Oliveira Barata, Grafik: www.freepik.com